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„Umbau statt Zuwachs“ setzt auf konsequente Innenstadtentwicklung / Erhalt von Identität herausgestellt

Ein Projekt gegen den Verfall der Ortskerne

Bad Münder (jhr). Der kritische Blick auf die Innenstadt macht es deutlich: Bad Münder hat ein Problem. Mit leeren Geschäftsräumen. Mit Wohnungen, in denen niemand mehr leben möchte. Mit Häusern, in die nicht mehr investiert wird, die zusehens an Substanz verlieren.

Viel Leerstand in Geschäftsräumen und Wohnungen hat der Planungsbeirat in der Obertorstraße ausgemacht – ein „Impuls

Bad Münder (jhr). Der kritische Blick auf die Innenstadt macht es deutlich: Bad Münder hat ein Problem. Mit leeren Geschäftsräumen. Mit Wohnungen, in denen niemand mehr leben möchte. Mit Häusern, in die nicht mehr investiert wird, die zusehens an Substanz verlieren. „Umbau statt Zuwachs“ heißt das Modellprojekt, an dem sich die Stadt zur Entwicklung von Konzepten zur Innenstadtentwicklung beteiligt – bereits bei drei Treffen haben Planer, Vertreter der Stadt, der Kliniken, der Politik und Vereine sowie Hausbesitzer diskutiert, was getan werden kann.

In den Planungsbeiratssitzungen entwickelten die Münderaner mit Unterstützung der beiden Planer Hajo Brudniok und Dirk Puche verschiedenen Szenarien für den historischen Stadtkern und damit auch die Grundlage für die weitere Beratung. Ein Patentrezept zur Lösung des münderschen Problems gab es zwar auch nach der dritten und vorerst letzten Sitzung des Beirates am Dienstagabend nicht – aber diese Erwartung hatten die Teilnehmer auch nicht. „Wir haben einen Prozess gestartet, der Anfang ist gemacht, das Bewusstsein geweckt“, erklärte Ulrike Behrens vom Referat Stadtentwicklung.

Planer Puche hatte zuvor vier verschiedene Szenarien mit den Teilnehmern entwickelt, die mögliche Richtungen aufzeigen: Die Entwicklung der Innenstadt zur „Erholungsstadt“ mit den Bereichen Kliniken, Golf und Kureinrichtungen, zur „schrumpfenden Stadt“ als Reaktion auf demografischen Wandel und Leerstand, zur „Einkaufsstadt“ durch Verbesserung der vorhandenen Strukturen und zur „Wohnstadt“. „Im Ergebnis kamen die Teilnehmer zu der Erkenntnis, dass ein Szenario allein nicht ausreicht, eine Richtung allein nicht trägt“, fasst Puche zusammen. Für die Planer interessant: Nach anfänglicher Skepsis waren die Teilnehmer des Beirates bereit, auch den „Tabubruch“ zu begehen, über den Abriss von Gebäuden zu diskutieren – und das intensiver und bereitwilliger, als Brudniok und Puche erwartet hatten: „Da überkam uns kurzfristig die Angst vor der eigenen Courage“, sagen sie, schließlich sei der baukulturelle Aspekt von nachhaltiger Bedeutung für die Identität der Stadt, Bad Münder nicht umsonst unter die 200 Städte Deutschlands mit schutzwürdigen Innenstädten aufgenommen worden. „Die Frage wird sein, was geopfert werden kann, ohne dass Identität verloren geht“, so Brudniok.

Bewusst als „Visionen“ durchgespielt wurden Möglichkeiten, den Rand der eigentlichen Innenstadt attraktiver zu gestalten – beispielsweise durch „Impuls-Projekte“ in zehn unterschiedlichen Bereichen, die eine Magnetwirkung für die Innenstadt entwickeln könnten. Konkrete Vorhaben müssten in der Zukunft entwickelt werden. Dazu solle auch verstärkt der Bereich Fördermanagement im Auge behalten werden, rieten die Planer: Gerade angesichts der Finanzlage der Stadt führe an der Nutzung von Förderprogrammen kein Weg vorbei.

Die Ergebnisse des Modellprojektes in Bad Münder fließen wie die der 18 Partnerregionen in eine gemeinsame Dokumentation ein. Die Erkenntnisse sollen auch für andere Teile Niedersachsens genutzt werden können, so der Ansatz des fördernden Ministeriums für Landentwicklung.



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