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In Norwegen wird Ursprünglichkeit bewahrt – und modernes Design beglückt das Auge seiner Betrachter

Ein Paradies zwischen Anglerlatein und Postkartensicht

Ein Blick aus dem Fenster beweist: Deutschland ist weit weg. Ringsum verteilen sich kleine Holzhäuser am Berg. Majestätisch ruht der Sørfjord zu unseren Füßen. Geradezu winzig im Angesicht der mächtigen Berghänge am Rande der Hardangervidda wirken am anderen Ufer die kleinen Dörfer entlang des Meeresarmes wie Spielzeug. Im Südwesten leuchtet im spätabendlichen Sonnenlicht der Folgefonn-Gletscher. Es ist mit 2500 Jahren Norwegens drittgrößtes und jüngstes Eisfeld. Im Hintergrund erklingt leise die Peer-Gynt-Suite. So und nicht anders möchte man in Norwegen Urlaub machen. Das Wetter indes gibt sich entsprechend launisch.

Autor:

Gabriele Laube

Am Sørfjord, einem Seitenarm des Hardangerfjords in der Provinz Hordaland, befindet sich Norwegens Obstgarten. Im Vorbeifahren verführt das Angebot an Kirschen am Straßenrand. Schwarzrot sind sie und saftig-süß. Und vielleicht hat schon Grieg beim Komponieren in seiner Hütte am Hotel Ullensvang diese Leckereien zu schätzen gewusst? Der Weg von der Zivilisation zur unverfälschten Natur ist in Norwegen nie sehr weit entfernt.

Marijke aus Holland wartet in der Herberge in Lofthus, einer guten und günstigen Unterkunft, auf besseres Wetter. Heute sind Regenschauer angesagt, aber morgen soll es trocken bleiben. Und dann wird sie über die Munkenetrepene die Hardangervidda erklimmen. Es sind Stufen aus Felsblöcken, die im 13./14. Jahrhundert von Mönchen angelegt wurden. Diese schöne Wanderung von Lofthus zum heutigen Nationalpark bietet von Stufe zu Stufe mehr Ausblicke auf den Sørfjord. Die „Vidda“, ein geschütztes Plateau auf 1000 Metern Höhe, ist Traum und Ziel der Ruhe und Natur suchenden Touristen. Eine karge, grüne Bergwelt, wo der unendlich erscheinende Himmel sich in den Bergbächen und kleinen Tümpeln widerspiegelt. Wo Heide und Wollgras vom Wind bewegt in der Felslandschaft lebendige Akzente setzen.

Auf dem Weg südwärts treffen wir in Fister (Rogaland) auf David und Christoph aus Quedlinburg, die dort vor zwei Jahren das Abenteuer eines Neuanfangs in Norwegen wagten. Sie eröffneten ein Restaurant. Beschaulich geht es hier in der norwegischen Provinz zu – oder? Nein, denn eigentlich ist es hier im Sommer sehr belebt. Die durch Ölförderung bekannte Hafenstadt Stavanger ist nahe und Urlaub mit Boot, Angeln und Wandern sehr beliebt. Die Norweger sind herzliche und gesellige Leute. David fühlt sich hier gut aufgehoben. Und schwärmt vom Tomatenfestival auf der nahe gelegenen Insel Finnøy, auf der die Beleuchtung der Gewächshäuser mitten in der Nacht die Sonne aufgehen lässt. Fast die Hälfte der norwegischen Tomatenproduktion kommt hierher. David lacht und erzählt augenzwinkernd von einem Angler, der erst kürzlich einen 880 Kilogramm schweren Grönland-Eishai im nahegelegenen Boknafjord in sein Boot ziehen konnte. Ob Anglerlatein oder ein bisschen Wahrheit – für Angler sind die Flüsse und Seen hier ein Paradies. Mit Seelachs, Pollack, Leng, Lumb und auch Haien.

3 Bilder

Weiter südlich bietet die wohl berühmteste freie Klippe Norwegens, der Preikestolen am Lysefjord, ein Naturschauspiel mit Nervenkitzel auf 1000 Metern Höhe. Auf der Felskanzel lässt sich mit Frühaufstehern in stiller Eintracht ein gemeinsames Picknick im verwunschenen Zwielicht genießen. Die Anstrengung des etwa zweieinhalbstündigen Aufstiegs ist ihnen allen anzusehen. Und weil das norwegische Wetter einmal mehr nur Wolken statt Postkartensicht produziert, wird auch die unmittelbare Gefahr der 600 Meter senkrecht zum Fjord abfallenden Felswände nicht wahrgenommen. Für ein Erinnerungsfoto trauen sich alle nah an den Abgrund.

Szenenwechsel: Denn Norwegen bietet neben wunderschöner Natur auch eine blühende Design- und Kunstlandschaft. Im Osloer Frognerparken befindet sich neben seinem Atelier das Lebenswerk des Bildhauers Gustav Vigeland (1869 bis 1943). Unglaublich viele menschliche Einzel- und Gruppenskulpturen aus Stein, Eisen und Bronze in allen erdenklichen Stellungen sprechen ihre eigene ausdrucksvolle Sprache. Das architektonisch sehr reizvolle Opernhaus von 2008 wirkt wie ein hauseigener Gletscher mit dazugehörigem Eisberg-Äquivalent aus Glas im Hafenbecken. Und ein Ausflug zur Holmenkollen Skischanze weit über der Stadt bietet einen wunderschönen Rundumblick.

Weitere Informationen: Innovation Norway, Postfach 11 33 17 in 20433 Hamburg. Tel. 0 18 05/ 00 15 48, im Internet: www. visitnorway.de, www.visit oslo.com.

Gustav Vigeland gilt als bedeutendster Bildhauer Norwegens. In Oslo ist sein Lebenswerk zu besichtigen.

Ja, auch das ist Norwegen: Unterhalb von Haugesund liegt die Halbinsel Karmoy, die einsame Strände und felsige Buchten zu bieten hat.

Die Auswanderer: Christoph (links) und David (rechts) haben in Norwegen ein Restaurant eröffnet. Und das nicht nur wegen der schönen Aussicht auf diverse Fjorde. Fotos: Laube




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