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BKA-Chef Jörg Ziercke und MdB Sebastian Edathy führen 1. "Schaumburger Abendgespräch"

"Ein oder zwei Finger bringen mir nicht viel"

Bückeburg (bus). Der Auftakt der "Schaumburger Abendgespräche" hat im voll besetzten Le-Theule -Saal ein Aufeinandertreffen von Jörg Ziercke (Präsident des Bundeskriminalamtes) und MdB Sebastian Edathy (Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestags) erlebt. Thema der unter der Schirmherrschaft der Friedrich-Ebert-Stiftung organisierten Reihe war "Freiheit und Sicherheit - Gegensatz oder wechselseitige Beding- ung?". "Freiheit und Sicherheit sind Werte von gleichem Rang", unterstrich Edathy.

BKA-Chef Jörg Zierke.

Während der zu Beginn des Abends abgegebenen Stellungnahmen der Hauptakteure und im Verlauf der anschließenden Diskussion wurde vor allen Dingen deutlich, dass angesichts des technischen Fortschritts und veränderter Kommunikationsmöglichkeiten Freiheit und Sicherheit mit herkömmlichen Methoden kaum garantiert werden können. "Wir haben derzeit kein Raster", gab Ziercke, anspielend auf die früher angewandte Rasterfahndung, ein Beispiel der veränderten Situation. Dem internationalen Terrorismus, der gegenwärtig weltweit die mit Abstand größte Herausforderung darstelle, könne nur mit zeitgemäßer Technik beigekommen werden. Ziercke: "Wir müssen im Internet auf Streife gehen." Und auf der Internetstreife sei die Ermittlung der so genannten IP-Adressen, über die Computer identifiziert werden können, unumgänglich. Was die individuelle Freiheit womöglich einschränke, aber: "Ohne die Adressen führen wir einen Kampf mit ungleichen Waffen." Edathy verdeutlichte das Wechselspiel von Freiheit und Sicherheit an den Beispielen des islamistisch geprägten Terrorismus und des Fingerabdrucks im Reisepass. Gegen die Beobachtung von Moscheen sei im Verdachtsfall nichts einzuwenden, die Einrichtung eines Konvertitenregisters indes abzulehnen. Bei den Reisedokumenten reiche es unter Sicherheitsaspekten aus, die Abdrücke ausschließlich im Pass zu speichern. Ein zusätzlicher Verbleib bei den Behörden schieße über das Ziel hinaus. "Das käme einem Generalverdacht gegen alle Passinhaber gleich", erläuterte der Abgeordnete. "Ein oder zwei Finger bringen mir ohnehin nicht viel", gab Praktiker Ziercke zu verstehen. Das BKA benötige zur erfolgreichen Fahndung den Abdruck der Hand und sämtlicher Einzelfinger. Der Präsident verblüffte das Publikum mit einigen statistischen Zahlen. Weit mehr als zwei Millionen Ausweispapiere befänden sich derzeit deutschlandweit in der Fahndung, in Europa etwa 13 Millionen. Die Zahl der Autos, nach denen pro Tag gefahndet werde, gab Ziercke mit 40 000 (Deutschland) respektive 165 000 (Europa) an. Und um die von seinem Amt zu bewältigende Datenflut zu erhellen führte Ziercke aus, dass allein die im Zusammenhang mit den seinerzeit im Sauerland festgenommenen Verdächtigen eine Menge sichergestellt wurde, die in etwa dem Inhalt von 700 000 Bibeln entspreche. Deren Auswertung daure viele Monate. Ob die Fahnder im Hinblick auf den Bibelvergleich auf eine Entsprechung der Stelle Lukas 23,34 gestoßen sind, kam nicht zur Sprache. Interview Seite 23



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