×
NDZ-Interview mit ,Pitti‘ Hecht / „Lenny Castro hat mich am meisten beeinflusst“

Ein musikalischer Weltenbummler, der zur ersten Liga der Percussionisten zählt

„Als Percussionist arbeitest du bei Liveauftritten wie ein Hochleistungssportler und stößt ab und an auch schon mal schnell an deine körperlichen Grenzen, daher „trainiere“ ich auch an spielfreien Tagen an meinen Instrumenten“, erklärte uns ,Pitti‘ Hecht, der sich mit mehr als 150 Auftritten im Jahr, zu den meist gebuchten Künstlern seines Faches zählen kann.

Pitti: Wenn du in Deutschland als Percussionist in der Champions-League spielst, hast du immer genug Arbeit. Sehr viele Kontakte zu Künstlern und Agenturen entstehen auf der Frankfurter Musikmesse, die mit der Namm-Show in Anaheim/Kalifornien zu den größten Musikmessen der Welt zählt. Seit 1992 spiele ich in Anaheim regelmäßig für „Latin-Percussion“, die auch für mich meine Instrumente bauen. In den 90er-Jahren habe ich viel Zeit in Kalifornien verbracht und dort mit vielen Top-Musikern zusammengearbeitet – du wirst letztendlich durch eine gute Mund-zu-Mund-Propaganda rumgereicht.

Auf seiner Visitenkarte stehen Namen wie Santana, die Scorpions, Bobby Kimball (Toto) oder Randy Crawford – an die Auftritte mit Carlos Santana und Thomas Quasthof, der eigentlich Opernsänger ist, erinnert sich Hecht besonders gerne.

Pitti: Es war schon eine Art musikalischer Ritterschlag, als ich in Los Angeles einmal Santana begleiten durfte – mit seinen Musikern stehe ich dagegen regelmäßig auf der Bühne. Thomas Quasthof habe ich mehrmals im Rahmen seines Soul-Projekts unterstützt – kurz danach hatte er seinen großen Durchbruch als Opernsänger. Zudem habe ich mit ihm auch einige Produktionen eingespielt.

2 Bilder

Zu seinen Hauptinstrumenten bei Liveauftritten zählt der Hannoveraner die Congas, lässt aber auch andere Instrumente in die Shows einfließen.

Pitti: Ich spiele meist ein 3er-Set Congas – kann so das Schlagzeug im Beat unterstützen. Bongos, Chimes oder Egg-Shaker spiele ich auch sehr gern – hauptsächlich aber, um den Rhythmus zu verfeinern.

Schon seit geraumer Zeit performt Hecht auf Augenhöhe mit den weltweit besten Percussionisten unserer Zeit – man schätzt sich und musiziert zusammen, wann immer es die Zeit erlaubt.

Pitti: Ich habe das große Glück, mit den Top 5 der Welt sehr eng befreundet zu sein. Der gebürtige Südafrikaner Lenny Castro ist jedoch der Musiker, der mich im Laufe der Jahre am meisten beeinflusst hat. Er arbeitete im Studio mit den Rolling Stones, Stevie Wonder, Oasis und Eric Clapton zusammen – ging mit bekannten Künstlern und Bands wie Fleetwood Mac oder Karizma auf Tournee. Auch Giovanni Hidalgo, er gilt als Gott unter uns Percussionisten und ist zugleich der schnellte Congaspieler der Welt, gehört zu meinen Heroes. Der hochdekorierte Künstler hat schon viele Preise und Auszeichnungen bekommen, aber am meisten freute er sich über den Eintrag ins „Guinness Buch der Rekorde“ – er ist der erste Unterwasser-Percussionist, der 1990 in fast 30 Meter Tiefe zwischen angriffslustigen Muränen trommelte.

Pitti: Ich bin Taucher und habe damals auf Fuerteventura im Robinson Club einmal pro Tag eine Stunde Percussion-Unterricht gegeben. Da kam ein Tauchlehrer auf mich zu und zeigte mir seine neue Unterwasserkamera, was mich dazu inspirierte, ihn mit meiner neuen Fiberglas-Conga zu begleiten, um an einem Muränenriff zu trommeln. Die Fische waren dann so angriffslustig, dass sie die Eier von meinem Egg-Shaker auffressen wollten – sogar eine Muräne hatte sich in der Conga verfangen – das war alles sehr interessant und abenteuerlich.

Vor drei Wochen war der 47-Jährige zum dritten Mal in China und gab dort Workshops in Kindergärten. Obwohl die Kinder keine musikalische Bildung hatten, funktionierte der Untericht mit den sehr interessierten Kiddies problemlos.

Pitti: Mit viel Zeichensprache und einem guten Rhythmus hast du die universelle Sprache, um überhaupt Musik zu machen. 200 bis 300 Kinder kamen zu den anberaumten Terminen – das hat mir alles sehr viel Spaß bereitet.

Am 8. April 2011 erschien „Pitti Hechts Percussion-DVD“, auf der interessierten Fans mehr als 160 Instrumente vorgestellt werden.

Pitti: Die DVD soll den Menschen möglichst viele Instrumente zeigen, die sie dann innerhalb von zehn Minuten mehr oder weniger gut spielen können – 160 werden gespielt, 50 davon sogar in Kurzform erklärt.

Text und Konzertfotos: Lars Andersen

ï Pitti Hecht mit einer Conga, die speziell für ihn angefertigt wurde.

ò Im Rahmen des Interviews erklärte uns Pitti, dass er sich beim „Fliegenfischen“, einer speziellen Methode des Angelns, entspannen kann. Axel Herzig

÷ Pitti Hecht bei einem Auftritt in Hannover – Im Hintergrund: Bassist Raoul Walton ( u.a. Marius Müller-Westernhagen)




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt