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Abgeschleppt - ein Männerschicksal / Kabarettist Bernd Gieseking in der "Kulisse"

Ein Mann, der wie ein Macho fühlt - aber eigentlich keiner sein will...

Rinteln (cok). Bernd Gieseking (49) ist ein Hans Dampf in allen Gassen als Kabarettist, Theater- und Hörspielautor, Herausgeber, Journalist und Lesungsorganisator. Was aber die Frauen angeht, da stellt er sich als einen Mann dar, so liebes-hilflos wie jeder andere. Das bewies auf höchst unterhaltsame Weise sein Programm: "Abgeschleppt - ein Männerschicksal" am Sonnabend in der "Kulisse".

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Mit dem knuddeligen Charme eines eher kleinen, eher rundlichen, eher halbglatzköpfigen Kerls hatte er das bunt gemischte Kulissen-Publikum schnell auf seiner Seite und war doch schrecklich aufgeregt, da ihm ein Blind Date mit einer Internetbekanntschaft aus Steinbergen bevorstand, der er sich in einem Anfall von Größenwahn als groß, schlank und mit dicken, schwarzen Haaren ausgestattet geschildert hatte. "Und dann tritt eine Frau ja nicht nur in Dein Leben, sie will auch in Deine Wohnung!" Schlecht, wenn man leider ein "Ungeheuer von Loch Mess" ist. Ja - es machte wirklich Spaß, wie er einen Single-Mann im besten Heiratsalter so schön selbstironisch präsentierte, einen, der sein Leben lang nach der Liebe suchte und immer wieder daran zweifelte, der sieben Frauen hatte und doch keine fand, mit der er nicht nur sterben, sondern auch wirklich leben wollte. Sein Liebes-Lebenslauf, launig nachvollzogen mit lauter kleinen Geschichten und sehr lustig gereimten Gedichten, lässt sich locker mit diesem Satz zusammenfassen: "Ich bin häufiger verlassen worden, als ich überhaupt mit einer Frau zusammen war!" Dabei weiß er doch immerhin über die weiblichen Wesen, dass sie "die Illusion brauchen, man sei wählerisch". Er ahnt, dass es besser ist, auf die unheilvoll gelassene Frage, ob man schon einmal bei einer Prostituierten gewesen sei, niemals die Wahrheit zu sagen. Er antwortet lieber auf Heiratsanzeigen, als selbst eine aufzugeben, um das Gefühl zu haben, gesucht zu werden. Und fragt sich trotz allem immer wieder neu: "Warum überhaupt soll der Mensch zu zweit sein? Es ist schon schwer genug, sich selbst eine Meinung zu bilden. Und dann soll man sie mit jemand anderem teilen?" Was Gieseking besonders gut gelang, waren lässig improvisiert wirkende Streitgespräche mit einer seiner Ex-Frauen, Frage- und Antwortspiele, in denen er die kühle weibliche Überlegenheit ebenso gut darstellen konnte wie den sich windenden, modernen Mann, der kein Macho sein will, aber eigentlich genau wie einer fühlt. Ach ja, diese Erinnerungen an den kleinen Jungen, der er einmal war und der so neugierig die Mädchen verfolgte: "Ihre Brüste, ich wusste genau, was ich mit ihnen machen würde: Sie stundenlang ansehen und dann - gehen..." Bei all den Geschichtenüber eine grausame Mutter ("Adam war der einzige stabile Mann - er hatte keine"), über "Eva als die erste Haushaltshilfe der Welt", über flirtiges Rückeneincremen mit einer After-Sun-Lotion, die sich anfühlte wie glibberiger Samen ("für Männer ein besonders scheußliches Gefühl!") oder die Liebe zu einer Waldorflehrerin, die lieber mit Anthroposophen "pofen" wollte - Giesekings Programm war von einer so sympathisch spürbaren Grundliebe zu den Frauen geprägt, dass sein Blind Date, wäre es denn nicht nur ausgedacht gewesen, sicher große Freude an ihm gehabt hätte.



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