×
"Kulturfenster" zieht Bilanz - für die gesamte, immer größer werdende Kulturszene

Ein Kulturverein auf seiner Nischensuche

Obernkirchen (rnk). "Zum Heulen schön": Rolf-Bernd de Groot sparte als Museumsleiter und Vereinsvorsitzender auf der Jahreshauptversammlung des Trägervereins "Kulturfenster" nicht mit den großen Gefühlen. Aus gutem Grund, denn was mittlerweile dem Berg- und Stadtmuseum im Wissen, dass hier die übergegebenen Exponate einen würdigen Rahmen erhalten, zur Verfügung gestellt wird, ist aller Ehren wert. Etwa zwei Heye-Fahnen, die aus der Zeit der Reichsgründung, also um 1870, stammen. De Groot wollte sie schon lange für das Museum haben, nach dem Umzug der Heye-Verwaltung nach Nienburg hat es endlich geklappt. Das gilt auchfür das Bild von Friedrich Heye.

Für dieses Jahr wurde auf der Jahreshauptversammlung noch kein Programm angeboten, das "Kulturfenster" will sich erst einmal neu orientieren. Und das wollte de Groot durchaus als Kompliment für die Kulturarbeit in der Bergstadt verstanden wissen. Denn im letzten Jahr hätten die Info-Galerie, das Café Sonnengarten, die Kirche, die Büchereien, das Trafohäuschen, das Stift mit seinen Vorträgen oder den Klavierkonzerten das kulturelles Angebot auf ein Niveau gehoben, das weder in der Qualität noch in der Qualität viele Wünsche offen lasse. Dass sich das Kulturfenster eine "eigene Nische"suchen muss, findet de Groot daher nicht sonderlich schlimm. Man muss auch kein Prophet sein: Das Kulturfenster wird sie finden. Im letzten Jahr war das Kulturfenster ein Vorreiter. Der Wilhelm-Busch-Abend im Café Sonnengarten war so gelungen, dass das Café seither eine eigene Veranstaltungsreihe entwickelt. De Groot: "So stellen wir uns das vor." Bestens besucht war ein Konzert der Klezmer-Gruppe "Hora!" im Garten Bornemann, ausverkauft war die Stiftskirche im Herbst, als ein englsicher Gospel-Chor auftrat, anschließend klang im Café Sonnengarten der Tag aus: "Das ist der Rahmen, im dem sich Kultur in der Stadt abspielt", meinte de Groot. Eine Woche stand im September zudem ein Zirkuszelt auf dem Kirchplatz, in dem sieben Tage lang ein Programm für Kinder geboten wurde. Neu im Stadtmuseum, das vom Kulturfenster als Trägerverein unterhalten wird, ist neben Fahnen und Bild auch ein alter Ofen. Auf den ersten Blick eher unscheinbar, auf den zweiten ein Stückchen Stadtgeschichte. Gegenüber vom Textilkaufhaus Elias Lion in der Kurzen Straße lag das Eisenwarengeschäft Lion. Dort gab es alles, was aus Metall war und im Haushalt benötigt wurde: von der gusseisernen Bratpfanne über die Kartoffelwaage und den Strohschneider bis zur eisernen Kochmaschine mit umlaufender Reling. Das Geschäft wurde bereits in dritter Generation von den Brüdern Leopold und Elias Lion bis 1938 betrieben. Die Folgen der Reichspogromnacht im November 1938 bedeuteten die Schließung des Eisenwarengeschäftes und die "Arisierung" des Textilkaufhauses in der inzwischen zur "Adolf-Hitler-Straße" umgewidmeten Obernkirchener Einkaufsmeile. Auch davon erzählt der in Obernkirchen gekaufte und verkaufte Ofen. Das Museum ist seit dem 5. März jeweils mittwochs und sonnabends ab 15 Uhr geöffnet.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt