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Wie schwierig ist die neue Prüfung für Hundebesitzer? Unsere Zeitung hat es ausprobiert

Ein Knochenjob

Hannelore Herdlitschke liebt den Gehorsam, das sagt sie selbst. „Gehorsam macht Spaß“, ruft die Chefausbilderin des Polizeihundevereins, als sie über den Platz springt. Hundeerziehung, da ist sie sich sicher, beginnt am oberen Ende der Leine, und dabei gilt: „Der Chef bin ich.“

Autor:

Robert Michalla
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Die Ausgangslage: Seit dem 1. Juli gilt ein neues Hundegesetz. Seither sind Neu-Halter verpflichtet, einen Test mit 35 Fragen und einen Praxisteil zu bestehen. Für unsere Zeitung Anlass, die sogenannte Sachkundeprüfung einmal in der Praxis zu testen.

Die Versuchsanordnung: Unsere Hamelner Mitarbeiter Nina Reckemeyer, Jobst-Christian Höche und Richard Peter mit seiner Frau Beate treten zum Hundeführereignungstest an. Mit dabei haben sie ihre Hunde Linus, Lindylou beziehungsweise Buschko.

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Die Prüfung: Es ist ein Sommertag auf dem Platz des Hundevereins an der Weser, Bäume säumen das Gelände. Herdlitschke hat schwarzes, kurzes Haar. Sie trägt eine schwarze Weste und eine schwarze Funktionshose. Ihr Outfit ist praktisch, es deutet an, was notwendig ist, damit ein Hund gehorcht: Üben, üben, üben – und ganz viele Leckerlis, obwohl Herdlitschke sie lieber Lohn nennt. Bindung an den Zweibeiner nennt die Hundeexpertin mit fast 25 Jahren Vereinserfahrung ihre Methode.

4 Bilder

Team Reckemeyer-Lindylou macht den Anfang. Der Hündin sind das ungewohnte Terrain und die fremden Menschen nicht geheuer. Sie bellt vorsichtig und klemmt den Schwanz zwischen die Hinterläufe. Die Aufgabe: Reckemeyer soll ihre Hündin an der Leine dicht an den anderen vorbeiführen. Das funktioniert auch, doch ihre Scheu kann Lindylou bis zuletzt nicht ablegen. Ergebnis: „Den Test würde Nina so nicht bestehen“, sagt Herdlitschke. Das Stichwort laute „unsichtbare Leine“.

Sozialverträglich sei ein Hund, der sich in seinem Umfeld bewegen könne, der nicht belle, wenn er durch die Stadt gehe. Und Herdlitschke sagt auch: „Es gibt nur vorsichtige Hunde, keine ängstlichen.“ Mit ein wenig Übung werde das Duo Reckemeyer-Lindylou den Test bestehen. „Das ist ein Superhund, sehr aufmerksam“, sagt sie. „Ihr habt heute erst angefangen, ein neues, unsichtbares Band zu knüpfen.“ Fazit von Reckemeyer: „Es hätte schlimmer werden können. Wir haben noch ein bisschen Arbeit vor uns, aber es ist zu schaffen.“

Team Höche-Linus versucht sich als nächstes. Der Test: Linus soll sitzen bleiben, während sein Herrchen Futter vor ihn auf den Rasen wirft. Das klappt auch, zumindest nach 20 Versuchen. Bis dahin allerdings sind die Leckerlis für Linus zu verlockend. Er geht dem Futter jedes Mal wieder hinterher. Den Testlauf durch den Menschenparcours bestehen die beiden dagegen ohne Probleme. Das mag auch daran liegen, dass Höche seinen Hund im Lauf auch wiederholt mit Leckerlis lockt. „Mit so viel Futter in der Hand gehe ich mit meinem Hund über den Nordpol“, meint Richard Peter und lacht. Herdlitschke verteidigt ihre Methode: „Wir arbeiten hier mit dem Überlebenstrieb der Hunde, dem Futtertrieb“, sagt sie. Der Erfolg gibt ihr Recht: Das Duo Höche-Linus besteht die Prüfung ohne Probleme. „Perfekt“, ruft Herdlitschke laut über den Platz. Einziger Kritikpunkt: Höche solle seinen Rüden besser anleiten: „Sei mal Führer“, ruft sie ihm zu.

Tester Nummer drei: Buschko wetzt mit Frauchen Beate über den Platz. Dabei entpuppen sich die beiden als eingespieltes Team, sogar das Herrchen lassen sie links liegen. „Der hat mich überhaupt nicht bemerkt!“, wird Richard Peter sich später echauffieren. Seine Frau Beate und Hund Buschko bestehen den Test mit Bravour. Fremde Menschen jucken den Hund überhaupt nicht. Auch Kommandos wie „Sitz“ befolgt er. Als Lohn erhält Beate einen Kuss von ihrem Mann, danach klatscht sie mit Herdlitschke ab.

Ohne große Probleme meistern die drei Zeitungsleute auch den theoretischen Teil. Dabei beantworten sie sogar Fragen für den schwierigeren Hundeführerschein.

Ergebnis des Tages: „Es geht nicht darum, dass der Hund perfekt ist“, sagt Herdlitschke, die übrigens zurzeit keinen Hund hat. „Ihr habt tolle Hunde, alle drei.“ Richard Peters Fazit: „Ich bin im Kern darin bestätigt worden, dass der Hund einen Anspruch darauf hat, ein strenges Herrchen zu haben.“ Man könnte auch sagen: Gehorsam macht Spaß, zumindest ein bisschen.

Niedersachsen nimmt frischgebackene Hundebesitzer an die Leine: Herrchen oder Frauchen müssen seit Juli ihre Tauglichkeit beweisen. Drei Redakteure unserer Zeitungsgruppe stellten sich diesem Test – mit teils überraschenden Ergebnissen.

Sechs Tester, 18 Beine (v.l.): Jobst Christian Höche mit Linus, Nina Reckemeyer mit Lindylou und Beate Peter mit Buschko.rom

Hannelore Herdlitschke spricht mit Nina Reckemeyer und Jobst-Christian Höche, bevor die beiden über dem Fragebogen schwitzen.rom




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