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Zweites Küken von Adebar und Adele verendet / Nest wird im Herbst saniert

Ein Jungstorch ist ausgeflogen

HESSISCH OLDENDORF. Dieses Jahr ist alles andere als ein gutes Storchenjahr. Die Trockenheit, Nahrungsmangel und auch Nestkämpfe haben Adele und Adebar, Hessisch Oldendorfs Storchenpaar, stark zugesetzt. Dennoch gelang es den Sympathieträgern, zumindest einen Jungvogel großzuziehen.

Im vergangenen Jahr fand Adebar auf überschwemmten Flächen noch reichlich Nahrung. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite

Zwei Küken waren auf dem Schornstein der ehemaligen Molkerei geschlüpft, eines von ihnen verendete. In der vergangenen Woche machte sich der flügge gewordene Storch selbstständig, zog davon.

Für Dietmar Meier viel zu früh. „Eigentlich benötigte er noch eine längere Betreuung durch die Altvögel. Die Zeit des gemeinsamen Ausfliegens war ausgesprochen kurz. Er müsste jetzt eigentlich noch bei den Älteren sein“, meint der Storchenbetreuer vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Ob er von Adele und Adebar das nötige Know-how der Nahrungssuche abschauen konnte, bezweifelt der Naturschützer. In den Nahrungsgebieten konnte ihn Meier nur einmal sehen. “Wir wissen nicht, ob das ausreicht, um auf Zug zu gehen“, so der Rohdener. Beringt wurde der junge Storch in Hessisch Oldendorf nicht, ist so also nicht zu erkennen. Der Nabu vermutet, dass sich der Vogel vagabundierenden Storchen anschloss.

Der zweite Jungstorch verendete bereits Ende Mai. Kurz vor dessen Tod beobachten Naturschützer , wie er von einem Altvogel unsanft im Nest behandelt wurde. „Der hat das Küken mit dem Schnabel ins Nest gezogen. Und der flatterte noch“, erinnert sich Meier. Wenn es den Störchen – wie in diesem Jahr aufgrund der Trockenheit ¨– an Futter mangelt, opfern sie oft ihr schwächstes Küken. Durch das Töten des Jungstorches – manchmal auch noch des zweit kleinsten – soll das Überleben der Verbliebenen gesichert werden. Oft werden die geopferten Küken aus dem Nest geschmissen, mitunter von den Eltern verspeist.

Unter dem Nest konnten die Naturschützer trotz umfangreicher Suche keinen Kadaver finden. „Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder ist er oben im Nest verendet, ist liegengeblieben und wurde mit eingebaut oder er wurde gefressen. Dafür war er aber eigentlich schon zu groß“, sagt Meier. Der Storchenvater lässt offen, ob der Jungstorch auch an Unterernährung, durch Parasitenbefall oder durch falsche Fütterung eingegangen sein kann. „Es ist immer noch ein leidiges Thema mit dem Füttern an der Greitstraße und der Bergstraße, wo den Tieren Weißbrot gegeben wird, was die auch annehmen. Es wurde bereits berichtet, dass das den Störchen nicht guttut, und trotzdem weiter gemacht wird“, ist der Tierschützer sauer. Für den Nabu wäre es hilfreich gewesen, den toten Vogel gefunden zu haben. „Wir hätten angeregt, das Tier untersuchen zu lassen, um klären zu können, ob er durch falsche Fütterung ums Leben kam“, erzählt der Storchenexperte.

Feuchtgebiete mit Vorkommen von Amphibien sind in Hessisch Oldendorf Mangelware, Regenwürmer bei der Trockenheit kaum zu erbeuten. Der Schreitvogel hat sich umgestellt und Nahrungsalternativen gefunden. Mittlerweile stehen Mäuse auf seiner Speisekarte ganz weit oben. Viele findet er aber nicht. Dieses Jahr ist kein Mäusejahr. Und die, die da sind, müssen sich die Störche mit anderen Vögeln teilen, wie Meier erklärt: „Turmfalke, Rotmilan, Bussard, Reiher und in Ortsnähe auch der Steinkauz, alles geht auf Mäuse. Ruckzuck ist dann ‚Aus die Maus‘. Hätten wir hier den Steinkauz, würde der auch auf die Kleinsäuger fangen.“

Was fehle, seien Feuchtgebiete und Grünländereien. „Die würden das kompensieren. Das muss nicht gleich heißen, dass wir in die Urzeit zurückkommen. Wir haben Wasserbecken, aber die sind nicht storchentauglich. Bei Bessmann in den Kunstteich wird der Vogel so nicht reingehen. Und um das Becken an der Welseder Straße laufen sie herum, würden es nutzen, trauen sich aber nicht, weil es aus Beton ist. Das ist kein Biotop. Im Prinzip bleiben den Vögeln nur der Herrenteich und ganz wenige Kiesteiche mit Spülflächen, wo sie auch waten können. Die eigentlichen Kiesteiche an sich sind dafür zu tief“so Meier.

Bis Mitte September werden Adele und Adebar noch in der Weserstadt bleiben, bevor sie sich wieder auf den Weg nach Süden machen. Wenn sie fort sind, wollen sich die Naturschützer das Nest vornehmen und es sanieren. „Das muss gemacht werden. Das Nest wird immer höher und gerät langsam in Schieflage“, erklärt Dietmar Meier. Was im einzelnen gemacht wird, kann der Ornithologe jedoch noch nicht sagen.



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