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Ein Jahr nach dem Attentat

Bad Münder/Hameln. Menschen, die sich weinend in den Armen liegen. Die Blumen niederlegen, vor dem Kreishaus in Hameln Kerzen anzünden. Die Tat, die am 26. April 2013 den Landkreis Hameln-Pyrmont erschütterte, wirkte lange nach und ist auch heute noch, ein Jahr später, präsent. Am Morgen des 26. April ging Rentner Hans B. aus Nienstedt in das Dienstzimmer von Landrat Rüdiger Butte und feuerte mit einem Revolver auf den beliebten SPD-Politiker. Der 63-Jährige starb an seinem Schreibtisch, der Täter erschoss sich anschließend selbst.

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Auch ein Jahr später ist der „Butte-Mord“ verankert in der Psyche vieler Menschen im Landkreis: Weil er für die Gesellschaft so unfassbar und sinnlos war; weil die Tat „aus dem Nichts kam“, das Motiv letztlich unbekannt blieb. Wenn heute in allen Städten und Gemeinden des Landkreises die Fahnen auf Halbmast wehen, zeigt auch das die Verbundenheit der Menschen mit dem Ermordeten.

Deutlich wurde diese Verbundenheit bereits unmittelbar nach der Tat. Betroffenheit und Anteilnahme finden sich in den unzähligen Kondolenzbezeugungen, die Menschen aus dem Landkreis, aber auch darüber hinaus hinterließen. Bei der offiziellen Trauerfeier, bei allein 700 geladene Gäste von Ministerpräsident Stephan Weil bis zu Mitarbeitern der Kreisverwaltung im Hamelner Theater von Butte Abschied nahmen, wurde der Landrat und ehemalige LKA-Präsident gewürdigt. Der Ministerpräsident ging darauf ein, dass ausgerechnet die Bürgernähe, die Nähe Buttes zu den Menschen, „dieser so sympathische Teil seiner Persönlichkeit“, ihm zum Verhängnis geworden sei. Der Täter hatte sich einen Gesprächstermin geben lassen, war dann in Buttes Büro gegangen.

Diese Offenheit der Kreisverwaltung, die der getötete Landrat als Prinzip vorgegeben hatte, ist gerade in den ersten Monaten nach seinem Tod immer wieder hinterfragt worden. Die Haltung im Kreishaus hat sich dazu allerdings nicht verändert. Nach seiner Wahl als Buttes Nachfolger erklärte Tjark Bartels, an diesem Prinzip festhalten zu wollen. Nach wie vor wolle die Kreisverwaltung für Bürger offen und ansprechbar sein. Wie der Spagat zwischen dieser Offenheit und dem berechtigten Interesse der Mitarbeiter nach Sicherheit gelingen kann, darüber wird noch immer beraten. An einem entsprechenden Konzept wird gearbeitet, ein Patentrezept für ein derart großes Haus, so die bisherige Feststellung der Arbeitsgruppe, gibt es aber nicht. Ein Notrufsystem soll installiert werden. Fest steht jedoch: Die Wachsamkeit und Sensibilität bei den Mitarbeitern der Kreisverwaltung ist gewachsen. Gleich in mehreren Fällen wurde im vergangenen Jahr die Polizei alarmiert, weil Mitarbeiter bedroht wurden, berichtet Pressesprecherin Sandra Lummitsch. Sie war es, die nach den Schüssen auf Butte den ersten Notruf absetzte, für sie wie ihre Kollegen ist heute ein ganz besonderer Tag.

Landrat Bartels hat die Mitarbeiter der Kreisverwaltung aus Anlass des Jahrestages angeschrieben und zu einer Gedenkminute eingeladen. Sie soll am Montag um 10 Uhr stattfinden. Er persönlich habe Rüdiger Butte nie kennengelernt, sich aber in vielen Gesprächen ein Bild von ihm als Mensch machen können. Im Kreishaus sei er nach wie vor spürbar, weil er als Person und Persönlichkeit die Verwaltung und den Landkreis entscheidend mitgeprägt und ausgerichtet habe. Die Gedenkminute soll nicht an einem zentralen Ort stattfinden, jeder Mitarbeiter habe die Möglichkeit zu einer ganz persönlichen Rückbesinnung.jhr



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