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In Sri Lanka erholt sich der Tourismus nach der Naturkatastrophe von 2004 nur sehr langsam

Ein Inselstaat zwischen Tee und Tsunami

Grün, satt und kräftig heben sich die mächtigen Hügel vom hellblauen Himmel ab. An ihren Hängen wachsen grüne Sträucher in gepflegten Reihen. Ihre Form erinnert an zu groß geratene Buchsbaumhecken. Zwischen den piksenden Ästen der Büsche stehen Frauen in bunten Kleidern auf staubiger Erde. Über ihren schwarzen Haaren tragen sie weiße, blaue oder rote Tücher. Säcke aus Plastik sind daran befestigt. Mit geübten Handgriffen reißen sie Blätter von den Sträuchern und werfen sie in den Beutel auf ihrem Rücken. In einer der Teefabriken werden die Blätter zu Ceylon-Tee verarbeitet und in die ganze Welt transportiert.

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Autor:

Julia Henke

Mitten durch das hügelige Tee-Anbaugebiet im Herzen Sri Lankas schlängeln sich die Schienen der staatlichen Eisenbahn. Auf der rund 70 Kilometer langen Strecke zwischen Kandy und Nanuoya zieht die Lok mühsam die rotbraunen Waggons den Berg hinauf. Monoton klappern die Metallplatten aufeinander, die zwei Waggons miteinander verbinden. Über fünf Stunden dauert die Fahrt – eine Reise, die ihre Zeit mehr als wert ist.

Durch die Zugfenster weht ein lauer Wind. Auch die Türen sind während der Fahrt geöffnet – ein Aussichtspunkt, für den vor allem Touristen gern ihre Sitzbänke verlassen. „Es ist ein Stück Freiheit, hier zu stehen und auf die einzigartige Landschaft zu blicken“, sagt Christian Rolf. Zum ersten Mal besucht er das Hochland Sri Lankas und ist fasziniert von den weiten Tälern, von duftenden Teebergen und in der Sonne glitzernden Wasserfällen.

Ziel des deutschen Touristen ist die Stadt Nuwara Eliya, mit rund 1900 Metern die höchstgelegene des Landes. Dichter Nebel liegt am Morgen über den Hängen der Gemüse-, Obst- und Teeplantagen. Stabile Landhäuser mit großen Terrassen und Balkonen, gepflegten Vorgärten und brusthohen Zäunen säumen den Weg in die Stadt. Die Straßen sind gepflegt und sauber, an ihren Seiten verlaufen Gehwege. „Hier ist es ziemlich europäisch – die Stadt scheint gar kein Teil von Sri Lanka zu sein“, meint Christian Rolf und blickt sich im Zenrum der ehemaligen Sommerresidenz englischer Kolonialherren um.

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Der einstige britische Einfluss ist in der „Stadt des Lichts“ nicht zu übersehen. Er wirkt sich bis heute auf die Einheimischen aus. Die meisten tragen Hosen anstelle der traditionellen Tuchröcke, sprechen perfektes Englisch und wirken geschäftig. Der Manager des Gästehauses „The Trevene“ erklärt: „Im Hochland arbeiten die meisten Menschen auf den Feldern, haben ihr festes Einkommen, ihre Ersparnisse und legen großen Wert auf die Bildung ihrer Kinder.“ An der Südwestküste liefe das Leben lockerer und ungezwungener ab.

Dazu laden dort die kilometerlangen Sandstrände, die hohen Kokospalmen und die schwülwarme Luft geradezu ein. Durchtrainierte Männer rennen am Strand von Hikkaduwa mit ihren farbigen Surfbrettern in den Indischen Ozean. Paddeln bäuchlings ein Stück auf dem blauen Wasser hinaus und stellen sich blitzschnell auf ihr wackliges Surfboard, sobald sich das Wasser hinter ihnen zur Welle erhebt. Viele Einheimische an der Küste sind abhängig vom Tourismus. „In den vergangenen Jahren sind die Einnahmen ziemlich eingebrochen“, sagt Nilantha Patternott. Als Grund nennt der Besitzer des „Palm-Beach“-Gästehauses den Tsunami, der 2004 auch die Küsten Sri Lankas überflutete. Obwohl die Einheimischen ihre Straßen, Häuser, Hotels und Shops längst wieder aufgebaut haben, erholt sich der Tourismus nur langsam.

Der Amerikaner Steve Siegel und seine japanische Freundin Kaoru Shintaku haben den Tsunami miterlebt und fühlen sich dadurch „tief mit dem Land und den Menschen verbunden“. Sie sitzen auf dem Rücksitz eines grünen Tuk-Tuks, jenes landestypischen Gefährts. Durch die offenen Seiten des Dreirads blicken sie auf meterhohe Kokospalmen, dicht bewachsene Ficus-Bäume und duftende Hibiskus-Sträucher. So groß wie Feldwege sind die Straßen, die in die üppige Vegetation hineinführen. Das Paar ist auf dem Weg zu einer Lagune, wenige Kilometer von Hikkaduwa entfernt.

Es ist ein Ort der Abgeschiedenheit. Wolken und Mangroven spiegeln sich im ruhigen, klaren Wasser. Überall raschelt, zwitschert und plätschert es. Vögel steigen auf. Warane wärmen ihre Körper in der Sonne. Flughunde hängen kopfüber von den Bäumen herab. In einem Kanu, geschnitzt aus einem Baumstamm, gleitet das Paar mit den Einheimischen durch die Lagune. „Es ist so friedlich hier. Die Menschen leben ganz im Einklang mit der Natur“, sagt Steve Siegel.

Der Schwimmmeister verbringt bereits seinen zehnten Urlaub auf der Insel südöstlich von Indien. Was ihn an dem Land reizt? „Das Wetter ist herrlich, das Leben günstig und Wassersport mein Leben.“ Ein Strandurlaub allein würde den vielen Facetten Sri Lankas nicht gerecht werden – das weiß auch Steve Siegel, der die Tour für seinen elften Aufenthalt bereits geplant hat.

Weitere Informationen: Die Reisezeit für die Südwesthälfte beginnt Ende November und dauert bis März. Das Klima auf Sri Lanka ist tropisch. Die Durchschnittstemperaturen liegen bei 27 Grad.

Die Menschen auf Sri Lanka gedenken in einer Prozession den Opfern des Tsunamis vom Dezember 2004. Durch das Seebeben starben damals 45 000 Menschen.

Zwischen dem Hikkaduwa-Strand im Südwesten und exotischen Früchten im Hochland (rechts): Sri Lanka ist ein vielfältiges Reiseziel. Fotos: jhe

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