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Von den "Betenden Händen" bis zum "Fernweh": Behinderter Hobbyschnitzer stellt aus

Ein Hobby, das der 77-Jährige mit links schafft

Obernkirchen (sig). Es gibt immer wieder Menschen, die auf eine geradezu vorbildliche Art mit einem schweren Schicksal fertig werden. Der 77-jährige Helmut Grotheer gehört dazu. Er verbringt seinen Lebensabend im Obernkirchener "Sonnenhof", ohne seine Hände in den Schoß zu legen, obwohl er seit seiner Kindheit rechtsseitig komplett gelähmt ist. Der Senior hat sich ein Hobby ausgesucht, zu dem man eigentlich beide Hände benötigt: die Holzschnitzerei.

Die Jungfrau Maria.

Geboren ist Helmut Grotheer nicht im Schaumburger Land, sondern in Bremervörde am Oste-Fluss. Seit 1988 wohnte er zusammen mit seiner Ehefrau in Ahnsen bei der Adoptivtochter. Inzwischen ist seine Frau gestorben, und so wurde vor einigen Jahren der "Sonnenhof" in Obernkirchen zu seiner neuen Heimstatt. Er habe, so erklärt der Leiter der Obernkirchener Sparkassen-Hauptstelle, Joachim Gotthardt, bei der Eröffnung einer dem Hobbyschnitzer gewidmeten Ausstellung, Helmut Grotheer bei einem Adventsbasar kennen gelernt, und wir sind dabei miteinander in Gespräch gekommen, denn ich war fasziniert von seinen Arbeiten". Besonders beeindruckt hat ihn, dass Helmut Grotheer alles mit nur der einen gesunden Hand geschaffen hat, die ihm nach der Kinderlähmung geblieben war. "Sie sind ein Vorbild für viele andere Menschen, die auch mit einer Behinderung ihr Leben meistern müssen, denn Sie haben nie aufgegeben", lobte Joachim Gotthardt den Mann, der sich selbst nicht als Künstler bezeichnen will. Seine bis zum 14. September geöffnete Ausstellung in der Schalterhalle soll ein Podium für andere Behinderte darstellen und ihnen Mut machen, betonte Gotthardt. Ein Besuch vor 30 Jahren in Oberammergau, dem bayerischen Zentrum der Holzschnitzer, löste bei Helmut Grotheer den Wunsch aus, sich an den Werkstoff Holz heranzuwagen und ihm ebenfalls eine bestimmte Form zu geben. "Ich habe ganz langsam angefangen, mit einfachen Gestaltungen und bin dann Stück für Stück weitergekommen", verriet der Rentner. Mit Texten, die er aus Holz (überwiegend Ahorn) erhaben herausschnitzte, begannen seine ersten Schritte. Eine deutliche Vorliebe entwickelte er danach für die Darstellung von gefiederten Wesen. Raubvögel mit großen Schwingen haben es ihm offensichtlich besonders angetan. Es folgten Kopfpartien der Jungfrau Maria sowie betende Hände. Auf einigen Ausstellungsstücken sind eingefärbte Blüten (vornehmlich Rosen) zu sehen. Inzwischen hat Helmut Grotheer auch den Schritt zur dreidimensionalen Gestaltung hinter sich. Seine Fantasieprodukte nennt er zum Beispiel "Ein afrikanisches Symbol" oder "Fernweh". Dabei verwendete Weltkugeln hat er sich liefern lassen. Dafür besitzt er keine maschinelle Ausstattung. Seine Hilfsmittel sind die Bandsäge und Feilen. Viel mehr kann er auch in seinem kleinen Arbeitsraum nicht unterbringen. Wie ein Synonym für die Lebenseinstellung von Helmut Grotheer wirkt der Text, auf einer Holztafel: "Um die Welt zu bewegen, musst Du Dich selbst bewegen."

Wer die Welt bewegen will, muss sich selbst bewegen: Helmut Grot
  • Wer die Welt bewegen will, muss sich selbst bewegen: Helmut Grotheer möchte anderen Behinderten Mut machen. Fotos: sig
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