×

"Ein Hammer": Salzhemmendorf-Prozess: Verteidiger beantragen Aussetzung

Der Prozess um den Brandanschlag von Salzhemmendorf könnte platzen. Ein Rechtsanwalt aus Hannover hat dem Gericht gegen 11.30 Uhr per Fax mitgeteilt, dass vier seiner Mandanten kein Interesse daran haben, in dem Verfahren als Nebenkläger aufzutreten. Sie hätten zwar seinerzeit Vollmachten unterschrieben, diese aber schon kurze Zeit später widerrufen. Dennoch würden sie von Anwälten gegen ihren Willen vertreten. Strafverteidiger Christoph Rautenstengel, der Saskia B. vertritt, beantragte daraufhin die Aussetzung des Verfahren. Verteidiger Clemens Anger (Anwalt von Sascha D.) stellte den Antrag, sämtliche Nebenkläger, die nicht persönlich zum Prozess erschienen sind, vor Gericht zu befragen. Nur so könne man feststellen, wer überhaupt als Nebenkläger auftreten will. Anger glaubt, dass die Zeugen bekunden werden, dass sie von Anwälten aufgesucht und sie von diesen "mit Händen und Füßen" überrumpelt wurden. Er sprach von "Haustürgeschäften" und Vollmachten in deutscher Sprache. Dolmetscher seien sicher nicht zugegen gewesen. Die Hausbewohner hätten demnach nicht lesen können, was sie da unterschreiben. Nach Meinung von Rautenstengel ist durch diesen Umstand kein ordnungsgemäßes Verfahren mehr möglich. Gerade vor dem Hintergrund, dass Nebenkläger-Vertreter "durch Fragen aktiv an der Hauptverhandlung mitgewirkt haben". Das sei ein unhaltbarer Mangel. Die Verteidiger Roman von Alvensleben und Tanja Brettschneider schlossen sich den Anträgen an und sprachen von "veränderten rechtlichen Gesichtspunkten". "Würde es nicht 13 Nebenkläger geben, hätte eine persönliche Einlassung unseres Mandant Dennis L. erfolgen können", sagte von Alvensleben. Rechtsanwalt Rautenstengel bringt es im Gespräch mit der Dewezet auf den Punkt: "Da saßen Leute im Saal, die da nichts zu suchen hatten." Das hat Einfluss auf das Beweisergebnis, ist eine miese Nummer." 

Das Schwurgericht will später über die Anträge der Verteidiger entscheiden. NDZ-Gerichtsreporter Axel Sturm, der seit fast 40 Jahren über Verfahren berichtet, nannte den Vorfall "einen Hammer". So etwas habe es an diesem Landgericht noch niemals zuvor gegeben. (ube)



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt