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180 Jahre Zehntablösungsdenkmal zwischen Grupenhagen und Schwöbber

Ein einmaliges Denkmal an der Zehntgrenze

Grupenhagen/Schwöbber. „Man kann fürstliche Gärten nach der Art der englischen Parks anlegen; wenn wir deutschen Edelleute ihnen aber folgen und unsere Güter zu Parks machen wollten, so müssten wir auch so viele Tausend Pfund von unsern Plantagen in Westindien zu erheben haben“, schrieb Landdrost Otto II. Freiherr von Münchhausen (1716 - 1774) im ersten Teil seines sechs Bände umfassenden Werkes „Der Hausvater“ – ein gartenbaulich-landwirtschaftliches Lehrbuch. Er war es, der den Schlosspark seines Herrensitzes Schwöbber 1750 in einen der ersten Landschaftsparks nach englischem Vorbild in Kontinentaleuropa umwandeln ließ, allerdings konzeptionell abgewandelt und auf deutsche Verhältnisse abgestimmt. Ihm stand der Sinn nicht nach Ausbeutung. Seinem Namen als Edelmann machte auch sein Sohn, Otto III. Friedrich Julius von Münchhausen (1754 – 1828), alle Ehre.

Anlässlich der Feier zum 180-jährigen Bestehen der Zehntablösung am Denkmal an der ehemaligen Zehntgrenze zwischen Grupenhagen und Schloss Schwöbber wurde gleich mehrfach an ihn erinnert. Der Ehrenvorsitzende des Kultur- und Heimatvereins Grupenhagen, Karl Pape, machte vor fast 100 Gästen deutlich, warum das heimische Zehntablösungsdenkmal offensichtlich einzigartig in Deutschland ist: „Vielerorts ging die Zehntablösung mit schweren Auseinandersetzungen zwischen den Bauern und den Grund- und Zehntherrn einher. Otto III. von Münchhausen hingegen engagierte sich sehr für seine Dörfer, und so kamen der Schlossherr und die Grupenhäger Bauern im Rahmen der Zehntablösung zu einer in damaliger Zeit sehr seltenen einvernehmlichen Lösung“, erklärt der Grupenhagener, der sich der heimischen Kulturgeschichte stark verbunden fühlt. Auch Sigrid Meyer, bis 1985 Bewohnerin von Schloss Schöbber, konnte Karl Papes Einschätzung untermauern. Sie berichtete, dass Otto III. von Münchhausen, damals auch Herr auf Rittergut Voldagsen, über den Türen zum Haupthaus und den Ställen Spruchbalken einbauen ließ, die seine Wertschätzung seinen Mitmenschen gegenüber zum Ausdruck brachten. So findet man, ihren Ausführungen zufolge, dort Inschriften, wie beispielsweise „Halt hoch in Ehren Weib und Kind, bedenke, dass Bauern Brüder sind“ oder „Hausfrau sorg’ für dein Gesinde, dass es stets ein gutes Essen finde.“ Die Nachfolgegenerationen bewiesen eine weniger glückliche Hand im Umgang mit ihren Besitztümern sowohl in Voldagsen als auch in Schwöbber, wie Sigrid Meyer weiter aus der Geschichte erzählt. Friedrich Burghard von Münchhausen musste 1878 Konkurs anmelden, Gut Voldagsen wurde unter Zwangsverwaltung gestellt und 1880 zwangsversteigert. Am 21. März 1907 starb er in Hilkenbreden, dem Vorwerk von Schloss Schwöbber. Noch im selben Jahr mussten auch Schloss und Gut Schwöbber unter Zwangsverwaltung der Ritterschaft gestellt werden. 1919 löste die Familie Meyer nach über 400 Jahre die Herren von Münchhausen in der Besitzfolge von Schloss Schwöbber ab. 1964 beteiligte sich ihre Familie, neben den Gemeinden Grupenhagen und Königsförde sowie dem Landkreis Hameln- Pyrmont, an der Rettung des Zehntablösungsdenkmals vor dem Verfall. „Der Zahn der Zeit hatte in 130 Jahren dem Denkmal zugesetzt, sodass eine Erneuerung dringend notwendig war“, erzählt Karl Pape und appellierte an alle kommenden Generationen, nicht nur die Erinnerung an die Geschichte zu erhalten, sondern auch das Denkmal und seine Zuwegung. In diesem Zusammenhang dankte er besonders dem Landwirt Reinhard Bade aus Grießem, der den Feldweg in Höhe des Zehntablösungsdenkmals mit Schotter befestigt hat.sbr




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