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Ein christliches Land

Michael Nettusch

Autor:

Pfarrer

In regelmäßigen Abständen geistert das Gespenst der Angst vor einer Islamisierung unserer Gesellschaft, unseres Lebens durch unser Land. Dabei wissen wir uns doch als ein "gestandenes", in seinen Wurzeln unverrückbar christliches Land. Zumindest in vielen Äußerungen. Der Begriff oder auch nur die Floskel "Gott" wird Tag für Tag oft genug gehört und gebraucht. "O Gott", "Um Gottes Willen", "Herrgott nochmal sind in aller Munde. Dem unvoreingenommenen Hörer muss das den Eindruck erwecken, in einem gottesfürchtigen Land zu sein. Auf Gott oder Christentum bezogene Standardbegriffe prägen indirekt das öffentliche Leben. Weihnachts-, Oster- und Pfingstferien diktieren die fälligen Kurzurlaube. Die Feiertage zu den christlichen Hochfesten sorgen für den nötigen Konsumrausch. Das Kreuz gehört in vielen Haushalten noch immer zu den beliebten Dekorationsstücken. Es hängt auch noch immer an vielen Halsketten. Fürwahr, es bestätigt sich immer wieder überdeutlich: Wir sind ein wahrhaft christliches Land! Auf der anderen Seite verschwinden immer mehr christlich geprägte Handlungsweisen aus der Öffentlichkeit und auch privaten Leben der Einzelnen. Rücksichtnahme auf das Wohl der anderen muss immer mehr dem oft rücksichtslosen Durchsetzen der eigenen Pläne und Ideen, des eigenen Wohlstandes weichen. Eine gerechte Verteilung der irdischen Güter ist nicht zu erkennen. Immer mehr Menschen, vor allen Dingen Kinder, verfallen der Armut. Die ungleiche Verteilung der Bildungsgüter und deren für alle Menschen gleiche Erreichbarkeit gehören dazu. Sind wir tatsächlich ein "christliches Land"? Eines macht Mut: Immer wieder besinnen sich Menschen in diesem Land, die nicht einmal getaufte Christen sind, auf wirklich christliche Tugenden. Sie springen ein, wo sie gebraucht werden; sie engagieren sich für den Erhalt von Gottes Schöpfung, bieten haltlos gewordenen Jugendlichen eine erste Art von Werteorientierung, zeigen Menschen in Süchten und Abhängigkeiten Wege in eine lebenswerte Freiheit. Sollte da unser christlicher Gott nicht mit im Spiel sein? Jesus sagt: "Nicht jeder, der zu mir sagt: ,Herr, Herr' wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt. Und die Gefahr des Islam? Eines können wir vom Islam und auch vom Judentum lernen: Gläubige dieser Religionen gehen mit dem Begriff "Gott" sorgfältiger um. Da wäre weniger "christlich" in der Tat mehr. ist Pfarrer der katholischen St.-Sturmius-Gemeinde .




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