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Oder: Was der Rattenfänger mit Lady Gaga gemeinsam hat / Interview mit Michael Boyer

Ein bunter Mann im Mittelpunkt

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der Klasse 4 der Grundschule Hastenbeck

Hameln. Eigentlich hat unser Ausflug zum Rattenfänger schon einen Tag vorher in der Schule begonnen. In Gruppen haben wir Fragen gesammelt. Die nicht so guten haben wir weggelassen. Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus nach Hameln. Aufgeregt saßen wir in der Touristeninformation auf den Stufen vor dem großen Bildschirm und sahen uns Ausschnitte aus einem Film über Hameln an. Plötzlich ertönte eine Melodie, und der bunt gekleidete Rattenfänger ging durch unsere Reihen. Drei lange Fasanenfedern am Hut fielen besonders auf, und lustige Schuhe hatte er an. Jeder hielt seine Fragen bereit und Gina war als erste dran. Ja, den Rattenfänger habe es mal gegeben und 130 Kinder waren auf einmal verschwunden. Wenn man an das heutige Hameln denkt, war die Katastrophe damals so schlimm, als wenn heute alle Kinder aus dem Vikilu, dem AEG und dem Schillergymnasium auf einmal verschwinden würden – also zirka 2500 Kinder. Es gibt mindestens 16 Theorien, was damals geschehen sein könnte. Niemand weiß es genau, aber diese schlimme Geschichte ist auch heute noch wie ein Trauma in der Stadt gegenwärtig.

Auf Lauras Frage, warum er so ein buntes Kostüm trage, antwortete Herr Boyer: „Weil der Rattenfänger gesehen werden wollte – so wie Lady Gaga. Die Kleidung gehört zum Geschäft. Damals trugen die Menschen dunkle Farben, da fiel der bunte Mann gleich auf.“ Wir haben erfahren, dass Mäuse und Ratten hypersonische Töne hören, die beim Flötenspiel erklingen können. Auf Fionas Frage, warum er denn keine Flöte spiele, antwortete Herr Boyer, dass doch alles, was Löcher hat, eine Flöte sei, also auch seine silberne Klarinette. Auf die Bitte hin, uns ein bekanntes Lied vorzuspielen, ertönte eine für uns vertraute Melodie. Allerdings lernten wir einen neuen Text kennen. Der Rattenfänger meinte mit einem Zwinkern, dass der ursprüngliche Text nämlich „Alle meine Ratten schwimmen auf dem Fluss...“ lautete. Eric wollte wissen, warum es gerade in Hameln eine solche Rattenplage gegeben habe. Das lag wohl daran, dass es in Hameln viele Mühlen und damit auch viel Getreide gab. Und wo viel Futter ist, können auch viele Ratten leben. Auch Herr Boyer hat schon Ratten in Hameln gesehen. Über die Person Michael Boyer erfuhren wir auch so einiges. Sein Alter sollte geheim bleiben. Aber er verriet uns, dass er die Rattenfängersage in der 3. Klasse kennengelernt habe. Als amerikanischer Soldat kam er nach Hameln und las in der Zeitung von der Suche nach einem Rattenfänger. So arbeitet er schon seit 21 Jahren als Rattenfänger, obwohl das nie so geplant gewesen sei. Gelernt hatte Michael Boyer Einzelhandelskaufmann, arbeitete sogar mal als Polizist. Aber nun ist er jeden Tag als Rattenfänger unterwegs, beantwortet Fragen, macht Musik und repräsentiert die Stadt bei Feiern in der ganzen Welt. So lernten ihn schon Menschen in vielen europäischen Ländern, aber auch Amerika, Japan und China kennen. Dieses Jahr ist eine Reise nach Litauen geplant. Kimberly wollte es genau wissen und fragte nach, ob es denn ein ganz besonderes Erlebnis als Rattenfänger gab. Da erzählte uns Herr Boyer, dass er in Dresden als einziger zu Politikern durfte. Was ihm denn besonderen Spaß an seinem Beruf macht, wollte Sila wissen. Toll ist es, dass er immer neue Leute kennenlernt – und am besten wäre es, dass die Leute ja Urlaub haben und deshalb immer gute Laune. Auf Joels Frage, ob auch etwas schwer ist an seinem Beruf, räumte der Rattenfänger ein, dass es manchmal auch nicht so leicht ist, immer gut drauf sein zu müssen, sich selbst zu überwinden, wenn es einem mal nicht so gut geht. Manchmal hat er das Gefühl, dass die Power, die man dafür braucht, im Kostüm eingenäht ist.

Da kam ein Kollege vorbei, der ebenfalls ein Rattenfängerkostüm anhatte. Wir erfuhren, dass es wohl viele Kopien des Rattenfängers gäbe. Und lachend fügte Herr Boyer hinzu, dass diese aber meistens einen Druckfehler hätten. Als alle ihre Fragen gestellt hatten, spielte er auf seiner Flöte und wir liefen hinter ihm her. Am Eingang des Bürgergartens zeigte er uns den Rattenfänger aus Stein und erzählte uns, warum der keine Flöte habe: Immer wenn man ihm eine Flöte in die Hand gibt, wird sie innerhalb kürzester Zeit geklaut! Er zeigte uns den Berg, in dem die Kinder damals verschwunden sein sollen.



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