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125. Jubiläum: Prinz Hermann zu Schaumburg-Lippe weckte die Begeisterung fürs Federvieh

Ein adliger Freund der Geflügelzüchter

Landkreis Schaumburg. Die Geflügelzucht im Landkreis Schaumburg ist untrennbar mit einem Namen verbunden: Prinz Hermann zu Schaumburg-Lippe. Der Sohn des Fürsten Adolf Georg und Bruder des späteren Fürsten Georg zu Schaumburg-Lippe war es, der Ende des 19. Jahrhunderts in der hiesigen Bevölkerung die Begeisterung für das Federvieh weckte und als Gründungsvater zahlreicher heimischer Geflügelzuchtvereine gilt. Nach deren Jubiläumsfeierlichkeiten steht die Erinnerung an Prinz Hermann auch im Mittelpunkt der Feier zum 125-jährigen Bestehen des Kreisverbandes am kommenden Wochenende in der Liethhalle.

Prinz Hermann zu Schaumburg-Lippe mit seiner Mutter Fürstin Herm

Autor:

Johannes Pietsch

Den Sinn für das Federvieh und die Bedeutung der Geflügelzucht erwarb sich Prinz Hermann in Frankreich. 1870/1871 beteiligte er sich am Krieg gegen Napoleons III., der - ausgelöst durch die berühmte Emser Depesche - zur Kaiserkrönung Wilhelms I. in Versailles und zur Gründung des deutschen Kaiserreiches führte. Während sich das Reich in deutschnationaler Begeisterung erging, gründete Hermann an der Petzer Chaussee in Bückeburg eine Kaninchen- und Geflügelzucht. Er hatte die erklärte Absicht, in der Schaumburg-Lippischen Bevölkerung die Kleintierzucht als landwirtschaftlichen Nebenerwerb zuetablieren. 1882 war es dann soweit: In dem Jahr, in dem Bismarck den Dreibund mitÖsterreich und Italien schloss, England Ägypten eroberte, Robert Koch den Tuberkulosebazillus entdeckte und Richard Wagner den "Parsifal" uraufführte, gründete Prinz Hermann den "Verein für Geflügelzucht, Obstbau, Bienen- und Kaninchenzucht im Fürstentum Schaumburg-Lippe unter dem Protektorat Seiner Hochfürstlichen Durchlaucht des Prinzen zu Schaumburg-Lippe", so der voll ausgeschrieben Name. Es war zugleich die Geburtsstunde des späteren Kreisverbandes. Prinz Hermann, der zu dieser Zeit eine große Geflügelzucht in Bergdorf besaß, kümmert sich intensiv um das Wohlergehen des Vereins. Nicht selten spendete er wertvolle Zuchttiere. "Wohl in keinem Falle verlässt ein Züchter seine Durchlaucht, ohne im Besitz mehrerer edler Tiere zu sein", schrieb die Schaumburg-Lippische Landes-Zeitung am 23. Oktober 1885. "Ganze Fuder Hühnerküken lässt Höchstderselbe den Landleuten ins Dorf bringen, um so wenig wie möglich den Landleuten Umstände zu bereiten." Innerhalb von nur vier Jahren verschenkte Prinz Hermann über 3000 Gänse, Ente und Hühner aus eigener Zucht, außerdem knapp 80 000 Eier. Prinz Hermann starb am 29. Dezember des Jahres 1918, dem Jahr des Kriegsendes und der Revolution, in Baden. Im Jahr 1922 bildeten sich aus den drei Sektoren des von Hermann gegründeten Vereins selbstständige Vereine sowie der gemeinsame Landesverband für Geflügelzucht und Obstbau in Schaumburg-Lippe, aus dem nach dem zweiten Weltkrieg der heutige Kreisverband hervorging. Heute gehören ihm die Geflügelzucht-Vereine Bückeburg, Hagenburg, Hessisch Oldendorf, Obernkirchen, Rinteln und Stadthagen an. Der Kreisverband umfasstüber 500 Mitglieder und 25 Ehrenmitglieder. Als Vorsitzender am längsten amtierte Fritz Kreft aus Stadthagen von 1968 bis 1993. Ihm folgte bis heute Wilhelm Struckmann aus Obernkirchen. Am kommenden Wochenende findet aus Anlass des Kreisverbands-Jubiläums die 61. Landesverbandsschau der Geflügelzüchter in Obernkirchen statt. 200 Aussteller aus ganz Norddeutschland werden über 1700 Tiere präsentieren. Geöffnet ist sie am Sonnabend von 10 Uhr bis 18 Uhr und am Sonntag von 9 Uhr bis 15 Uhr.

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