×

Eigentlich sieht es gar nicht so schwer aus…

Ob am Meer, auf der Weser oder am Varenholzer Schloss-See: Es sieht gar nicht so schwer aus, auf Wasserskiern über die Fluten zu gleiten. Tatsächlich erfordert es aber doch etwas Übung, um sich sicher übers Wasser zu bewegen. Unsere Zeitung hat es ausprobiert.

Autor:

Laura Korf

Bei knapp 17 Grad Außentemperatur hat sich neben mir noch eine Handvoll wagemutiger Kinder ausgerechnet diesen windigen und kalten Sommertag für ihren ersten Wasserski-Versuch ausgesucht. Ich friere. Gemeinsam stehen wir mit Neoprenanzug und einer Prallschutzweste und Wasserskiern im Schlepptau am Ufer des Varenholzer Schloss-Sees, hier startet die Seilbahn, von der man über den See gezogen wird. Ich versuche, mir die vielen Anweisungen der beiden Helfer einzuprägen.

Martin Bettinger von der Kalletaler Wasserskianlage und die Auszubildende Sina Godlermann erklären: „In die Hocke, Po tiefer als die Knie, Knie zusammen, Arme ausgestreckt…“ Alles klar – ich merke schon, dass zu viel Theorie hinderlich sein könnte. Wie so oft gilt vermutlich: Probieren geht über Studieren! Und bei den vor mir startenden Kindern sieht das Wasserskifahren buchstäblich kinderleicht aus. Schon beim ersten Versuch stehen die von Goldermann zu „jungen Naturtalenten“ ernannten Kinder auf ihren „Brettern“ und fahren um die Bojen, als hätten sie darin Übung. Während Goldermann die Kinder lobt, steigt bei mir der Druck: Kann ich mit den Jüngeren mithalten?

Die Grundvoraussetzungen erfülle ich immerhin: Das Mindestalter ist sechs Jahre, und schwimmen kann ich auch. Die Verletzungsgefahr ist gering. Ein Schwerpunkt des Wasserskibetriebs liegt auf Unfallanalyse, Vorbeugung wird großgeschrieben. Zudem wird die Anlage jährlich vom TÜV geprüft. Und hohe Wellen, wie am Meer, gibt es hier auch nicht. Die Wasserski-Strecke verläuft einmal über den See und zurück. Um problemlos durch die vier Kurven, die die Seilbahn macht, zu kommen, ist es ratsam, sich an die vorgegebene Strecke zu halten und durch die Lücken der paarweise positionierten Bojen zu fahren. Die drei Rampen dagegen dürfen nur von Profis befahren werden.

3 Bilder
…und Bauchlandung!

Zweimal wöchentlich trainiert hier nämlich der Wasserskiverein Nordlippe-Kalletal, darunter sind Profis wie die Vize-Weltmeisterin von 2002, Julia Meier-Gromyko. Hoch motiviert und sicher, neben den „Kleinen“ keine allzu schlechte Figur zu machen, nehme ich die Wasserskihantel in die Hände, um mich von der Seilbahn über den See ziehen zu lassen. Bettinger prüft noch mal meine Starthaltung – los geht’s, mit 28 Stundenkilometern.

Das Wasser spritzt mir ins Gesicht. „Von wegen: keine hohen Wellen!“, denke ich. Ich versuche, mich auf den Brettern aufzurichten, um auf diese Weise klare Sicht zu bekommen. Kaum etwas zu sehen und keine Kontrolle zu haben, macht mich nervös – und platsch, liege ich im Wasser. Die erste Runde war kurz. Also ans Ufer robben, zurück an den Start.

Auch beim zweiten Versuch stelle ich keine Fortschritte fest. Nach einem Viertel der Strecke liege ich schon wieder im Wasser. „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, denke ich. Ein paar tiefe Atemzüge helfen, meinen Körper das verschluckte Wasser vergessen zu lassen und erneut an der Abfahrtrampe zu stehen. Dennoch: Ich hatte mir Wasserskifahren einfacher vorgestellt. Während alle anderen auf der Anlage um die Bojen sausen, muss ich erst noch das Aufrechthalten beim Fahren lernen.

Aber Goldermann und Bettinger muntern mich auf: Du schaffst das schon! Martin Bettinger bläut mir noch einmal ein, alle Muskeln meines Körpers anzuspannen und meine Knie ganz nah beieinander zu lassen. Die Rechnung geht auf: Beim nächsten Versuch stehe ich auf den Wasserskiern – jetzt halte ich allerdings die Leine zu nah am Körper, sodass das erste kleine Erfolgserlebnis nur von geringer Dauer ist.

Die nächste Herausforderung sind die Kurven. „Meist dauert es nicht allzu lange, bis Anfänger es bis zur Kurve geschafft haben“, ermutigt mich Bettinger. Wichtig sei, sein Gewicht, je nach Kurve, ganz nach rechts oder links zu verlagern, um nicht aus der Kurve zu fliegen. Leider kann ich nicht auf Erfahrungen aus Skiurlauben zurückgreifen.

Entmutigen lasse ich mich nicht: nächster Versuch!

Die Seilbahn hat in der Kurve einen Winkel von 90 Grad zu bewältigen, dadurch entsteht ein starker Ruck – der mich prompt wieder ins Wasser befördert. „Nicht denken, machen“, rede ich mir zu und laufe den bislang längsten Weg zum Start zurück, weil ich es endlich über den Startbereich hinaus geschafft habe.

Kalt ist mir schon lange nicht mehr. Ich merke, Wasserski ist eine schweißtreibende Sportart. Und die 17 Grad Außentemperatur werden zudem von der Wassertemperatur, 19 Grad, übertroffen – mit Abkühlung wird es also nichts. Aber langsam werden meine Arme müde, und die Anstrengung führt dazu, dass ich das Gefühl habe, noch öfter die Balance zu verlieren als vorher. Trotz Erschöpfung nehme ich einen neuen Anlauf und ziehe die Wasserskier wieder an. Ich will es jetzt wissen, mir selbst und den anderen beweisen, dass auch ich die Kurven bezwingen kann.

Ich verbiete mir immer mehr, Kleinigkeiten zu analysieren. Stattdessen nehme ich mir ein Beispiel an den lässig vorbei fahrenden Jugendlichen, die in meinen Augen viel gelassener scheinen. Es scheint zu funktionieren: Wider Erwarten habe ich einen guten Lauf und schaffe es nach der ersten Kurve nun sogar die zweite. Jetzt liegt nur noch eine Kurve vor mir, ehe ich mich der Startrampe nähere und mit der letzten Kurve gleichzeitig eine neue Runde starten werde.

Die Aufregung steigt – mache ich mir etwa schon wieder Druck? Ich versuche, mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und mich weiter auf den Brettern zu halten. Wie in den vorherigen beiden Kurven halte ich mich noch sicher auf den Brettern – doch zack, schon spüre ich den starken Aufschlag auf die Wasseroberfläche! Mist, ist wieder nix geworden.

Während ich den Brettern nachschwimme, bin ich dennoch überglücklich, dass ich – beinahe – eine ganze Runde geschafft habe und nicht mit dem Gedanken nach Hause fahren muss, mein selbst gestecktes Ziel nicht erreicht zu haben.

Dieses Ergebnis ist an diesem, meinen ersten kalten Wasserski-Tag auch nach den beiden nachfolgenden Versuchen von mir nicht mehr zu toppen. Vielleicht muss ich noch etwas sportlicher werden, vielleicht hätte mir ein bisschen mehr Kondition auch geholfen. Aber nach anderthalb Stunden Wasserskifahren verbuche ich diese erste Tuchfühlung mit Wasserski als tolle Erfahrung, die ich bestimmt nicht missen möchte.

Im Gegenteil: Ich komme wieder! Dann aber lieber bei Sonnenschein.

Infos: Weitere Informationen können bei der Familie Bettinger per E-Mail bei info@wasserski-kalletal.de oder unter (0 57 55) 444 erfragt werden. Internetseite: www.wasserski-kalletal.de.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt