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Eckhart Liss und Berthold Tuercke präsentieren 21 „Mikroben“

EGESTORF. Die Zuhörerzahl im Egestorfer Schaafstall bleibt überschaubar. Unverständlich, denn was Eckhart Liss (Querflöte) und Berthold Tuercke am Flügel mit den „21 Mikroben“ aus ihrem aktuellen Zyklus für Flöte und präparierten Flügel zu Gehör bringen, das raubt einem schier den Atem.

Musikalisches Neuland im Schaafstall: Eckhart Liss (l.) und Berthold Tuercke am Flügel stellen Auszüge ihrer „Mikroben“vor. Foto: Huppert

Autor

Christoph Huppert Reporter

„Wie stellen das hier in der Region zum ersten Mal vor, nachdem wir hier am Flügel unsere CD aufgenommen haben“, erklärt Liss. Angelehnt an einen Zyklus kleinstformatiger Bilder von Max Ernst siedeln die beiden Musiker ihre musikalischen Mikrouniversen im schwer definierbaren Übergangsbereich von Geräusch und Musik an. „Das sind eigentlich kleine Charakterstücke, die mit dem Floskelhaften spielen, mal vordergründig fremdartig, auf jeden Fall atmosphärisch, ein Spiel mit Situationen und Zuständen“, so Liss.

Seit ihrer Schulzeit spielen die beiden Völksener immer wieder ihre eigene Musik zusammen. „Zwischen allen Stühlen und Stilen“, schmunzelt Hermannshof-Chef Eckhardt Liss. „Das Verhältnis von Improvisation und Komposition hält sich die Waage, soll auch gar nicht erkannt werden und bewusst in der Schwebe bleiben“, sagt Tuercke. „Die Flöte ist nicht immer die Flöte und der Flügel nicht immer der Flügel.“

Dann tauchen die beiden ab in faszinierende Klangwelten. Da knarrt, quietscht, kratzt, und säuselt es, stöhnen, vibrieren und rauschen Klang- und Geräuschstrukturen, die unterschiedlichsten Bilder aufsteigen lassen. Grell kreischt Metallenes im Kontrast mit gurgelnden Keuchen und Atmen, sphärische Klänge hinterlegen fragmentarische abrupt endende Melodieansätze, mitunter mit vertauschten Rollen entspinnt sich ein Dialog zwischen der Flöte, die keine mehr ist und dem von Tuercke mit Zahnbürsten und allerlei Utensilien bearbeiteten Flügel, der gleichfalls keiner mehr ist. Explosionsartig und eruptiv, gleich drauf bis in die Unhörbarkeit verstummend und trotz vermeintlicher Stille doch noch vorhanden. Im knapp einstündigen Soundspektakel eröffnen sich den Zuhörern Bilder und Räume weit jenseits bekannter Klanglichkeiten. Wer sich darauf einlässt, kann sich wegträumen, sich verrücken und verzücken lassen.

Für den Schaafstall ist es eine Premiere, denn derlei hat man hier noch nie gehört. Nach Basel und dem hannoverschen Landesmuseum nun ein Auszug der „Mikroben“ auch in Egestorf. Ein Privatkonzert in Berlin soll sich anschließen.

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