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Landwirte und Hobbygärtner kämpfen mit der Trockenheit / Ernteeinbußen wahrscheinlich

Durststrecke

Lindhorst/Nienstädt/Niedernwöhren. Während der Hobbygärtner derzeit täglich mit der Gießkanne durch seinen Garten streift, haben die wenigsten Landwirte die Möglichkeit, ihre Felder, die nach Wasser verlangen, künstlich zu beregnen. Sie müssen die Durststrecke über sich ergehen lassen.

Autor:

Tina Bonfert und Kirsten elschner

Für die Ernte ist die Trockenheit prima, für die Restbestände auf den Feldern sieht es schlechter aus, berichtet Landwirt Andreas Knake aus Niedernwöhren. Zuckerrüben und Mais gehe so langsam das Wasser aus, auch der Weizen „bricht zusammen“. Eine künstliche Beregnung der Felder gibt es auf seinem Hof nicht. Das sei nicht nur unglaublich aufwendig, sondern in der Region normalerweise auch gar nicht nötig. Eigentlich sind die Böden in der Region nämlich recht schwer und haben einen hohen Grundwassergehalt.

Der trockenste Juli seit hundert Jahren

„Eigentlich ist der Juli der nasseste Monat des Jahres“, sagt Johannes Dieckmann von „Dieckmann Seeds“ in Nienstädt. Das familiengeführte Züchtungsunternehmen für Getreide- und Rapssorten berichtet vom gefühlt trockensten Juli seit hundert Jahren. Normalerweise sei die Region in dieser Hinsicht „gesegnet“, und der Regen würde vollkommen ausreichen. Wie es dieses Jahr ist, sei zwar „nicht schön, aber auch nicht dramatisch“. Die Weizenernte finde etwa drei Wochen später statt; Dieckmann rechnet mit einem geringen Ernteverlust von etwa fünf Prozent des Höchstertrages.

Welche Auswirkungen die vorherrschende hochsommerliche Periode auf die Ernteerträge tatsächlich haben wird, lässt sich nach Angaben von Hartmut Brunkhorst, Landwirt aus Schöttlingen, nur erahnen. „Beim Weizen, der Gerste und vielleicht auch dem Raps ist mit Mindererträgen zu rechnen“, sagt der Landwirt. Welche Folgen die anhaltende Trockenheit für die Mais- und Rübenernte haben wird, lasse sich noch nicht abschätzen. Weil die Böden in dieser Region das Wasser besser halten können, sei es nicht wirtschaftlich, die Felder zu bewässern.

Auch Bonsai-Bäume wachsen bei Walter Dreiyer im Garten. pr.

Der tonige Lehmboden speichere das Wasser zwar besser als beispielsweise der sandige Untergrund in der Heide, dafür seien jedoch weniger wasserführende Schichten vorhanden, aus denen Wasser für die Bewässerung der Felder genutzt werden könne. „Für die Landwirtschaft wäre es ideal, wenn es zu dem schönen Sommerwetter einmal die Woche nachts etwa 15 Millimeter Regen gäbe“, erklärt Brunkhorst. Dennoch sei die Verlustrate hier relativ gering: „Wenn die Landwirte in der Heide 50 Prozent der Ernte einbüßen, sind es bei uns meist nur etwa 15 Prozent.“

Man muss mit der Natur arbeiten

Bei Temperaturen über 25 Grad ist beim Weizen zu beobachten, dass die Blätter beginnen, sich einzurollen. Das tun sie, um sich vor der Hitze zu schützen. Dadurch wird aber auch die Verdunstung reduziert, und, wenn die Wurzeln nicht mehr genügend Wasser bekommen, auch das Wachstum gemindert.

Wenn man jedoch über Mindererträge spricht, sollte man nach Ansicht von Brunkhorst auch bedenken: „Wir arbeiten nicht in einer Fabrikhalle, sondern unter freiem Himmel.“ Ein sogenanntes Durchschnittsjahr, in dem alle Wachstumsfaktoren im optimalen Bereich liegen, gebe es in der Landwirtschaft nicht. Jedes Jahr sei anders, und so unterschiedlich seien eben auch die Gegebenheiten. Mal ist es zu kalt oder zu nass, ein anderes Mal eben zu heiß und zu trocken – in dieser Branche müsse man eben mit der Natur arbeiten.

Auch im heimischen Garten heißt es bei diesen Temperaturen „gießen, gießen, gießen“. In seinem 2500 Quadratmeter großen Garten hat Walter Dreyer, Gärtnermeister aus Wiedensahl, zurzeit alle Hände voll zu tun. Um seine Schützlinge wie die Bonsai-Bäume, Buchsbaumhecken, Rosen und gut 80 Bibelpflanzen zu umsorgen, gießt er zweimal am Tag den kompletten Garten. Dabei rät der Gärtnermeister, darauf zu achten, die Pflanzen morgens und abends zu wässern, da das Wasser in der Mittagssonne zu schnell verdunstet. „Ich habe Regenwasser gesammelt, aber langsam gehen auch bei mir die Vorräte zur Neige“, verrät er.

Unter den Pflanzen in Dreyers Garten gibt es welche, denen die anhaltende Trockenheit und Hitze weniger ausmacht, wie zum Beispiel die Freilandkakteen. Andere hingegen reagieren empfindlicher. Buchsbäume beispielsweise sollten nur an schattigeren Tagen oder in den Abendstunden geschnitten werden, da sie sonst in der Sonne verbrennen würden. Die Bäume jedoch haben dem Gärtnermeister zufolge noch genügend Wasserreserven aus den verregneten Tagen im Juni.

Der Rasen jedoch leide bei dieser Hitze schon. Besonders, wenn er zu tief gemäht wird, geht das Gras schnell kaputt. „Ohne die längeren Halme kann das Gras kaum wachsen, und je länger die Halme sind, desto mehr Tau können sie aufnehmen“, erklärt Dreyer. Und auch Blumen schätzen bei hochsommerlichem Wetter ein schattiges Plätzchen. Kübelpflanzen dürfen daher ruhig auch mal unter den Sonnenschirm oder das Terassendach gestellt werden.




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