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Der gebürtige Syrer Nabil Gourie lebt seit 1987 in Deutschland / Bad Münder ist seine Heimat

„Du musst dich integrieren und viel arbeiten“

Bad Münder (lil). „Ich liebe Bad Münder“, sagt Nabil Gourie, der im syrischen Qamischli nahe der türkischen Grenze geboren wurde. „Ich habe meine Freunde und meine Arbeit hier, ich fühle mich hier wohl.“ 1987 verließ der heute 45-Jährige seine Heimat. „Wir sind Christen“, sagt er über seine Familie. „Wir wurden verfolgt, unter Druck gesetzt von den Kurden und der Regierung.“ Eigentlich habe er nach Schweden emigrieren wollen, wo der Großteil seiner Verwandten lebt. Dennoch: „Ich bin wahnsinnig glücklich, dass ich in Deutschland bin.“ Gelandet sei er damals in Berlin – mit 100 Mark in der Tasche und ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, so der 45-Jährige. „Ich hatte kein Geld wechseln können in Damaskus. Nach zwei Übernachtungen war mein Geld alle, und ich musste auf der Straße schlafen.“

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Die Berliner Behörden hätten ihn nach Altötting geschickt, bevor er nach Bad Münder kam, wo seine Mutter seit 1986 lebte. „Meine Mutter, meine drei Brüder und ich haben in einem Zimmer an der Süntelstraße gewohnt“, erinnert er sich. „Als mein Bruder krank wurde, hat uns die evangelische Gemeinde geholfen und uns eine vernünftige Wohnung besorgt.“

Jedes halbe Jahr haben er und seine Familie ihre Aufenthaltserlaubnis verlängern müssen, so Gourie. „Wir durften nicht mal arbeiten“, erzählt der Frisör. „Dank der Kirche wurde das Asyl irgendwann anerkannt.“ Ausländerfeindlichkeit hätten die Gouries in Bad Münder nicht erfahren. „Du musst dich integrieren und viel arbeiten, nicht nur nett sein“, findet Gourie.

„Weil Frisöre gesucht wurden, habe ich einen Platz an der Berufsschule in Hameln bekommen“, erzählt Gourie, der das Handwerk in Syrien von seinem Vater gelernt hatte. „Das Praktische war kein Problem, aber das Theoretische hat mich fertiggemacht“, gibt er zu. „Ich bin traurig darüber, dass ich damals nicht so viel Deutsch konnte, um meinen Meister zu machen.“ Mittlerweile denke er meist in Deutsch. „Ich übersetze die Worte nicht mehr in meinem Kopf“, sagt er. „Mit meiner Familie spreche ich beides – Deutsch und Arabisch. Das hängt vom Thema ab.“

Bevor er sich selbstständig gemacht hatte, arbeitete er unter anderem ein Jahr bei Frisör Claus-Dieter Hohlweck. „Ich habe um eine Sondergenehmigung gekämpft, mich ohne Meister selbstständig machen zu können.“ Seine Kunden störe es nicht, dass an der Wand in seinem Salon kein Meisterbrief hängt. Statt dessen hängen dort Gouries Bilder. „Ich male“, sagt er.

Nicht nur durch seine Arbeit hat er Kontakte in Bad Münder geknöpft. „Ich war von Anfang an offen“, sagt er. Bad Münder ist seine Heimat geworden, er ist angekommen. „Ich kenne fast jeden hier.“

Sie haben ihre Heimat verlassen und in Bad Münder ein neues Zuhause gefunden. Sie standen vor Hindernissen, haben diese aber mit Hilfe anderer und durch ihren eigenen Willen überwunden. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Arbeitskreises gegen Ausländerfeindlichkeit zeigt die NDZ Münderaner mit Migrationshintergrund, die in der Kurstadt angekommen sind.



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