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Das Aus für die mündersche Schlecker-Filialen sorgt für Betroffenheit / Hoffnung für Ihr Platz

Drogeriekette am Ende – Mitarbeiterinnen auch

Bad Münder/Bakede (jhr/

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gmen). „Alles Gute für Sie“. Der Abschiedsgruß an die Frau im Schlecker-Kittel, die der Kundin mit den schweren Einkaufstaschen die Tür aufhält, klingt wie der Abschied von einer langjährigen Freundin. Das Aus für die beiden Schlecker-Filialen in Bad Münder und Bakede ist nicht nur für die Mitarbeiter ein großes Drama. Auch den Kunden geht das Ende ans Herz. Nach den ersten Schließungswellen vieler Märkte im Umland Ende vergangenen Jahres und im März – unter anderem in Springe und Hameln –, hoffte das verschonte Bad Münder auf einen neuen Investor zur Rettung der Filialen an der Marktstraße und in Bakede. Vergebens. Am Freitag hatten nach monatelangem Ringen die Gläubiger das Ende der Drogeriekette beschlossen, jetzt heißt es in den Filialen Abschied nehmen.

Betroffen sind drei Mitarbeiterinnen in Bad Münder und drei Mitarbeiterinnen in Bakede – und für die meisten ist mit der Entscheidung am Freitag eine Welt zusammengebrochen. Etwa für die Filialleiterin des Bakeder Schlecker-Marktes. Wochenlang schwebten sie und ihre Kolleginnen zwischen Hoffen und Bangen. Verstanden sich als Team mit einem guten Verhältnis zu den Kunden, das gute Umsatzzahlen ablieferte. Auch auf der „schwarzen Liste“, die im März in Schlecker-Märkten Angst und Schrecken verbreitete, stand die Bakeder Filiale nicht. Dass sie bald arbeitslos werden, erfuhren die 37-jährige Filialleiterin und ihre Kolleginnen dennoch zuerst aus den Nachrichten. Ein Schock nach elf Jahren Arbeit bei Schlecker, räumt die Filialleiterin unumwunden ein. 2010 übernahm sie die Leitung der Bakeder Filiale, jetzt sagt sie: „Das ist eine peinliche Angelegenheit für uns“ und meint den Gang zum Arbeitsamt, der ihr nicht leicht fällt. Auf die Hilfe, die im politischen Raum angekündigt wird, baut sie nicht. „Ich werde mich selbst darum bemühen, irgendwo einen neuen Job zu bekommen.“

Auch bei Wirtschaftsförderin Anika John löste die Nachricht vom Schlecker-Aus Betroffenheit aus. „Die Filiale in Bakede erfüllt eine wichtige Aufgabe im Ort, ist fast so etwas wie ein Nahversorger“, erklärt sie. Die ungewisse Zukunft der Mitarbeiterinnen hat sie ebenso im Blick wie die Auswirkungen möglichen Laden-Leerstands. „Im Idealfall finden sich schnell neue Interessenten für die Ladenlokale – die dann auch die Mitarbeiter übernehmen.“ Bakedes Ortsbürgermeister Rolf Wittich („Es geht ein Stück Infrastruktur verloren, das haben wir nicht verdient“) ist traurig. Er drückt den Mitarbeiterinnen, eine davon wohnt auch in Bakede, seine Betroffenheit aus. Heute Abend will er während der Ortsratssitzung schärfere Worte wählen. Auch für die Bevölkerung im Sünteltal sei die Schließung des Marktes ein schwerer Schlag.

Davon haben die betroffenen Schlecker-Mitarbeiterinnen allerdings wenig. „Ich denke, dass in den nächsten Tagen die Kündigung zum 30. Juni im Briefkasten liegt,“ sagt die Filialleiterin in Bakede. Sie rechnet damit, dass es ab Freitag noch einmal voll im Laden wird – dann soll der „Ausverkauf“ der Schlecker-Filialen beginnen. Neue Warenlieferungen soll es nicht mehr geben, an der Marktstraße in Bad Münder werden auch keine Fotoaufträge mehr angenommen. Ein Umstand, von dem die Mitarbeiterinnen der Ihr-Platz-Filiale an der Marktstraße hoffen, dass er ihnen erspart bleibt. Die Zeichen dafür stehen seit gestern wieder besser: Die Drogeriekette Ihr Platz ist ein Tochterunternehmen Schleckers, gestern wurde jedoch bekannt, dass die Deutsche Unternehmensbeteiligungen AG (Dubag) Ihr Platz gekauft hat und als Marke erhalten wird. Mit dieser Mitteilung ist die Hoffnung der Mitarbeiterinnen der münderschen Filiale wieder gewachsen. Sieben Frauen sind beschäftigt, die meisten bereits seit rund zehn Jahren. „Letztlich müssen wir aber abwarten, ob es weitergeht. Einfluss nehmen können wir nicht“, erklärte eine Mitarbeiterin.



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