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Grundschulleiter kritisieren Mathe- und Deutsch-Vergleichsarbeiten: "Hat mit Pädagogik nichts zu tun"

Drittklässler von 21-Seiten-Test "erschlagen"

Landkreis (ssr). Auf deutliche Kritik bei Schaumburger Grundschulleitern sind die bundesweiten Vergleichsarbeiten gestoßen, die zu Wochenbeginn von den Drittklässlern geschrieben werden mussten. Die Tests seien "viel zu umfangreich", die Fragestellungen teils unverständlich. Sie setzten viele der acht- bis neunjährigen Kinder unter einen völlig unangemessenen Stress, hieß es.

Die Tests, die die Universität Koblenz-Landau im Auftrag der Kultusministerkonferenz für alle deutschen Grundschulen erdacht hat, umfassen eine 17-seitige Deutsch- und eine 21-seitige Mathearbeit. In jeweils 55 Minuten waren am Montag der Deutsch- und gestern der Mathetest zu bewältigen. "Von der Seitenzahl erschlagen" gewesen seien viele Kinder, hat die Rodenberger Grundschulleiterin Brigitta Doering beobachtet. Der Umfang der Anforderungen sei einfach zu heftig gewesen: "Mit Grundschul-Pädagogik hat das nichts zu tun." Die Lehrer hätten sich sehr bemüht, Ängste abzubauen. Das Argument der Kultusminister, dass die Testergebnisse nicht in die Noten eingehen, sondern den Schulen lediglich Vergleichsmöglichkeiten eröffnen sollen, lässt Doering mit Blick auf die Kinder nicht gelten: "Die sehen nur die konkrete Aufgabe, nicht diesen Zusammenhang." "Sehr unter Stress gesetzt" gefühlt haben sich die Drittklässler nach den Worten von Dagmar Blome-Unger, der Leiterin der Sachsenhäger Grundschule: "Der enorme zeitliche Druck war für viele kräftezehrend." Grundschulpädagogik müsse auf Erfolgserlebnisse abzielen, "dies hier war aber für etliche Schüler, insbesondere dieLeistungsschwächeren, ungeheuer frus- trierend". Kinder dieses Alters könnten mit einer derart unangemessenen Anforderung emotional nur schlecht umgehen, so Blome-Unger. "Mich hat bedrückt, dass ich so viel nicht konnte", habe ein Achtjähriger zu ihr gesagt. "Da wird extrem viel von den Drittklässlern verlangt, ich sehe das eher kritisch", bestätigte Leiterin Petra Ammon von der Stadthäger Grundschule Am Sonnenbrink. Die bisher üblichen, bis zu sechs Seiten umfassenden niedersachsenweiten Vergleichstests seien hingegen angemessen gewesen. Die Inhalte von einigen der Mathe-Aufgaben seien im Lehrplan erst für Ende des Schuljahres vorgesehen, aber trotzdem abgefragt worden, berichtete Helmut Quander, Leiter der Nienstädter Grundschule. "Das konnte ich doch nicht wissen, da hätte ich Hilfe gebraucht", zitierte Doering eine neunjährige Schülerin. "Das war eindeutig zu viel, die psychische Belastungfür viele Drittklässler zu hoch", ergänzte Quander. Auf den "sehr hohen Aufwand" hat Wolfgang Voss, Leiter der Bückeburger Grundschule Am Harrl, hingewiesen. Das Sekretariat habe zur organisatorischen Vorbereitung drei volle Tage gebraucht, weit mehr als 1500 Seiten hätten gedruckt werden müssen. Die Korrekturanweisungen des Ministeriums seien "irritierend", über den pädagogischen Stellenwert der Vergleichsarbeiten herrsche "bei uns vor Ort Ratlosigkeit".




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