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Der parteilose Dennis Kühn (39) aus Hasperde will am 26. Februar als Einzelbewerber antreten

Dritter Kandidat für die Bürgermeisterwahl

Bad Münder (mf). In den bislang eher müde dahinplätschernden Bürgermeisterwahlkampf kommt unerwartet Spannung. Drei Tage vor Ablauf der Frist hat sich mit dem 39-jährigen Dennis Kühn aus Hasperde ein dritter Kandidat gemeldet. Er will als sogenannter Einzelbewerber ins Rennen gehen. Gestern Vormittag hat Kühns Ehefrau im Rathaus die erforderlichen 160 Unterstützerunterschriften abgegeben.

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Kommunalpolitisch ist der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann bislang ein völlig unbeschriebenes Blatt. Er gehört nach eigenen Angaben keiner Partei an. „Ich war aber immer politisch interessiert“, sagt er.

Die Überlegung, für das Bürgermeisteramt anzutreten, sei bei ihm schon vor etwa einem Dreivierteljahr gereift, erzählt er. Auslöser war der Ratsbeschluss, einen der beiden Grundschulstandorte – Flegessen oder Hachmühlen – zu schließen. Als Vater von zwei Kindern (11 und 7) sei er persönlich betroffen gewesen. „Ich habe mich darüber geärgert“, gibt er zu. „Das passt nicht mit dem Anspruch Bad Münders zusammen, besonders familienfreundlich zu sein.“ Das gelte auch für viele andere Punkte im sogenannten Zukunftsvertrag, den die Stadt im Zuge eines Entschuldungsverfahrens mit dem Land Niedersachsen abgeschlossen hat. „Wer sich das mal genau durchliest, wird feststellen, dass vielfach Kinder und Jugendliche die Verlierer sind“, sagt Kühn.

In zahlreichen Gesprächen habe er jedoch feststellen müssen, dass kaum ein Bürger den Inhalt des Zukunftsvertrages kennt. Er habe den Text deshalb auch auf seine Internetseite gestellt.

Dort wirbt der 39-Jährige seit Kurzem für sich und seine Ziele. Und die heißen beispielsweise: weniger Bürokratie bei der Wirtschaftsförderung, Immobilienleerstandsmanagement, Kitaplätze ohne Wartezeit und Genossenschaftsmodelle für eine umweltverträgliche Energieversorgung.

Welche Chancen rechnet er sich persönlich bei der Wahl am 26. Februar aus? „Es geht mir gar nicht in erster Linie darum, den anderen beiden Kandidaten Stimmen wegzunehmen“, sagt Kühn und verweist auf die Wahlbeteiligung im Jahr 2006, die nur bei gut 56 Prozent gelegen habe. Sein Fokus richte sich eher auf den wachsenden Anteil der Nichtwähler. „Es gibt eine gewaltige Politikverdrossenheit. Da ist es mein großer Vorteil, auf keine Partei Rücksicht nehmen zu müssen.“ Er könne als Bürgermeister völlig unbefangen an die Dinge herangehen, frischen Wind ins Rathaus bringen und die verhärteten Fronten zwischen den Fraktionen aufbrechen, glaubt Kühn.

Dass er selbst keinerlei Verwaltungserfahrung mitbringt, bestreitet der Kaufmann nicht. Allerdings sei dies auch kein Handicap: „In der Stadtverwaltung gibt es genügend gute Leute mit Erfahrung.“

Der gebürtige Hannoveraner lebt seit 1999 in Bad Münder. Der Liebe wegen: Seine Frau kommt aus Hasperde. 1988 machte Kühn eine Lehre als Groß- und Außenhandelskaufmann, seit 1991 ist er für verschiedene Firmen als kaufmännischer Angestellter tätig gewesen. Derzeit arbeitet er im Vertrieb für ein auf Gebäudetechnik spezialisiertes Unternehmen aus Dortmund.

Die nötigen 160 Unterstützerunterschriften hat der nach Hans-Ulrich Siegmund (CDU) und Hartmut Büttner (SPD) dritte Bürgermeisterkandidat bereits zusammen. Trotzdem will er am Wochenende weiter mit seinen Listen von Haus zu Haus gehen. In den vergangenen Tagen habe er schon in einigen fremden Wohnzimmern gesessen, berichtet Kühn schmunzelnd – „und dort überraschend viel Zuspruch erfahren“.

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