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Dritte Auflage Patientage Kehlkopfoperierte in Bad Münder

BAD MÜNDER. Die Altersgrenze derjenigen, denen die Diagnose Kehlkopfkrebs gestellt wird, sinkt dramatisch. Die Folge ist oft eine Totalamputation und der damit verbundene Verlust nicht nur der Sprache – auch Schmecken, Schlucken und Atmen muss neu gelernt werden. Betroffene trafen sich nun erneut in Bad Münder.

Smoothie-Workshop: Diät-Assistentinnen Marijke Meents und Silke Schaper (von links) mit Teilnehmern beim Geschmackstest. Foto: Papayannakis

Autor

Christoph Huppert Reporter

„Es muss praktisch allse neu gelernt werden“, erklärt Herbert Hellmund. Der Thüringer spricht durch eine Speiseröhrenstimme und ist Vizepräsident des Bundesverbandes der Kehlkopfoperierten, in dem sich als Selbsthilfeverbund Kehlkopflose, Rachen- und Kehlkopfkrebserkrankte und Halsatmer zusammengeschlossen haben.

Zum dritten Mal kamen jetzt Betroffene aus ganz Deutschland in der Reha-Klinik am Deisterhang zu ihrem zweitägigen Gedankenaustausch, den Patiententagen, zusammen.

„Wir haben in Zusammenarbeit mit der Reha-Klinik das Programm sehr nah an den Bedürfnissen der Patienten gestaltet“, erklärt, Stefanie Walter, Geschäftsführerin des Bundesverbandes. Im Bundesverband sind 15 Landesverbände mit rund 6000 Mitgliedern in Gruppen organisiert.

Nach der Begrüßung folgten am Sonnabend Vorträge und Übungen. Dr. Brita Kahmann, Oberärztin der Reha-Klinik, befasste sich etwa praktisch mit dem Thema „Riechen nach Laryngektomie“ und die für Kehlkopfamputierte sehr wichtige Zahnsanierung und Wiederherstellung der Kau-funktion bei bestrahlten Patienten war Thema des Zahnarztes Florian Basilico.

Es habe sich in den vergangenen 21 Jahren sehr viel Know-how in Sachen Kehlkopflose in der Reha-Klinik angesammelt, bestätigte deren Chefärztin Dr. Barbara Koller. Sie stellte dar, dass sich die Einrichtung nach dem neuen Träger Mediclin (wir berichteten) noch „in der Umstellungsphase“ befinde. „Der Übergang war holpriger als gedacht“, so die Medizinerin. Das allerdings beschränke sich auf rein organisatorische Dinge. In fachlicher Hinsicht, so auch die Vertreter des Bundesverbandes, sei Bad Münder nach wie vor eine der ersten Adressen für die Betroffenen und genieße einen ausgezeichneten Ruf. Zustimmung der Gäste gab es, als der stellvertretende Bürgermeister Uwe-Peter Keil das auf die griffige Formel „Bad Münder macht gesünder“ brachte.

Mit viel Einfühlungsvermögen stellten Keil und die stellvertretende Landrätin Ruth Leunig fest, dass, „wenn die Stimme verloren geht, wir ein ganz wichtiges Element verlieren“, und so alles getan werden müsse, um die weitere Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft zu sichern.

Von Medizinern, Patienten und Angehörigen wurde das von Dr. Jürgen Borghardt entwickelte „mündersche Modell“ gelobt, eine Komplettherapie, die neben Stimmschulung und Rehabilitation auch andere Maßnahmen beinhaltet und bundesweit einzigartig ist. Auch die vierten Patiententage sollen wieder am Deisterhang stattfinden.

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