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Vor Gericht: Lkw-Benzin in Luhden abgezapft

Dreiste Sprit-Diebe

Luhden/Bückeburg (ly). Zwei Täter, ein Gedanke: Auf Diesel, abgezapft aus dem geknackten Tank eines parkenden Lastwagens, hatten es Diebe in Luhden abgesehen. Das Besondere an dem Fall: Die Männer waren nicht gleichzeitig auf der Bildfläche erschienen, sondern nacheinander. Zugegeben, das klingt zunächst ein wenig hanebüchen. Doch nach einem Urteil des Bückeburger Amtsgerichts könnte dies die Erklärung für den mysteriösen Fall sein.

Wegen Diebstahls hat Richter Armin Böhm jetzt einen 41-Jährigen aus Bad Oeynhausen zu sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung. Verbunden ist die Entscheidung mit Auflagen, darunter 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Dass der Angeklagte den Tank jenes Lasters, der in der Nacht zum 18. Mai vergangenen Jahres an der Luhdener Weststraße parkte, aufgebrochen und daraus Sprit abgezapft haben soll, ließ sich allerdings nicht nachweisen. Bei dem Oeynhauser sei weder Einbruchswerkzeug noch ein Schlauch gefunden worden, so der Richter. Böhm geht davon aus, dass der Angeklagte, der mit einem Pferdeanhänger unterwegs war, den abgestellten Kanister in sein Auto verladen hat. Strafbar war das natürlich trotzdem. "Sie hätten die Finger davon lassen sollen", schrieb Böhm dem Mann auf der Anklagebank ins Stammbuch. Ein Zeuge hatte den 41-Jährigen damals beobachtet und die Polizei verständigt. Vor Gericht ließ sich die Version des Angeklagten zumindest nicht widerlegen. Dieser will bei seinem Eintreffen zum Austreten am Straßenrand "eine Gestalt gesehen" haben und nimmt an, dass es sich dabei um den wahren Dieb gehandelt habe, der gestört worden sei. "Den Kanister habe dann ich eingeladen. Angesichts meiner finanziellen Situation war die Versuchung einfach zu groß." Die Identität des zweiten Mannes, der sich demnach zuvor am Tatort aufgehalten hat, ist nicht bekannt. Unter Verdacht stand zeitweise ein Bückeburger, der in der Nähe unterwegs war und in dessen Auto Polizisten einen 70-Liter-Behälter inklusive Schlauch gefunden hatten. Wenn es wirklich stimmt, dass sich in einer Nacht und am selben Ort zwei Langfinger quasi den Kanister in die Hand gegeben haben, wäre dies ein fast unglaublicher Zufall, der sich vielleicht mit den anhaltend hohen Spritpreisen erklären lässt. Vielleicht. Als sicher gilt, dass dem Oeynhauser derartige Taten nicht "wesensfremd" sind, wie es Juristen ausdrücken. Im Vorstrafenregister des Familienvaters, der Knasterfahrung hat, stehen 15 Eintragungen. Diebstahl kommt gehäuft vor.

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