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„Kathl, mach’s Bett!“

Dreikönigsbraten nicht nur zu Dreikönig

So sehr Schwein als Sinnbild des Glücks – und das seit Wodans Zeiten, als die Rentner-Recken noch mit dem Bierhumpen in der Hand beim ewigen Schweinebraten saßen – die Neujahrstafeln zierte, auch wenn das Jahrhunderte lang ausschließlich dem Adel vorbehalten war.

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Autor

Richard Peter Reporter
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Nur den Fürsten und Geadelten war es als „feras consumere nati“, also „zum Wildessen geboren“ erlaubt, sich so ein Grauröckchen zu gönnen, das allein das wahre Symbol für Glück, Kraft und Liebe war. Da können unsere zahmen Hausschweine, mögen sie auch noch so lecker und als Iberico oder „alte Rassen“ gepriesen sein, nicht mithalten.

Herzog Carl von Zweibrücken, einer der Ahnherren der späteren Könige Bayerns, ließ, damit sein Wild auch ja nicht ins Nachbarländle ausbüxen konnte, einen Zaun um sein kleines Herzogtum errichten – und mitten hinein sein luxuriöses, sauteures Jagdschloss setzen. Halt ein Vorfahr des späteren „Kini“, Ludwig II. Vor den fürstlichen Wildschweinen musste das Volk übrigens devot die Hüte ziehen. Niemand von ihnen hatte Zutritt zum Schloss, nur die hübschen noch unschuldigen Töchter der Untertanen. Wenn sie am nächsten Morgen wieder rauskamen, waren sie allerdings nur noch hübsch. Mit der Französischen Revolution hatte alles ein Ende und Zweibrücken war Geschichte.

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Warum die jungen Damen nicht nur hübsch sondern auch unschuldig sein mussten – vermutlich reine fürstliche Vorsorge. Schließlich wollten sich der hohe Herr nicht an der grassierenden Syphilis anstecken. Der Erfinder des Peni(s)cillins, war noch nicht einmal geboren. So kam es wohl auch zum „Jus primae noctis“ – also dem berüchtigten „Recht an der ersten Nacht“ – auf das sich in Mozarts „Hochzeit des Figaro“ noch Graf Almaviva berufen wollte.

Was die „lieben heiligen drey Kunig“ betrifft – „die machen die Maidlin wild“, wie der Nürnberger Poet Rosenblüt dichtete – und die noch beschäftigt sind, ihr „K + M + B“ an die Türbalken zu malen, was fälschlicherweise für Kaspar – der sich auch schon mal Caspar schrieb – Melchior und Balthasar gehalten wird und eigentlich für „Christus mansionem benedicat“, also „Christus segne dieses Haus“ steht, was im Volksmund schlicht „Kathl machs Bett“ heißt.

Zwischen dem blonden Kaspar-Brei und dem Dreikönigsmohr – Balthasar steht auch für den Hintern, weil der Heilige ja immer hinterher geht – liegt der braune Melchior-Braten, für den wir wahlweise ein Kilo Jungschweinsschulter oder Jungschweinskeule – beides mit Schwarte – benötigen. Mit der Schwartenseite in einen Bräter mit etwas Wasser etwa 20 Minuten garen, weil sich das Fett dann besser einschneiden lässt. In unserem Fall in nicht zu große Rauten. Salz, Pfeffer, Knoblauch, etwas Kümmel – gut, im Norden geht es auch ohne – und Zitronenschale, vielleicht auch etwas Majoran in einem Mörser zerstampfen und das Fleisch mit dem Brei gründlich einreiben.

Im Bräter – jetzt ohne Wasser – etwas Butter und Öl erhitzen, dann das Fleisch mit der Fettseite nach unten einlegen, eine geschälte, grob zerkleinerte Zwiebel dazu geben und den geschlossenen Topf in den vorgeheizten Ofen schieben. Nach einer guten halben Stunde den Deckel abnehmen, den Braten wenden, dass jetzt die Fett-Rauten oben sind und wieder für gut 15 Minuten ins Rohr schieben. Den Grill dazuschalten – zumindest die Oberhitze maximal aufdrehen. Um eine besonders schöne Kruste zu bekommen, den Braten zuletzt mit Weinbrand einpinseln. Kurz nochmals ins Rohr, dann das Fleisch herausnehmen und warm stellen – aber nicht abdecken, weil sonst die Kruste wieder labberig würde.

Die Röststoffe im Bräter mit etwas Wasser – es darf natürlich auch Wein sein – auflösen und einkochen lassen. Wenn nötig Fett abschöpfen – aber sonst, wie es ist, zum Braten servieren, der erst am Tisch aufgeschnitten wird und damit Koch oder Köchin noch ein Extra-Solo beschert.

Natürlich kann es dazu Kartoffel oder Knödel geben und wenn noch Rotkohl von der Gans im Tiefkühler schlummert: Höchste Zeit für eine Befreiung. Und nie vergessen, was schon die ollen Römer wussten: „Lust führt Männer zur Liebe, Liebe führt Frauen zur Lust“.




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