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"Die Hausnummer 1" in Exten: Die Stockmanns betreiben Landwirtschaft aus wahrer Leidenschaft

Drei Generationen führen die Tradition fort

Exten (who). Viele der Bauernhöfe mit der geschichtsträchtigen Hausnummer 1 werden heute nicht mehr im Ursprungssinn genutzt oder haben sich von der traditionellen Landwirtschaft mit all ihren früheren Facetten zu spezialisierten Unternehmen gewandelt. Der Hof Stockmann in Exten ist der seltene, aber quicklebendige Beweis dafür, dass es ihn noch gibt - den "richtigen" Bauernhof mit Feldwirtschaft, Schweinen im Stall, Milchkühen auf der Weide und glücklichen Hühnern, die jeden Tag fürfrische Eier sorgen.

Dennoch: Der Hof wäre nicht das, was er ohne seine Bewohner ist, die das alte Familienerbe mit Liebe und Begeisterung bewirtschaften. Ein Glücksfall für den "Grundhof", der bereits im neunten Jahrhundert erwähnt wird. Gleich drei Stockmann-Generationen ist der Hof gemeinsames Herzensanliegen und zu sechst geben sie dem Anwesen, was manchem der modernen landwirtschaftlichen Betrieben von heute fehlt: die Seele und ständige Betriebsamkeit von Mensch und Tier. Grundhof ist dieüberlieferte Bezeichnung des Anwesens. Unter anderem Walter Maack als Chefredakteur der Schaumburger Zeitung hat über ihn geschrieben. So in der Ausgabe vom 28. November 1936: "Er erhielt seinen Namen von seiner niedrigen Lage im Grunde östlich der Kirche unter dem hohen Ufer. Heute ist der Hof näher an die Straße herangebaut..." Hintergrund: Wegen der Lage nahe an dem früheren Weserarm ist der Hof dreimal verlegt worden. Balken aus dem Gehöft vor dem letzten Umzug sind noch im heutigen Wirtschaftsgebäude zu finden. Tradition spielt eine wesentliche Rolle bei den Stockmanns. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, stehen sie mit beiden Beinen in der Realität. Das zeigt, dass der Hof von ursprünglich 70 auf 104 Morgen Eigenland und mit aus der Verwandtschaft zugepachtetem Land auf sogar 256 Morgen angewachsen ist. Gemeinsam lebt und arbeitet die Familie am Generationenprojekt Bauernhof. Nach den Grundmeiern der ersten Jahrhunderte werden die Familien Bock und seit 1643 Tünnermann als Besitzer genannt, bis im Jahr 1876 der Landwirt Friedrich-Wilhelm Stockmann aus Veltheim den Namen mit nach Exten brachte. Vor sechs Generationen ist das gewesen. Das Besondere: Zurzeit leben drei Generationen gleichzeitig auf dem Grundhof. Wilhelm Stockmann und seine Ehefrau Hermine haben 2006 den Hof an ihren Sohn Friedrich-Wilhelm und seine Ehefrau Martina verpachtet. Für beide Stockmanns sind ihre Ehefrauen der "beste anzunehmende Glücksfall" gewesen. Denn Hermine Stockmann ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, ebenso wie ihre Schwiegertochter. Im Extertal habe er seine Frau gefunden, verrät der Senior schmunzelnd, mit einem fröhlichen Blitzen in den Augen. Mit dem Unimog sei er damals auf Brautschau gefahren. Sein Sohn Friedrich-Wilhelm hat es nicht ganz so weit gehabt: Martina Stockmann hat sozusagen in der Nachbarschaft auf dem elterlichen Hof in Strücken das Leben in der Landwirtschaft von der Pike auf kennengelernt. Gemeinsam mit ihrem Mann, der als gelernter Landwirt und Landmaschinenschlosser in einer Rintelner Firma arbeitet, betreibt sie Landwirtschaft im Nebenerwerb. "Das heißt, dass ich früh aufstehe und entweder vor oder nach der Stallarbeit meinen Dienst in einer Bäckereifiliale antrete", erklärt sie. Das sei nicht immer leicht, doch missen möchte sie ihr "Doppelleben" nicht. "Und dass man dabei immer die Gefriertruhe voll hat, gefällt mir auch sehr gut." Während die jungen Leute tagsüber in der Stadt arbeiten, halten Wilhelm und Hermine Stockmann den Betrieb auf dem Hof aufrecht. Die Gangart ist zwar etwas beschaulicher geworden, aber ohne den ganzen Druck der Verantwortung macht ihnen die Landwirtschaft als Unruhestands- Hobby sichtlich Freude. "Das muss wohl allen Stockmanns im Blut liegen", bestätigt Wilhelm Stockmanns Schwester, Liesel Edler. Sie hat selber auch vor allem die schönen Erinnerungen aus ihrer Kindheit vor Augen, wenn sie vom Leben auf dem Grundhof spricht. Ebenso wie ihre Nichte Annette, die an den Wochenenden zum Arbeitseinsatz aus Wunstorf anreist. Bei so viel Herz fürLandwirtschaft verwundert es nicht, dass der Virus auf die dritte Generation übergesprungen ist. Für die 15-jährige Carolin und ihren zehnjährigen Bruder Frederik Wilhelm ist die Arbeit auf dem Bauernhof ebenfalls von Geburt an Teil ihres Lebens. Spielerisch haben sie den Umgang mit Tieren und Technik kennengelernt. Großeltern und Eltern warten gelassen ab, wie's weitergeht. "Und wir lassenihnen die Wahl, ob sie später ganz einsteigen möchten oder nicht", blickt Friedrich-Wilhelm Stockmann in die Zukunft.




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