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Drei Bosses kandidieren für die SPD

BAD MÜNDER. Nicht in allen Bereichen sind sich die Bosses so einig wie beim Thema Politik. Während Papa Stefan Bosse leidenschaftlicher Anhänger von Eintracht Braunschweig ist, schlagen die Fan-Herzen seiner Töchter Theresa (24) und Luisa (21) für Hannover 96.

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Autor:

Mira Colic

Na gut, beim Fernsehprogramm sind sich die drei auch nicht immer einig, aber bei der Wahl der Partei dafür umso mehr. Alle drei stehen für die Kommunalwahl im September auf einer der Listen der SPD.

Die „Familienkrankheit“, wie die 24-jährige Theresa Bosse lachend sagt, hat schon Stefan Bosses Großvater Gustav begründet. „Er ist mit einem blauen Auge durch die NS-Zeit gekommen“, erzählt der Stadtjugendfeuerwehrwart, dessen Vater Helmuth 1947, als 18-Jähriger, der SPD beitrat. Nachdem er Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Schöppenstedt, seines Geburtsorts, geworden war, stieg er in der Hierarchie immer höher – war von 1968 bis 1981 Landrat des Landkreises Wolfenbüttel und seit 1981 nochmals Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion. Dem Landtag gehörte er sieben Jahre lang an; dessen Vizepräsident war er von 1970 bis 1978. In die Fußstapfen seines Vaters trat Marcus Bosse, Stefan Bosses drei Jahre jüngerer Bruder. Er ist seit 2008 Abgeordneter des Landtags.

So verwundert es kaum, dass Politik bei jeder Familienfeier aufs Tapet gebracht wird. „Es ist ja normal, dass es auch innerhalb der Partei verschiedene Meinungen gibt, aber wir müssen uns wenigstens nicht auf einen Mehrheitsbeschluss einigen, sondern können einfach das Thema wechseln“, sagt Theresa Bosse. In Kürze wird das wieder ausgetestet, wenn die Familie zum gemeinsamen Sommerurlaub in Österreich zusammenkommt. „Momentan gibt es ja jede Menge Gesprächsstoff“, so die 24-Jährige.

Eigentlich erstaunt es bei so viel Zusammenhalt mehr, dass das 53-jährige Familienoberhaupt erst vor zehn Jahren der SPD beigetreten ist. Theresa ist 2010 eingetreten; ist mittlerweile stellvertretende Stadtverbandsvorsitzende. „Gerade am Anfang musste ich Theresa unheimlich viel fragen“, gibt ihr Vater offen zu. Das Nesthäkchen ist im vergangenen Jahr eingetreten. „Bei der goldenen Hochzeit unserer Großeltern“, erinnert sich die 21-jährige Luisa. Sie sei vorher schon bei den Jusos aktiv gewesen, und nachdem bei der Feier – wie könnte es auch anders sein – das Thema mal wieder auf die Partei kam, „habe ich mein Handy gezückt und online den Antrag gestellt“. Alle drei sind der Meinung, dass man sich nicht immer nur beschweren könne, sondern auch aktiv eingreifen müsse.

Und Mama Bosse? „Mama sagt immer, es reiche, wenn es drei Verrückte in der Familie gibt“, erzählt Theresa lachend. Aber unterstützend wäre sie immer dabei, etwa beim Brötchenschmieren. Wer nun aber denkt, dass Mutter Bettina nichts im Hause Bosse zu sagen habe, irrt. Nicht umsonst sind ihr ihre beiden Töchter beruflich gefolgt. Theresa arbeitet bereits als Erzieherin, ihre Schwester steckt noch mitten in der Ausbildung – neben dem Wahlkampf.

Nun ist es ja das eine, Mitglied einer Partei zu sein, sich aber ehrenamtlich dort zu engagieren und seine Freizeit dafür zu „opfern“ ja doch etwas anderes. Ehrenamt liegt den dreien aber auch in anderen Bereichen. Wie der Papa sind seine beiden Töchter auch bei der Feuerwehr aktiv.

Stefan Bosse hat vor fünf Jahren erstmals kandidiert, „weil Axel das Sticheln nicht sein lassen konnte“. Axel Drömer ist ein Nachbar und Schatzmeister im SPD-Stadtverband. Damals habe er jedoch weit hinten auf der Liste gestanden.

Theresa Bosse hatte gerade die Schule abgeschlossen, als sie ihren Mitgliedsantrag ausfüllte. Damals war sie 19 und die Kommunalwahlen standen kurz bevor. Auf der Liste für den münderschen Ortsrat landete sie auf dem zweiten Platz und somit war ihre Wahl sicher. Auch ihre Schwester startet ihr politisches Engagement beim Ortsrat, sie steht zwar auch auf der Liste für den Stadtrat, dort aber auf dem letzten Platz.

Und zukünftige Schwiegersöhne? Werden die schon an der Haustür gefragt, wo sie bei der Wahl ihr Kreuz machen? „Den würden wir bekehren“, sagt Luisa mit einem Augenzwinkern. „Jeder kann seine Überzeugung haben, Streitgespräche machen doch auch Spaß“, findet ihr Vater und Theresa Bosse ergänzt: „Solange es nicht Mitglieder der AfD sind, ist alles okay, Anhänger von denen werden gleich aussortiert.“

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