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Gute darstellerische Leistungen, aber kein geschlossenes Ergebnis im Brückentor

"Drei auf der Couch" sind wohl noch nicht unbedingt ein Theaterstück

Rinteln. Ein Gastspiel mit Schauspielstar Uwe Friedrichsen in der Hauptrolle - das durfte für den Kulturring im Vorhinein als sichere Bank für ein volles Haus im Brückentorsaal gelten.

Auch wo auf die absurde Komik des schrägen Alten mit der Hiphop-

Autor:

Ulrich Reineking

Dieser Teil der Rechnung immerhin ging auf - ob aber die Stückauswahl der Tourneebühne Landgraf so glücklich gewesen war, darüber gab es während und auch nach der Vorstellung im Publikum sehr unterschiedliche Meinungen. Als Vorlage dient das Stück "EGO - Drei auf der Couch" des US-Routiniers Carl Djerassi - eine höchst vertrackte und streckenweise reichlich konstruiert wirkende Geschichte um den Erfolgsschriftsteller Steven Marx, der seinem großen Vorbild Fernando Pessoa nacheifern möchte und unter unterschiedlichen Namen Erfolg als Schriftsteller haben möchte, um darin ohne den Bonus des Besteller-Autors immer aufs Neue bestätigt zu werden. Faszinierend ist für ihn auch die Vorstellung, seine eigenen Nachrufe wie Ernest Hemingway nach einem Unfall schon zu Lebzeiten lesen zu können und so plant er einen Segelunfall mit vorgetäuscht tödlichen Folgen - ohne dabei als Egomane groß über die Folgen für seine Ehefrau nachzudenken, mit der ihn ohnehin nur noch lockere Bande zusammenhalten. Als Spiegel seinerÜberlegungen und als mögliches Band zurück ins Leben missbraucht er den Analytiker Dr. Theodor Marx und seine Couch mit direktem Blick auf die Skyline von Manhattan. Natürlich geschieht das, was zu erwarten ist: Die mittlerweile selbst zur erfolgreichen Unternehmerin mutierte Gattin sucht ihr Seelenheil daraufhin bei just diesem Therapeuten und so kann das Verwirrspiel nach dem boulevardüblichen Drehtür-Prinzip beginnen. Mit Claudia Buser als Ehefrau Miriam hat Regisseurin Petra Dannenhöfer eine kapriziöse und zugleich auch coole Besetzung für die neurotische Großstadtpflanze im personellen Aufgebot und auch Ralf Weikinger als Therapeut kann unter Beweis stellen, dass er wesentlich mehr sein kann als nur ein Stichwortgeber für Uwe Friedrichsen in der Hauptrolle des exaltierten Literaten. Dennoch gelingt es trotz dieser guten Besetzung in dieser Inszenierung nur selten, das konzeptlastige Geflecht der Monologe, Dialoge und Trialoge zu einer fort- und mitreißenden Handlung zu verbinden, sodass sich der Ablauf trotz einiger pointierter Szenen gelegentlich doch sehr zieht. Der Freude an den oft gelungenen sprachlichen Spitzen und der präzisen schauspielerischen Darstellung tat dies jedoch keinen Abbruch, was das Publikum zum Schluss auch in freundlichem Anerkennungsapplaus zum Ausdruck brachte.



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