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Dreht Amerika den Geldhahn zu?

Bad Münder. Die Beschäftigten des angeschlagenen Büromöbelherstellers Haworth blicken weiterhin einer ungewissen Zukunft entgegen. Zwei Wochen, nachdem die Geschäftsführung „Restrukturierungsmaßnahmen“ angekündigt hat, ist noch immer völlig unklar, welche Opfer die Mitarbeiter bringen müssen. Mehr noch: Mittelfristig stehe nicht nur das Werk in Ahlen, sondern auch der Standort Bad Münder in Frage, fürchtet die Gewerkschaft.

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Sollten am Haworth-Standort Ahlen die Verhandlungen über Sozialplan und Interessenausgleich nicht bis Ende November unter Dach und Fach sein, könnten die Gesellschafter in den USA ganz den Geldhahn zudrehen, glaubt Beate Kautzmann, die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Verwaltungsstelle Gütersloh-Oelde. „Und wenn die Löhne nicht mehr gezahlt werden können, ist ein Insolvenzantrag unausweichlich. Davon wäre das gesamte Unternehmen betroffen – auch Bad Münder“, sagte Kautzmann gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Signale aus der amerikanischen Konzernzentrale seien ziemlich unmissverständlich. In ihrer Bewertung der augenblicklichen Situation spricht sie von einer „offensichtlichen Drohung“. Das Management wolle augenscheinlich binnen weniger Wochen die Werksschließung in Ahlen durchpeitschen.

Dass die Geschäftsführung in diesem Zusammenhang von einem Zukunftskonzept spricht, empfindet Kautzmann geradezu als Hohn: „Für mich ist das weder Zukunft noch Konzept.“ Wer sich den Inhalt des Papiers genau durchlese, müsse zwangsläufig zu dem Ergebnis kommen, „dass mittelfristig mindestens auch der Produktionsbereich in Bad Münder auf dem Spiel steht. Für mich ist das jedenfalls klar erkennbar“, so die Gewerkschafterin.

Eine Einschätzung der Lage, die am Standort Bad Münder für Erschrecken gesorgt hat, wie die hiesige Vize-Betriebsratsvorsitzende Ulla Kreutzer gestern auf Anfrage deutlich machte. Fest stehe in jedem Fall, dass noch viele Details ungeklärt seien und man sich von der Geschäftsleitung schnell Antworten auf einen Katalog offener Fragen erhoffe.

Etwa die, in welchem Umfang es zu einer Verdrängung kommen könne, wenn Beschäftigte aus Ahlen nach Bad Münder wechseln. Kautzmann geht fest davon aus, dass die Zahl der Mitarbeiter auf insgesamt 220 reduziert werden soll.

Unternehmenssprecher Sebastian Siebzehnruebl warnte gestern vor Panikmache. „Es gibt kein Ultimatum, aber die wirtschaftliche Notwendigkeit, zügig gemeinsam zu einem Ergebnis zu kommen.“ Es sei nun an den Arbeitnehmervertretern, der Geschäftsleitung Terminvorschläge für die weiteren Gespräche zu unterbreiten.mf

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