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Dorfladen-Projekt strahlt in die Region

FLEGESSEN. Der Problemdruck wächst: In kleineren Orten weist die Infrastruktur immer größere Löcher auf. Abhilfe könnten hier Dorfläden wie das vor eineinhalb Jahren gegründete Flegesser Süntellädchen schaffen.

Inse Brandes (links) stellt Sonja Breuning und Prof. Axel Priebs von der Region Hannover das Süntellädchen und seine Entstehungsgeschichte vor – und lädt zum Einkaufen ein. Foto: Huppert

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Christoph Huppert Reporter

FLEGESSEN. „Bäcker und Bankzweigstelle, die Post geht weg, und wenn dann auch noch der Lebensmittel-Einzelhandel schließt, dann gibt es in vielen kleinen Orten kaum noch Einkaufsmöglichkeiten zu Fuß, wovon vor allem ältere Menschen und Familien betroffen sind“, stellte Norbert Lütge vom Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser aus Hildesheim fest. Mittlerweile gäbe es auch in den Regionen Hannover und Leine-Weser gute Beispiele, um auf diese Weise die Nahversorgung der Dorfbewohner sicherzustellen. Auf Einladung der Region Hannover und des Amtes für regionale Landesentwicklung Leine-Weser waren 14 Dorfladeninitiativen zur Vorstellung ihrer Projekte und einem ersten Erfahrungsaustausch nach Flegessen gekommen.

„Wir wollen hier lernen, was für Fehler man vermeiden kann“, so etwa Tita von Rössing , die mit einem Verein einen Dorfladen in Rössing aufgebaut hat. Und aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont waren der Coppenbrügger Bürgermeiser Hans-Ulrich Peschka und Ortsbürgermeister Andreas Voß gekommen, um sich von den Vertretern der Flegesser Zukunftswerkstatt über die Möglichkeiten eines Dorfladens informieren zu lassen. „Wir müssen uns etwa im Hinblick auf die Entwicklung in Bisperode da vorsorglich schlau machen“, so Peschka.

Initiativen, die bereits einen Laden im Aufbau haben oder planen, informierten sich im achteckigen, aus Lehm gebauten Süntellädchen darüber, wie man so etwas auf die Beine stellt. Mit dabei: Vertreter aus Altenhagen I, Bolzum, Eltze, Freden, Grohnde, Leese, Lenthe, Mariensee, Resse, Rössing, Vesbeck und Wassel.

„Es gibt zwar Fördermittel und Anschubfinanzierungen, dann aber muss sich so ein Laden alleine tragen“, so Prof. Axel Priebs, der Erste Regionsrat und Dezernent für Umwelt, Planung und Bau der Region Hannover. Mit gut 90 000 Euro Startkapital hatte sich das Süntellädchen subventionsfrei auf den Weg gemacht. „Die Bilanz ist erfreulich, wir stehen kurz vor Jahresabschluss gut da“, so Inse Brandes vom Verein Süntellädchen.

Auch Hans-Heinrich Buhr, der bei der Industrie- und Handelskammer in Hannover für Handel und Tourismus zuständig ist, sieht in Kleinversorgern à la Süntellädchen eine wichtige Alternative, um den durch mangelnde Rentabilität verursachten Weggang größerer Versorger aufzufangen. Rieke Arff, die Leiterin der Stabsstelle Klimaschutz bei der Region Hannover, betonte vor allem die Umwelt schützenden Aspekte solcher Einrichtungen. „Kurze Wege und ein lokales Warenangebot fördern eindeutig den Klimaschutz“, stellte sie fest.

Erweiterungen des Dorfladen-Konzepts wie etwa ein örtliches Wohn- und Immobilien-Management am Beispiel der Nachnutzung des Flegesser Pfarrhauses und andere Ideen der örtlichen Zukunftswerkstatt sind für andere Initiativen freilich noch Zukunftsmusik.

Was das Geheimnis des Flegesser Erfolgs sei, wollten deren Vertreter wissen. „Man muss auch spinnen dürfen“, so Inse Brandes. „Und man muss die Parteibücher fernhalten und basisdemokratisch nach dem Grundsatz ,small is beautiful‘ handeln.“ Eine Anregung, die von den Gästen gerne aufgenommen wurde.

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