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Doppelpremiere des Jungen Theaters St. Magnus

BEBER. Keine Frage, den Amateurstatus hat das Junge Theater St. Magnus, besser bekannt unter dem Namen „Didel-Dadel-Dum“, abgestreift. Was auf den ersten Blick nach lustigem Kindertheater klingt, ist spätestens nach der Verleihung der drei „Goldenen Vögel“ des „Papageno Award“ ein überregional beachtetes Theater.

Der ersehnte Nachwuchs im Hause Luther (Johanna Abend (v.l.), Fabio Hessenkamp, Torben Holle, Marie Wilkening und Tamina Zawilla). Theaterblut in den Adern: die zwölfjährige Adara Fee Zawilla. FOTOS: Huppert

Autor

Christoph Huppert Reporter

Ob PR-Arbeit, Marketing, Web-Auftritt, Programmheftgestaltung oder Platzreservierungsservice, der Professionalisierungsgrad der Theatermacher aus Beber weist steil nah oben.

Aber auch inhaltlich sind die Ansprüche an die eigene Arbeit stetig gestiegen. Nach diversen Shakespeare-Adaptionen und einem überragenden „Don Quijote“ 2011 gipfelten die alljährlichen Theaterproduktionen im vergangenen Jahr im Schauspiel „Rosa“, einem von Daniel Nagel eigens für das Ensemble verfassten Stück über die Hamelner Sozialdemokratin Rosa Helfers.

In diesem Jahr hat „Didel-Dadel-Dum“ mit der ersten Eigenproduktion von „Frau Luther – lass uns heute die Welt verändern!“ noch eine Schippe draufgelegt.

Ein Brief vom Dr. Martinus versetzt die Nonnen in Aufruhr.
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Geschrieben hat das Stück, das in Buchform auch im Online-Buchhandel erhältlich ist, Stefan Zawilla. Ein Katholik schreibt ein Theaterstück über die Frau des großen Reformators. Allein das ist schon eine Besonderheit. Und dass bei der Doppelpremiere am Wochenende in der Mehrzweckhalle in Beber kein Platz mehr frei war, ist nicht nur auf die Tatsache zurückzuführen, dass das Junge Theater St. Magnus sich trotz aller Professionalität nach wie vor weigert, Eintritt zu nehmen.

Zur Aufführung: Was unter der bewährten Regie von Peggy Zawilla da auf die von Tim Hubert, Heiko Scheibe, Brunhild und Hans-Georg Schewe gestaltete, mehrstufige Bühne gezaubert wurde, war ein wahrer, mehrstündiger Theater-Marathon.

In 15-monatiger Recherche hat sich Stefan Zawilla das Leben der Katharina von Bora gründlich erarbeitet und in ein Theaterstück gefasst, das nicht nur den Ausnahmecharakter dieser Frau am Beginn von Reformation und Neuzeit deutlich werden ließ, sondern durch die Akzentuierung des Alltagslebens auch die Leistung des Reformators in ein neues, reizvolles Licht rückte. „Wir brauchen auch heute Menschen, die mal wieder die Welt verändern“, so Peggy Zawilla in ihren Begrüßungsworten. Dass das ganz sicherlich auch Frauen sein können, wurde im Stück schnell klar. Gleich drei Katharinas erzählten – zumeist von der erhöhten Nebenbühne, die auch als Erzählplattform diente, aus – das Leben von Luthers Frau.

Ohne didaktischen Eifer gelingt es Stefan Zawilla dabei, historische Inhalte und Begriffe allgemeinverständlich zu erklären. Die große Reformationsgeschichte wird so aus privater Perspektive zu einem eindrucksvollen Bild der Familiengeschichte des Reformators. Die Strenge des Klosterlebens berührt den Zuschauer ebenso wie das nicht ganz hindernisfreie, teil amüsante Zusammenfinden des Paares Martin und Katharina. Immer wieder ist es aber auch das Thema Flucht, das sich fast leitmotivisch durch das Stück zieht.

Neben erfahrenen Kräften wie Johanna Abend und Torben Holle, Ann-Kathrin Scheibe oder Swen Güttinger, Steffi Fischer oder Kim Kurosch, zeigte auch der Nachwuchs, allen voran Adara Fee Zawilla, dass Theaterblut in den Adern fließt. Gerade die zwölfjährige Adara wusste als kleine Katharina zu überzeugen. Dass die meisten Akteure gleich mehrere Rollen spielen, ist bei „Didel-Dadel-Dum“ keine Ausnahme. So etwa Manuel Schewe, der als Bugenhagen, vor allem aber als Wächter Dr. Glatz für seine humorvollen Auftritte Szenenapplaus erntete. Am Ende gab es die Glückwünsche eines rundum begeisterten Publikums, allen voran Superintendent Philipp Meyer, und sogar die eines echten Luthers. Bruder Christian Priesmeier aus Hameln ist Vorsitzender der Lutheriden-Vereinigung, eines Zusammenschlusses der gut 5000 Nachkommen des Reformators, er kann seinen Stammbaum in 14. Generation auf Martin Luther zurückführen.

Nach der Doppelpremiere wird „Frau Luther“ noch sechs Mal in der Region zu sehen sein. Darunter am 3. Dezember bei „MediClin“ in Bad Münder und am 14. Januar im Martin-Schmidt-Konzertsaal.



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