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Domänen-Kinder plünderten in Springe Verstecke

SPRINGE. Wenn an der Bohnstraße Fußball gespielt und mit Rivalen aus der Domäne das Holzschwert geschwungen wurde, waren die Brüder Pietschner dabei. Gerhard Pietschner wurde 1950 geboren, sein Bruder Karl-Heinz kam 1941 zur Welt. Die beiden waren nicht nur sportlich, sondern auch musikalisch in ihrer Jugend unterwegs.

Gerhard Pietschner an seiner Einschulung am 1. April 1956 in Springe mit seiner Mutter, Schwester Helga, seinen Brüdern Manfred und Dieter und einem Kind aus der Bohnstraße. FOTOS: PRIVAT
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Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

Bruder Dieter spielte in einer Band, die mal „The Singing Birds“, dann „Barking Dogs“ oder „Chinise Evil“ hieß. „Mit denen bin ich zum Aufbauen und den Veranstaltungen mitgefahren“, erinnert sich Gerhard Pietschner. Er hat die Volkshochschule besucht und 1964 bei Ford eine Lehre als Auto-Mechatroniker begonnen. „Unsere Eltern achteten darauf, dass wir, obwohl wir in die Lehre gingen, vor 22 Uhr zu Hause waren. Wir waren ja auch noch nicht volljährig.“ Trotzdem ging es regelmäßig zur Kneipe Eselschulze an der Tivolistraße und zum Tanztee am Sonntagnachmittag. „Das vermisse ich heute sehr, genauso wie das Freibad und das Kino, wo wir häufig waren, wir hatten eben alles.“

Während seiner Lehrzeit bei Ford Bormann am Nordwall mussten die Lehrlinge für die Gesellen das Frühstück einkaufen – und zwar beim Lebensmittelladen Plener an der Fünfhausenstraße. „Hin und wieder mussten wir Auszubildenden Sägespäne holen. Die haben wir von dem Sägewerk Jansen, wo jetzt das Preisparadies ist, geholt.

Wenn die beiden mal mit Schrammen und Kratzern vom Sportplatz wiederkamen, war das kein Beinbruch. „Wenn man mal was abgekriegt hat, ist man nicht gleich zum Anwalt gegangen, die Konflikte wurden vor Ort ausgetragen und die Eltern liefen nicht sofort los.“ Und wenn aus ihren Geheimverstecken etwas geklaut wurde, dann musste der Streit eben mit den Kindern aus der Domäne ausgefochten werden.

Und wenn sie gerade keine Lust hatten auf Fußballspielen oder auf Hüpfspiele, dann haben sie bei Schuhmacher Gasch vorbeigeschaut und haben den Mitarbeitern in der Werkstatt zugesehen, wie Schuhe repariert wurden. Auch beim Tischler Meyer durften die Jungs den Gesellen neugierig über die Schultern schauen und sich die großen Geräte erklären lassen. Wieder zu Hause mussten die beiden kräftig im Haushalt helfen – und dort galten strenge Regeln. Mal mussten sie beim Abwasch helfen oder die jüngeren Geschwister ins Bett bringen. „Als kleiner Junge, so im Alter zwischen vier bis fünf Jahren, 1954, bin ich für meine Mutter zu Flohr einkaufen gegangen. Dieser Kaufmannsladen hatte die Artikel lose vorrätig. Es wurde alles auf der Waage von Hand abgewogen. Fisch holten wir auch von Fisch Wolters.“ Kuchen für größere Feiern wurden bei Bäcker Welzel gebacken. „Den vorbereiteten Teig haben wir dort hingetragen und in der Backstube auf Bleche gelegt, die größer waren als die, die man zu Hause hatte.“ Schließlich gab es in den damaligen Haushalten noch keinen Elektroherd. Das Holz wurde von Kettelhake mit der rollenden Schneidmaschine auf Länge geschnitten. „Beim Hacken des Holzes habe ich mich einmal fürchterlich verletzt“, erinnert sich Pietschner. Und für die Kohle sorgte Barufke, der damals an der Langen Straße seinen Sitz hatte, wo sich heute MäcGeiz befindet. In der Burgstraße gab es zudem eine Agentur der Hannoverschen Presse. „Ich durfte die Zeitung holen und habe den dort Angestellten als Vierjähriger aus der Zeitung vorgelesen, selbst wenn die Zeitung auf dem Kopf lag. Das hat die beiden immer amüsiert. Zum Dank durfte ich dann auch Comichefte lesen.“ Um das Taschengeld aufzubessern, hat er Zeitschriften ausgetragen. „Ich habe den Abonnenten-Advents-Kalender und Comic-Hefte, Prinz Eisenherz, auf Bestellung verkauft. Das hat dazu beigetragen, dass ich Springe mit all‘ seinen Straßen sehr gut kennengelernt habe. Trotzdem hatte ich noch genügend Zeit zum Spielen.“



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