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Infrastruktur wächst mit Verzögerung / Erdgas für Dehmkerbrock – Einwohner hoffen aber auf schnelles Internet

Dörfer müssen oft geduldig auf den Anschluss warten

Dehmkerbrock (cb). Wer auf dem Dorfe wohnt, der weiß aus der Geschichte, dass man oft weitab vom Schuss ist. Nicht nur, wenn es um schnelle Internetanbindungen geht. „Da sind wir abgehängt“, ärgert sich Ortsbürgermeister Willibald Brennecke. Und das betrifft nicht nur die jungen Einwohner. Da weiß er beispielsweise von einer Frau, die berufliche Nachteile hat, weil sie zu Hause auf den Bergdörfern außerhalb der Bürozeiten nicht vernünftig das Internet nutzen kann. „Das ist dann schon richtig ärgerlich“, meint Brennecke über unzureichende Infrastruktur.

Was andernorts für die Menschen bereits seit Jahren alltäglich ist, kommt auf dem Lande meist mit Verzögerung an. Die Dehmkerbrocker Chronik dokumentiert, dass die Bergdörfer oft das Nachsehen hatten, um technische Entwicklungen nutzen zu können. Aus den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts berichtet sie von Meinungsverschiedenheiten beim Ausbau der elektrischen Stromversorgung, als andere Gemeinden sich darum schon längst keine Gedanken mehr machen mussten. Oder die miserable Versorgung mit Wasser, welche die Dehmkerbrocker dann in den dreißiger Jahren durch Eigeninitiative in den Griff bekommen konnten, sodass sie dann sogar über eine fortschrittliche Einrichtung verfügten. Stolz berichtet der Chronist darüber, dass die Post 1967 in Dehmkerbrock, Rodenbeck und Posteholz eine öffentliche Telefonzelle aufstellte. „Ist ja irgendwie klar, dass es auf dem Lande immer etwas langsamer geht“, sagt der Ortsbürgermeister, ohne es gutzuheißen. „Das macht es ja nicht unbedingt einfacher.“ Auch wenn es um das Kanalnetz geht – Wördeholz zum Beispiel ist immer noch nicht an die Abwasserentsorgung angeschlossen.

Als das benachbarte Herkendorf im Vorjahr Anschluss an das rund 4000 Kilometer lange Erdgasnetz von e.on Westfalen Weser bekam, würdigte Bürgermeister Bernhard Wagner bei einer Feierstunde den „Zuwachs an Komfort und Lebensqualität“. Etwa 220 000 Euro hatte dazu das Unternehmen investiert. Derzeit gehen die Bauarbeiten weiter, verlegt eine Fachfirma die Leitungen bis nach Dehmkerbrock, wo sich nun, in größeren Orten seit langer Zeit schon selbstverständlich, rund 80 Haushalte ab Oktober für eine Erdgasheizung entscheiden könnten. Es gehöre mit zu den Aufgaben als regionaler Infrastruktur-Dienstleister, auch neue Gebiete zu erschließen, so das Unternehmen. Um eine möglichst flächendeckende Verfügbarkeit des umweltfreundlichen Energieträgers zu ermöglichen, werde das Erdgasnetz von e.on Westfalen Weser kontinuierlich verdichtet und erweitert. Dabei würden trotz eines höheren finanziellen Aufwandes bei Investitionen auf dem Land in der gesamten Region einheitliche Netzentgelte erhoben, hebt der Versorger hervor. Unternehmenssprecher Michael Wippermann: „Das ist uns besonders wichtig. Mit diesem Solidarsystem können wir den Bürgern in den städtischen ebenso wie in den ländlichen Gebieten unser Erdgasnetz zu gleichen Bedingungen zur Verfügung stellen.“

Ortsbürgermeister Brennecke, selbst aus Dehmke, kennt zwar einige Einwohner, die dort bislang einen Erdgastank im Garten stehen haben und über einen Anschluss froh sein würden, aber: „Viel mehr hoffen aber eher auf vernünftige Internetanschlüsse.“ Dafür sind jedoch andere Dienstleister zuständig.

Nur von einigen wenigen Leuten im Dorf wisse sie, dass sie auf Erdgas umsteigen wollen, sagt Renate Gebauer aus Dehmkerbrock. „Der Wunsch danach scheint wohl nicht sehr groß zu sein“, fügt sie hinzu und lenkt ungefragt ebenfalls das Thema aufs Internet. „Da muss endlich was geschehen“, meint auch Renate Gebauer.




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