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Generalsanierung der B 83 läuft / 1,1 Millionen Euro Kosten / Seit 1999 Pleiten, Pech und Pannen

Diesmal soll's kein Flickwerk werden ...

Bückeburg/Luhden (tw). Die Deckschicht großflächig abgeplatzt, der Asphalt von Spurrillen, Längs- und Netzrissen durchzogen, die Rinnen zur Querentwässerung zerstört: Was laut Uta Weiner-Kohl, Stellvertreterin von Markus Brockmann als Leiter des Geschäftsbereichs Hameln in der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau, der aktuelle Zustand der B 83 zwischen Bückeburg und Luhden ist, klingt nach Totalschaden.

Fast zehn Jahre nach dem Auftragen eines nicht geeigneten Bitumenbelags (Splitt-Mastix-Asphalt) durch einen Straßenbaubetrieb und zahlreichen Flickschustereien in Folge, hat die Firma "Eurovia" mit Hauptsitz in Hannover entlang des 2,5 Kilometer langen Abschnitts mit der Generalsanierung begonnen (wir berichteten). Besagte im September 1999 für 2,1 Millionen Mark ausgebrachte Bitumenmischung stand damals im Verdacht, für zwei tödliche Verkehrsunfälle (16. Februar und 3. März 2000) zwischen Luhden und Selliendorf zumindest mitverantwortlich zu sein. Bei Starkregen hatte sich das Wasser in den Poren gestaut, was immer wieder zu gefährlichem Aquaplaning führte. Im November 1999 in den Asphalt gebohrte Löcher sollten das Wasser schnellstmöglich versickern lassen, Schilder entlang der B 83 warnten dann im Dezember 1999 vor möglichen Eisflächen. Dennoch kam es zu den tödlichen Unfällen, in deren Folge der Stadthäger Rechtsanwalt Dr. Dieter Wissgott damals Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung in mehreren Fällen gegen die zuständigen Dezernenten des Straßenbauamtes Hameln sowie die Verantwortlichen der beauftragten Bau- und Lieferfirmen stellte. In der Tat: 50 Prozent der Proben, die vom neuen Asphalt im März 2000 gezogen worden waren, waren mangelhaft, stellte Markus Brockmann, damals stellvertretender Leiter des Straßenbauamtes, weiland fest. Das war vor acht Jahren. "Wir erneuern die Straße diesmal von Grund auf, sodass wir die Sache ein für alle Mal in den Griff bekommen werden", verspricht Weinert-Kohl. Soll heißen: In den kommenden sechs Wochen erhalten alle vier Fahrstreifen eine neue Tragschicht zur Profilierung, wird das Querneigungsverhältnis verbessert, wird die Binde- und Deckschicht erneuert. Die Kosten betragen nach Aussage der Vizeleiterin 1,1 Millionen Euro. Zahlen muss das Geld die Bundesrepublik und damit am Ende der Steuerbürger, "denn die Gewährleistungspflicht der damaligen Firma ist im Prinzip schon mehrfach abgelaufen", so Weinert-Kohl. Die "zweimaligen Nachbesserungen", welche besagte Firma im Jahre 2000 ausgeführt hatte, seien dagegen noch auf Garantie verbucht worden. Allerdings sei damals im wesentlichen nur ein neuer Dünnschichtbelag aufgebracht worden - "und der ist acht Jahre später nun einmal hin", so die Vizeleiterin. Belege über weitere größere Eingriffe in dem besagten Abschnitt der B 83 finden sich angeblich nicht in den Unterlagen der Landesbehörde. Dort nicht, dafür aber im Archiv dieser Zeitung. Danach musste im Mai 2002 ein Teilstück des Straßenabschnitts zur Tempo 30-Zone erklärt werden - auf der Fahrbahn war das Stück einer Regenrinne weggesackt; weil das Stück genau in der sogenannten Rollspur lag, bestand die Gefahr von Unfällen. Damit nicht genug: Im Februar 2003 musste das Tempo in Fahrtrichtung Bückeburg wegen Schlaglöchern, die eine Tiefe von bis zu zweieinhalb Zentimetern hatten, in Höhe von Luhden von 100 Stundenkilometern auf 50 reduziert werden - das Bohren der besagten Löcher, durch die das Regenwasser abfließen sollte, hatte nicht nur nicht den gewünschten Erfolg gebracht, sondern sich sogar als kontraproduktiv erwiesen. Wieder war eine großflächige Reparatur nötig, zu der es schließlich im Oktober 2003 auch kam. Zur Erinnerung: Bei dem in den 1960er Jahren in Deutschland entwickelten "Splitt-Mastix-Asphalt", der im September 1999 auf der B 83 zwischen Luhden und Selliendorf verbaut wurde, ist durch seinen hohen Splittanteil besonders fest und verträgt höhere Achslasten als herkömmliche Mischungen. Das sollte dem Ausfahren von Spurrillen vorbeugen. Der entscheidende Nachteil: Er ist bei falschem Mischungsverhältnis grobporig, Regenwasser kann nicht schnell genug abfließen und abtrocknen.




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