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Dieser Steinmetz schuf auch ein "Windspiel" aus Beton

Von Julia Marre

Ein prominenteres Plätzchen hat wohl kaum eines der Kunstwerke im öffentlichen Raum der Stadt. Am Langen Wall steht sie auf einem kleinen Hof, umrahmt von Sitzbänken. Im Sommer sausen Touristen auf dem Weserradweg an ihr vorbei. Im Winter wagen sich einige Spaziergänger an der Weserpromenade entlang – sofern sie nicht verschneit oder überflutet ist. Die „Kugel“ von Franz Brinkmann steht dort seit 1977. Und manchmal dreht sie sich auch.

kultur kugel

Hameln. Sie stehen im Bürgergarten, an der Weser, in der Fußgängerzone: Skulpturen gibt es in Hameln nahezu überall. Woher kommen sie? Weshalb zieren sie den jeweiligen Standort? Und wie lange schon? Julia Marre hat sich umgesehen. Die Ergebnisse dieser Spurensuche stellen wir in loser Folge vor. Heute: die „Kugel“ von Frank Brinkmann.

Ein prominenteres Plätzchen hat wohl kaum eines der Kunstwerke im öffentlichen Raum der Stadt. Am Langen Wall steht sie auf einem kleinen Hof, umrahmt von Sitzbänken. Im Sommer sausen Touristen auf dem Weserradweg an ihr vorbei. Im Winter wagen sich einige Spaziergänger an der Weserpromenade entlang – sofern sie nicht verschneit oder überflutet ist. Die „Kugel“ von Franz Brinkmann steht dort seit 1977. Und manchmal dreht sie sich auch. Denn der Kunststein ist als „Balancekugel“ konzipiert – wer mag, kann sie anschieben oder versuchen, darauf sitzen zu bleiben, während sie sich dreht.
Aus welchem Anlass die Kugel einst aufgestellt wurde, das ist heute leider nicht mehr in Erfahrung zu bringen. Und der Künstler? Der aus Recklinghausen stammende Franz Brinkmann ist in seiner Heimatstadt weder in der Kunsthalle noch im Kulturamt der Stadtverwaltung ein Begriff. Lediglich im Stadtarchiv ist eine Fährte zu finden. Dr. Matthias Kordes erinnert sich an den „Kunst-Steinmetz“, der allerdings „vor Ort keine archivisch auswertbaren Spuren hinterlassen hat“, wie der Archivleiter sagt. Außerdem sei Franz Brinkmann bereits am 9. November 1989 verstorben.
Im westfälischen Herten wird fündig, wer nach Franz Brinkmann sucht. An einem Skulpturenpfad, der durch die Innenstadt führt, war der Steinmetz beteiligt. Bereits 1973 stellte er hier sein „Windspiel“ auf, das ebenfalls aus drehbaren Kugeln besteht. „Aber das gibt es nicht mehr“, sagt Sylvia Seelert vom Kulturbüro der Stadt Herten. Vor zwei Jahren wurde es mit der Neugestaltung der Fußgängerzone abgebaut. Der städtische Betriebshof hat es aus seinem Kataster gestrichen und zunächst eingelagert. In diesem Jahr soll es wieder aufgebaut werden.

Mittlerweile hat das Stadtarchiv Recklinghausen die Lebensdaten Franz Brinkmanns zusammengestellt. Am 20. Oktober 1915 wird Brinkmann demzufolge im westfälischen Greven geboren, wo er ab etwa 1930 eine Steinmetzlehre absolviert. Seit mehr als 120 Jahren sind Angehörige der Familie Brinkmann schon als Steinmetze und Bildhauer tätig. Franz Brinkmann setzt diese Tradition fort. Für ein Jahr studiert er 1938 Kunst in Berlin, ehe er zur Wehrmacht einberufen wird. 1949 hilft er mit seinem Vater und Bruder dabei, die Petruskirche in Recklinghausen wieder aufzubauen. 1951 macht er sich als Künstler in Herten selbstständig. Seine Werke sind ausschlaggebend für eine neue Friedhofs- und Grabmalgestaltung, heißt es. So arbeitet er unter anderem für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und schafft in den 70ern in Detmold ein Ehrenmal für im Krieg gefallene Kameraden des Beobachtungsbataillons B. 1972 gewinnt Brinkmann in Herten einen Wettbewerb für die Innenstadtgestaltung, aus dem sein „Windspiel“ hervorgeht. Ausgehend von diesen drehbaren Steinkugeln erhält Brinkmann mehr als 100 ähnlich Aufträge – unter anderem aus Basel, Braunschweig, Hannover oder Göttingen. Und wohl auch aus Hameln.



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