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Zwei Bürgermeister suchen die Öffentlichkeit: Das Land soll mehr Geld für Sanierungen bereitstellen

"Diese Straße ist eine tickende Zeitbombe"

Rehren. Vor Bürgermeister Thomas Priemer liegt ein Ordner, der ist ungefähr zehn Zentimeter dick. Das oberste Blatt ist eine heiß begehrte Plangenehmigung: Die Straßen zwischen Pohle und Antendorf, die Landesstraße 439, kann sofort erneuert werden. Doch die Genehmigung datiert vom 13. Januar 2003 und wurdenoch von der Bezirksregierung erteilt. Die gibt es schon lange nicht mehr, aber die Sanierung lässt auch viereinhalb Jahre später auf sich warten.

Düstere Zukunft: Weil kein Geld für die Sanierung vorhanden ist,

Autor:

Frank Westermann

Priemer hat sich deshalb mit seinem Rodenberger Kollegen Uwe Heilmann zu einem eher ungewöhnlichen Schritt entschlossen: die Öffentlichkeit suchen und ein Problembewusstsein schaffen. Das Problem, so sagt Heilmann, sind die fehlenden Mittel für die Straßensanierung. Wenn immer stärker im Landeshaushalt heruntergestrichen wird, weil das Ende der Neuverschuldung verkündet werden soll, dann, tja, dann gibt es eben kein Geld, um die Straßen zu sanieren. Heilmann bringt es auf eine griffige Formel: "Das sind tickende Zeitbomben, die jedes Jahr teurer werden." Das könne an der Landesstraße bestens beobachtet werden. In Pohle drückt ein Bach an die Straße, gemacht wird nichts, erklärt Heilmann: "Das kann ganz schön teuer werden." Und die Seitenkanten sind auf der gesamten Strecke zwischen Pohle und Antendorf kaputtgefahren - an beiden Seiten: "Wir müssen dringend Politik und Bürokratie dazu bewegen, dass gehandelt wird." Großen Hoffnungen geben sich beide nicht hin, Hannover ist weit, und dort fallen die Stimmen zweier Bürgermeister aus der niedersächsichen Provinz nicht weiter ins Gewicht. Doch, so Heilmann, "wenn wir überhaupt Gehör finden, dann in den Zeiten vor einer Landtagswahl." Es ist ja auch nicht zu viel verlangt, was beide anstreben, meint Priemer: Keine goldenen Bahnen, sondern "eine vernünftig ausgebaute Straße. Eine Straße, die dem Steuerzahler, dem Anlieger und den Autofahrern gerecht wird". Priemer und Heilmann, das wird im Gespräch schnell deutlich, sind nicht nur sauer, weil sie sich im Stich gelassen fühlen, sondern auch, weil sie die Landesregierung für undankbar halten. Auetals Bürgermeister stellt ein Szenario in den Raum, das die Haltung verdeutlicht. Was hätte man gemacht, wenn während des Ausbaus der A2 die Auto- und Lastwagenfahrer nicht auf leistungsfähige Landesstraßen hätten zurückgreifen können? Schließlich sei der Umleitungsverkehr ja eben nicht über die Bundesstraßen gefahren, das habe ja nicht funktioniert. "Richtig gut geklappt hat es aber auch zwischen Antendorf und Pohle nicht", erzählt Heilmann: Lkw und Pkw hätten hier zu wenig Platz beim Begegnungsverkehr, von zwei Lastwagen ganz zu schweigen. Kurzum: Es gibt gute Gründe, die Landesstraße zu sanieren. Weil die Landesstraße 439 durch den A 2-Umleitungsverkehr nicht besser wurde, sind die Folgen jeden Tag zu besichtigen: Auf der Straße steht das Wasser, nichts läuft ab, im kommenden Winter werden sich hier Eisflächen bilden, die den Oberflächenbelag weiter angreifen. Viel Geld, so sagt Priemer, sei vor 2003 für Gutachten ausgegeben worden - jetzt habe man Pläne und Genehmigungen, aber eben keine Mittel. Wenn er und Heilmann in ihren Rathäusern so arbeiten würden wie die Landesregierung, dann würden beide schon lange bei der Heilsarmee um einen Teller Suppe anstehen. Und, so ergänzt Heilmann, es sei doch auch kein Aushängeschild für das Land, wenn Autofahrer erkennen würden, dass sie in Niedersachsen sind, weil hier die Straßen in einem so desolaten und erbärmlichen Zustand sind. Und desolat, dass seien die Straßen, weil die Landesregierung nicht genug Geld für die Sanierungen bereit stellen würden. Abgestimmt haben beide ihren Vorstoß in die Öffentlichkeit mit dem zuständigen Straßenbauamt in Hameln, "die wissen Bescheid", meint Priemer: "Wir wollen hier ein Zeichen setzen." Und vielleicht ist es ja auch dies, was Priemer und Heilmann soärgert: Auch die Fachbehörden wissen, dass so viele Straßen in Niedersachsen saniert werden müssen, an fachlicher Unterstützung mangelt es nicht. Dass sich durch die öffentliche Kritik etwas bewegen wird, glauben wohl weder Priemer noch Heilmann. "Aber das ist nicht in Ordnung", sagt Auetals Bürgermeister, "bei weitem nicht." Dann steht er auf und stellt den Ordner mit der Plangenehmigung wieder ins Regal.

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