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Vor Gericht: Bewährungsstrafe / Töchter von Lebensgefährtinnen missbraucht / Therapie angeordnet

Die Vergangenheit holt den Kinderschänder ein

Bückeburg (ly). Kindesmissbrauch gehört zu den abscheulichsten Verbrechen. Doch selbst in diesem Bereich gibt es neben Taten, für die nur harte Haftstrafen denkbar sind, auch Fälle, in denen Bewährung aus Sicht von Juristen vertretbar scheint. Die 1. Große Jugendkammer am Bückeburger Landgericht hat gestern einen Kinderschänder (47) aus Lünen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, deren Vollstreckung aber ausgesetzt.

Opfer sind zwei Mädchen aus Bückeburg und Stadthagen, die zum Zeitpunkt der sexuellen Übergriffe etwa vier und acht Jahre alt waren. Die Vierjährige, heute eine junge Frau, soll der erwachsene Mann vor mehr als 20 Jahren in einer Bückeburger Wohnung befummelt haben, wo er mit der Mutter des Kindes lebte. Vermutlich wäre diese Tat bereits verjährt, weshalb das Verfahren gestern vorläufig eingestellt wurde. Verurteilt hat die Große Jugendkammer den Angeklagten wegen dreier Fälle, die als deutlich schlimmer eingestuft werden und nach dem Geständnis des 47-Jährigen erwiesen sind: Ende der 1990er Jahre hatte der Langzeitarbeitslose sich an der Tochter einer späteren Lebensgefährtin aus Stadthagen vergangen und "den Beischlaf vollzogen", wie es im Juristendeutsch in der Anklageschrift heißt. Trotzdem haben beide Mädchen den Mann niemals angezeigt. Möglicherweise hatten die Kleinen kaum etwas gespürt, weil sie im Halbschlaf waren. Entjungfert worden sind die Kinder nach Erkenntnissen der Justiz nicht. Schmerzen soll der Täter ihnen ebenfalls nicht zugefügt haben. Eine Traumatisierung gilt als eher unwahrscheinlich. Herausgekommen war alles erst viele Jahre später, weil der frühere Arbeiter sich einer Freundin anvertraut hatte und diese nach der Trennung aus Rache plauderte. So holte seine Vergangenheit den Kinderschänder dann doch noch ein. Für den bisher unbestraften 47-Jährigen sprach vor allem "ein Geständnis, das aufrichtige Reue zeigt", so die Vorsitzende Richterin Dr. Birgit Brüninghaus. Eine womöglich quälende Aussage vor Gericht blieb den Opfern dadurch erspart. "Das rechnen wir dem Angeklagten hoch an", sagte Dr. Brüninghaus, deren Schuldspruch auf sexuellen Missbrauch von Kindern im besonders schweren Fall lautete. Wie so häufig in derartigen Fällen soll der Mann in seiner Jugend selbst Opfer sexueller Gewalt geworden sein. Als 18-Jähriger, so hieß es, sei er vom eigenen Vater missbraucht worden. Überdies sollen sein Bruder und seine Schwester eine inzestöse Beziehung gehabt haben. Vor diesem Hintergrund gehört eine Therapie zu den Bewährungsauflagen. Dadurch sollen Probleme in der Sexualität und mit Alkohol aufarbeitet werden. "Nüchtern wäre das nicht passiert", hatte der 47-Jährige, der außerdem 300 Stunden gemeinnützig arbeiten muss, versichert. Eine Wiederholungsgefahr sieht das Gericht nicht.

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