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Seine Leidenschaft begann mit zwei Hühnern – heute leben Daniel Kniefs Tiere in drei Gärten

Die unverzagte Müh’ mit dem lieben Federvieh

Hessisch Oldendorf (fn). Enten schnattern, Hähne krähen und kleine Küken piepsen leise vor sich hin. Wenn Daniel Knief die Kleingartenanlage betritt, kommt richtig Leben in die Kolonie am Hessisch Oldendorfer Stadtrand. Und der 15-jährige Hessisch Oldendorfer kommt mehrmals täglich vorbei. Schon am frühen Morgen – als Sohn einer Bäckerfamilie ist er zeitiges Aufstehen wohl gewohnt – führt ihn sein Weg zum geliebten Federvieh. Während Klassenkameraden den Schulweg freiwillig „etwas länger gestalten“, ist Daniels Umweg arbeitsbedingt.

„Um halb sieben mache ich alles auf und gebe den Tieren Futter“, erzählt der Realschüler. Um 14 Uhr, nach Schule und Mittagessen, ist er spätestens wieder bei seinem Geflügel, oft bis in den Abend hinein. Dann heißt es für den jungen Rassegeflügelzüchter, den Legehühnern Grünschnitt zu geben oder alle zwei Tage die Ställe auszumisten. Die Schulaufgaben müssen solange warten.

Daniel Kniefs Interesse an der Rassegeflügelzucht begann mit einem Huhn, das auf dem Balkon zu Hause gehalten wurde. Als dann ein zweites hinzukam, machten sich die Kniefs Gedanken über einen Garten. „Wir wissen auch nicht, woher er das Interesse am Geflügel hat.“ Mutter Heike kann sich Daniels Hobby nicht erklären. Mittlerweile „bewohnt“ Daniels Federvieh drei aneinanderliegende Gärten, und statt der zwei Hühner scharren jetzt über 120 Tiere auf knapp 2000 Quadratmetern im satten Grün nach Würmern. Neben den von ihm gezüchteten Australorps-Hühnern auch Stockenten, dänische Gänse und etliche niedliche Küken. Die Dänengänseküken weichen Daniel bei seinen Aufenthalten im Garten nicht von der Seite und watscheln ständig hinter ihm her. Und es werden noch mehr. „Am 21. Mai schlüpfen noch 30 Flugenten“, kennt der Jungzüchter genau das Geburtsdatum des Entennachwuchses – das Brüten in Brutmaschinen macht dies möglich. Sein Hobby finanziert der Jugendliche mit dem Verkauf von Eiern, manchmal gehe es auch ans Taschengeld, wie er selbst sagt. Und was sagen seine Freunde zu seiner doch konservativen Leidenschaft? „Die kommen damit klar. Das müssen sie auch“, lautet Daniels knapper Kommentar. Ein- bis zweimal die Woche bekommt Daniel Besuch. Reinhard Sieker, Vorsitzender vom „Rassegeflügelzuchtverein Hessisch Oldendorf und Umgebung“ – Daniels Zuchtverein – schaut vorbei. „Wenn ich zum Einkaufen fahre, gucke ich schon mal rein“, erzählt der 73-jährige Heßlinger. Dann gibt der erfahrene Züchter dem Jüngeren Hinweise zur Haltung, Tipps gegen Krankheiten und zur Pflege der Tiere oder die beiden fahren gemeinsam zur Lohnbrüterei nach Dankersen. Hört man den beiden beim Fachsimpeln zu, festigt sich der Eindruck, dass aus der anfänglichen züchterischen Hilfe eine generationenübergreifende Freundschaft gewachsen ist. Wer kann schon behaupten, zu seiner Konfirmation ein ausgefallenes Geschenk wie einen Stamm „Australorps“ bekommen zu haben? Daniel schon, denn den gab es von Sieker als Grundstock, um bei Ausstellungen dabei sein zu können. „Von den 32 Züchtern in unserem Verein sind acht in der Jugendgruppe“, berichtet Sieker. Im Gegensatz zu anderen Vereinen sei beim Hessisch Oldendorfer Verein der Anteil Jugendlicher beachtlich, im Bundesverband sei nur jeder Zwölfte Jungzüchter. Während Daniel Knief selbst sein Hobby gefunden hat, ist Sebastian Ermel in einer Züchterfamilie groß geworden. Sebastian züchtet Schautauben, genauso wie sein Vater Ralf. Zusammen hätten sie rund 100 Tauben im Schlag, wie Sebastian erzählt. Die züchterischen Erfolge seines Vaters machen ihn ehrgeizig, und schließlich erwähnt er stolz den deutschen Meistertitel, den Ralf Ermel schon einmal nach Friedrichshagen geholt hat.

Auch Daniel Knief kann schon einige Erfolge vorweisen. So gab es für ihn den Landesverbandspreis Jugend bei der vereinseigenen Ausstellung in Fuhlen, und aus Osnabrück brachte der Jugendliche das Osnabrücker Band mit nach Hause – beide Male mit dem Prädikat „hervorragend“, der zweithöchsten Bewertung. Die erfolgreiche Jugendarbeit im Hessisch Oldendorfer Rassegeflügelverein sieht auch der Vorsitzende positiv. Schließlich steht Reinhard Sieker seit 1974 an der Spitze des Vereins und „möchte gern, dass in den nächsten Jahren mal ein Jüngerer drankommt“.

Daniel Knief, Reinhard Sieker und Sebastian Ermel (von links) teilen ihre Vorliebe für Geflügelzucht.



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