×
Stadtwerke wollen die verfallenden Häuser auf dem Steinwerder abreißen / Vielleicht neue Turbine

Die Tage der schäbigen Gebäude sind gezählt

Hameln (ni). Mit dem Entrümpeln fangen sie schon an, der Abriss rückt in greifbare Nähe: Die Stadtwerke wollen das alte Turbinenhaus auf dem Steinwerder dem Erdboden gleich machen und damit einen Schandfleck auf der Hamelner Stadtkarte ausradieren. Eine kleine neue Turbine zur Gewinnung regenerativer Energie soll an gleicher Stelle nur installiert werden, falls sich die Investition tatsächlich rechnet.

Die Fenster mit Brettern vernagelt, der Putz versifft – wer stadtauswärts auf der Münsterbrücke unterwegs ist, kann dem hässlichen Anblick kaum ausweichen. Seit 1985, als die Turbinen in seinem Inneren stillgelegt wurden, erfüllt das Gebäude ohnehin keinen Zweck mehr. Und auch in dem benachbarten Wohnhaus rührt sich schon jahrelang kein Leben mehr. Welche Gebäude auf dem Steinwerder den Stadtwerken gehören und welche nicht, lässt sich durch bloßes Hingucken ausmachen: „Alles, was vergammelt aussieht, gehört uns, alles was frisch gestrichen ist, gehört uns nicht“, räumt GWS-Geschäftsführerin Susanne Treptow selbstkritisch ein. Dass der heimische Energieversorger diesem Makel jetzt zu Leibe rücken will, hat laut Treptow auch etwas mit Verantwortung gegenüber der Stadt zu tun. Einem städtischen Tochterunternehmen stehe es schließlich schlecht zu Gesicht, Bürger und Touristen ausgerechnet an der Eingangspforte zur Altstadt mit Bildern des fortgeschrittenen Verfalls zu konfrontieren. Beschleunigt worden sei die Entscheidung, die Bauten abzureißen, allerdings auch durch den „sanften Druck“ von Eckhard Koss, so Treptow.

Viel Grün, Parkplätze und kein Neubau

Hamelns Erstem Stadtrat und Baudezernenten sind die maroden Häuser schon lange ein Dorn im Auge. „Seit einem Jahrzehnt dränge ich auf eine Verbesserung dieses aus städtebaulicher Sicht äußerst unbefriedigenden Zustandes und auf eine Revitalisierung des Steinwerders“, sagt Koss und ist sichtlich erleichtert, dass sich sein langer Atem endlich auszahlt. Ginge es nach ihm, dann fiele die anstehende Neugestaltung des insgesamt 2300 Quadratmeter großen Areals zurückhaltend aus: mit viel Grün, einigen Parkplätzen „und auf keinen Fall neuen Hochbauten“. Darin ist Koss sich mit Treptow offenbar einig: Auch die Geschäftsführerin der Stadtwerke zeigt zurzeit keinerlei Neigung, an diesem Standort in einen Neubau – etwa zur gastronomischen Nutzung – zu investieren, „für den wir dann wieder einen Mieter oder Pächter suchen müssten“.

Die Investition in eine neue Turbine steht dagegen sehr wohl zur Debatte. „Wir wollen unseren Anteil an regenerativer Energie steigern“, sagt Treptow und erwägt den Einbau einer kleinen Turbine, die aus maximal zwölf Kubikmetern Wasser pro Sekunde Strom erzeugen kann. 112 Kubikmeter Weserwasser in der Sekunde dürfen die Stadtwerke laut Vertrag durch ihre Wasserkraftanlagen laufen lassen. „100 nutzen wir zurzeit nur. Mit weiteren zwölf Kubikmetern würden wir unser Recht lediglich voll ausschöpfen“, so Treptow. Die Jahresproduktion an Strom aus Wasserkraft könnte damit von derzeit 13 auf 14,5 Millionen Kilowattstunden gesteigert werden. Davon unberührt bleibe das Gebot, wonach das Wehr durch die Entnahme des Weserwassers nicht trockenfallen darf. Auch mit der neuen Turbine müsste das künstliche Stauwerk in seinem oberen Teil immer benetzt bleiben.

2 Bilder
S. Treptow

Ob zwölf Kubikmeter mehr oder weniger durch die Turbinen laufen – mit dem bloßen Auge sei dieser Unterschied kaum wahrnehmbar, meint Bernhard Nitsche vom Wasser- und Schifffahrtsamt. Und kann sich „nicht vorstellen“, dass wegen der zusätzlichen Turbine die Tage zunehmen, an denen kaum noch Wasser über das Wehr fließt.

Investition in Turbine muss sich rechnen

Ob die Turbine tatsächlich installiert wird, hängt davon ab, ob sich die Investition in ein Projekt rechnet, das weitaus mehr umfasst als nur Kauf und Einbau. „Wir können die neue Turbine nicht einfach auf der alten Anlage aufsetzen“, erklärt Stadtwerke-Prokurist Helmut Feldkötter. Denn von der alten Anlage existierten keine Pläne mehr, und „niemand würde uns eine Garantie dafür geben, dass die Statik in Ordnung ist“. Für eine neue Turbine müsste darum die gesamte bauliche Konstruktion des alten Wasserkraftwerks, die Wasser der Weser in Richtung Turbinenhaus geleitet hat, erneuert werden. Einen Überbau, der von der Straße aus sichtbar ist, brauche die neue Turbine nicht.

Zunächst nur provisorisch hat die Stadt Hameln inzwischen das Anschlussstück zwischen Münsterbrücke und Inselstraße erneuert – durch eine Behelfsbrücke. Sie wurde nötig, weil die alte Brücke über den Zulaufkanal erhebliche Mängel aufwies. Kurzfristig war sie für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt, was den Lieferverkehr für Inselstraße und Werder stark behinderte.

Als Dauerlösung ist die Behelfsbrücke nicht gedacht, zumal sie monatlich 1500 Euro Miete kostet und genauso wenig ansprechend aussieht wie die Absperrung vor dem Geländer zur Weser. Sobald die alten Gebäude abgerissen sind – was voraussichtlich Anfang oder Mitte nächsten Jahres der Fall sein wird – und die Fläche frei ist für eine neue Gestaltung, sollen auch Brücke und Geländer erneuert werden. Diesen Part muss die Stadt Hameln als Eigentümerin der öffentlichen Fläche vor dem Grundstück der Stadtwerke übernehmen.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt