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Die schwierige Suche nach dem Neuen

Bad Münder. Heinrich Söfjer hat die Konsequenzen gezogen – er will nicht mehr Vorsitzender einer Fraktion sein, in der er keinen Rückhalt hat. Doch sein Rücktritt offenbart auch die Personalprobleme der SPD: Wenn heute Abend um 19 Uhr die Ratsfraktion zusammenkommt und über den Punkt „Neuwahl“ berät, bietet sich kein Nachfolger zwingend an.

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Bereits seit einigen Wochen beschäftigen sich Fraktionsmitglieder mit Gedankenspielen, wer den Vorsitz anstelle von Söfjer übernehmen könnte. Keine fieberhafte Suche, aber sehr wohl eine Suche, die von einer deutlichen Erkenntnis getragen wird: In der aktuellen Situation der Stadt mit – vor dem Hintergrund des Zukunftsvertrages – gewaltigen Problemfeldern wie dem maroden Solebewegungsbad und der Frage der Nachnutzung der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Schule, kann es sich die SPD nicht erlauben, sich in ewigen Personaldebatten im Kreis zu drehen oder sich in Grabenkämpfen weiterhin selbst zu zerfleischen. Zu schaffen macht der Partei dabei offenbar, dass sie die Nachwuchspflege vernachlässigt hat. Es fällt auf, dass in der aktuellen Diskussion kein jüngerer, ambitionierter Politiker als Nachfolger von Söfjer gehandelt wird. Abgesehen von Swen Fischer – sofern er mit 46 Jahren noch zu dieser Kategorie zählt.

Und Fischer hat seine Erfahrungen mit Führung der SPD – Fraktion bereits gemacht. Von 1996 bis 2006 war er Vorsitzender und musste dann nach einer Kampfabstimmung seinen Platz räumen. Noch heute wird diese Abwahl in SPD-Kreisen als „Putsch“ bezeichnet – und das erklärt auch Fischers fehlende Begeisterung, sich nun wieder in die erste Reihe zu stellen. In der Fraktion gibt es zwar einige neue Gesichter, aber auch einige, die sich damals gegen Fischer aussprachen. Und so erklärt Fischer zu diesem Thema, dass er sich in der Kreistagsfraktion sehr wohl fühle und als finanzpolitischer Sprecher eben jener Kreistagsfraktion durchaus beschäftigt sei – ein deutliches Nein zu dem Ansinnen, ihn zum Vorsitzenden der Ratsfraktion machen zu wollen. Sein Ansatz: Die Fraktion brauche in den kommenden Wochen so etwas wie einen gruppendynamischen Prozess, entsprechend plädiert er dafür, die bisherigen Stellvertreter Uwe-Peter Keil und Karl-Wilhelm Baule die Fraktion bis zu Neuwahlen in einigen Monaten weiterführen zu lassen.

Dass er eine Fraktion führen kann, hat auch Detlef Olejniczak als Vorgänger von Swen Fischer bereits bewiesen. Seine Problem allerdings: Olejniczak hat sich – nicht zuletzt in der Diskussion um den Erhalt des Schulstandortes Flegessen – in der Fraktion nicht nur Freunde gemacht.

Als möglicher Kandidat für den Vorsitz wird auch Rolf Wittich gehandelt. Er folgte 2006 Swen Fischer nach, bevor er 2011 für die inzwischen aus der SPD ausgetretene Anja Völksen Platz machte. Wittich selbst will sich zu seinen Ambitionen vorab nicht äußern, eine Bewerbung aber auch nicht ausschließen: „Wir werden noch einige Gespräche führen müssen.“ Er erwartet, dass heute ein neuer Vorsitzender gefunden wird.

Zugetraut wird die Führung der Fraktion auch den beiden bisherigen Stellvertretern Keil und Baule – beide waren auch nach dem Parteiaustritt Völksens im Gespräch, hatten aber dankend abgewunken. Gewählt wurde letztlich Heinrich Söfjer.jhr

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