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„Die schönen Seiten übersieht man“

Bad Münder. In seiner Analyse hat IHK-Einzelhandelsfachmann Hans-Hermann Buhr der münderschen Innenstadt ein unterm Strich gutes Zeugnis ausgestellt – und gleichzeitig Anregungen für Verbesserungen gegeben. Die Reaktionen auf das Urteil des Experten sind überwiegend positiv.

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„Mir hat das unheimlich gut gefallen. Mit vielen seiner Einschätzungen hat mir Herr Buhr aus der Seele gesprochen“, sagt Robert Ascher, früheres Vorstandsmitglied des Kur- und Verkehrsvereins. Die Idee eines weiteren Marktes mit direkter Anbindung an die Innenstadt sei nicht neu. „Das haben wir schon vor Jahren gefordert.“

Buhrs Kritik an einer teilweise nicht nachvollziehbaren Verkehrsführung findet bei Ascher breite Zustimmung. Die Einbahnstraßenregelungen im Bereich der unteren Deisterallee und beim Teilstück zwischen Steinhof und Lange Straße seien „großer Quatsch“.

Das Kaufhaus Döring hatte der Experte als „Magnetbetrieb schlechthin“ bezeichnet, was Inhaber Michael Engel natürlich freut. In fünfter Generation führt er das Unternehmen – ein Fortgang aus Bad Münder „ist für uns keine Option. So schlimm ist die Situation hier auch nicht“, steht für Engel fest. Der Einzelhandel in kleineren Orten habe es generell schwerer, „es könnte aber auf jeden Fall mehr getan werden, vor allem vonseiten der Stadt, beispielsweise bei der Grünpflege“.

In diesem Punkt stimmt ihm Juwelier Peter Jakob zu, dem vor allem die Obertorstraße ein Dorn im Auge ist. Er nimmt jedoch auch die Ladeninhaber selbst in die Pflicht, für Sauberkeit zu sorgen. „Das ist schließlich in unser aller Interesse.“ Auch das Verhängen von leer stehenden Geschäften sei „kontraproduktiv“. „Ein wenig Dekoration würde ja schon ausreichen“, stimmt Jakob Buhr zu.

Die Verkehrssituation ist vielen Händlern ein Dorn im Auge. „Wir hatten ja schon einmal einen Antrag an die Stadt gestellt, die Deklarierung der Marktstraße als Fußgängerzone aufzuheben und zur verkehrsberuhigten Zone zu erklären“, erinnert Engel. „Vor allem für ältere Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß seien, brächte dies eine große Erleichterung“, pflichtet Jakob bei. Optiker Johann Hasenfuss, hingegen freut sich über die „ruhige Zone mitten in der Stadt. Außerdem kann man sich ja bis 10 Uhr mit dem Auto Brötchen holen.“

Alle drei Einzelhändler sind sich in einem Punkt einig: wenn noch ein weiterer Markt, dann im Bereich Petersilien-/Wermuthstraße. „Das Hermapal-Gelände war von Anfang an eine Totgeburt“, formuliert es Hasenfuss drastisch. Ziel aller Überlegungen müsse doch sein, das Zentrum zu beleben.

Aus diesem Gedanken sei damals auch die von Buhr gelobte Initiative „Einkaufen in Bad Münder“ entstanden. „Es wäre schön, wenn sich noch mehr Selbstständige engagieren würden, denn je kleiner die Gruppe, desto weniger können wir erreichen“, sagt Mitbegründer Hasenfuss.

Ortsbürgermeisterin Petra Joumaah hat Buhrs Appell für mehr Zuversicht besonders gut gefallen. „Das hat mich regelrecht wachgerüttelt. Oft geht man durch die Stadt, nimmt nur noch die Missstände wahr und übersieht dabei völlig die schönen Seiten, die Bad Münder hat.“ Die Kritik an den unschönen Leerstandsschaufenstern habe auch der Ortsrat schon geäußert. „Da müsste wirklich die Wirtschaftsvereinigung ein bisschen aktiver werden“, meint Joumaah. Bei der Verkehrsführung gebe es tatsächlich Prüfbedarf. „Ich verstehe da auch nicht alles“, gibt die Ortsbürgermeisterin zu. Buhrs Bewertung der Supermarkt-Standorte sieht sie dagegen mit Skepsis. „Natürlich haben wir damals mit Aldi über einen Einzug in den Extra-Markt gesprochen. Aber das kam für die nicht in Frage.“ Und ob sich tatsächlich ein Investor für einen SB-Markt an der Petersilienstraße finde – „da habe ich so meine Zweifel“. Buhr hatte grundsätzliche Offenheit gegenüber diesem Thema empfohlen, gleichzeitig aber deutlich gemacht, dass das Angebot von Lebensmitteln in Bad Münder schon weitgehend gedeckt ist.

Für Grünen-Ratsherr Hubertus Wöllenstein ist eines bei der Diskussion ganz klar: Wenn wir für die Stadt und den Einzelhandel etwas tun wollen, müssen wir uns auf unsere drei Säulen ,Tourismus, Gesundheit und Kultur“ besinnen.“ Wenn die Übernachtungszahlen von 250 000 erhöht werden könnten, würden alle profitieren, „Auch mit anderer Verkehrsführung und mehr Parkplätzen kriegen wir C&A nicht her.“ Für die Gäste, die da sind, müsse Münder jedoch offensiver und sympathischer rüberkommen.

„Und sauberer“, meint Dieter Kölle, Vorsitzender des Kur- und Verkehrsvereins: „Die Innenstadt ist doch unser Aushängeschild. Da müssen die Anwohner und Ladeninhaber vor der eigenen Tür kehren.“col/mf



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