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Als Hilfe für Schwerkranke und Sterbende und als Begleitung für Angehörige gibt es seit 2009 ein Hospiz- und Palliativnetzwerk im Landkreis Schaumburg. Ziel ist, in der ländlichen Region eine möglichst breit gefächerte Versorgung und Vernetzung anzubieten

Die Qualität des Abschieds

Sie wollen mir jetzt wohl sterben helfen.“ Diese Begrüßung ist für Christine Göbel, stellvertretende Vorsitzende des Vereins Hospiz- und Palliativnetzwerk Schaumburg nicht ungewöhnlich. „Nein“, erwidert sie dann ihrem Gegenüber, „das kann ich nicht, das müssen Sie schon selber übernehmen. Ich möchte Ihnen Ihr Leben, was Ihnen noch bleibt, erleichtern.“

Autor:

Jan Peter Wiborg
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Gemeinsam mit der Vorsitzenden Christine Holitzner-Bade und weiteren ehrenamtlichen Helfern hat Göbel in den vergangenen Jahren an einem Verbund gebaut, in dessen Mittelpunkt ein schwer kranker, sterbender Mensch, aber auch seine An- und Zugehörigen stehen. Ein Netz, das sich die Begleitung, Beratung, Pflege und medizinische Versorgung am Lebensende in Schaumburg zur Aufgabe gemacht hat.

Göbel koordiniert die Einsätze der ehrenamtlich tätigen Hospizbegleiter nicht nur, sie geht auch selbst in die Familien: „Oft schlagen mir Angst und Verzweiflung entgegen.“ Sie erinnert sich an einen Sterbenden mit Lungen- und Gehirntumor. Dort hätten Ärzte zuvor bei den Angehörigen „noch die Angst geschürt“, dass es zu starken Blutungen kommen könne. „Kann es, aber muss es nicht“, sagt Göbel ruhig und bestimmt.

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Die Stadthägerin versucht, den An- und Zugehörigen Ängste zu nehmen, dem Sterbenden seine letzten Lebenstage und Stunden qualitativ zu verbessern. Alle Hospizhelfer sind dazu noch versiert darin, wenn es sein muss, über das Hospiz- und Palliativnetzwerk fachliche Hilfe anzufordern sowie geschult und geduldig zuzuhören.

Auch nach dem Tod sind die Hospizhelfer für die Angehörigen da. Seit ein verstorbener Mensch nicht mehr unmittelbar aus dem Haus gebracht werden muss, sondern bis zu 48 Stunden in seinen – ehemals - eigenen vier Wänden bleiben darf, hat Göbel festgestellt, dass sich Abschiede verändern, feierlicher, entspannter werden: „Aber nicht immer, manchmal haben die Angehörigen mit dem Verstorbenen auch eine Geschichte und möchten ihn schnell aus dem Haus haben.“

„Ziel des Hospiz- und Palliativnetzwerkes ist es“, erläutert Christine Holitzner-Bade, „zur Verbesserung der Situation beizutragen.“ Gemeinsam mit den Mitgliedern und Kooperationspartnern aus dem Bereich palliative Pflege, Palliativmedizin, ambulante Hospizarbeit, Seelsorge und Psychologie sowie Physio- und Ergotherapie versuchen die Mitarbeitenden, in „verlässlicher Zusammenarbeit“ all das zu erreichen, was für den Einzelnen am Ende seines Lebens dringend notwendig sei.

Nach Bedarf wird auch mit den zuständigen Stellen der Kranken- und Pflegekassen, der Kostenträger, den Kommunen sowie den überregionalen ambulanten und stationären Einrichtungen zusammengearbeitet.

Holitzner-Bade hebt die besondere Bedeutung des Zusammenwirkens mit allen ambulanten Pflegediensten, den niedergelassenen Ärzten, aber auch den Krankenhäusern im Landkreis Schaumburg hervor: „Die Menschen sollen nach Möglichkeit in ihrem häuslichen Umfeld, welches auch eine Pflegeeinrichtung sein kann, von der ihnen vertrauten Person versorgt werden.“

Kontakt: Seit dem Herbst 2010 hat das Hospiz- und Palliativnetzwerk sein Büro in der Marktstraße 1 in Stadthagen bezogen, mit Sprechstunden jeweils dienstags und donnerstags zwischen 10 und 12 Uhr. Das Hospiz- und Palliativnetzwerk ist zu erreichen unter Telefon (0 57 21) 8 90 99 40.




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