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Kreislandwirt Stukenbrock bezieht in Bakede Stellung zum Dioxin-Skandal / Deisterhang erneut Thema

„Die Opfer sind die Bauern, niemand sonst“

Bakede (jhr). Geballter Bauern-Frust: Dioxin-Skandal, Fahrverbot auf der neuen B 442, Maststall-Verhinderung am Deisterhang – die Versammlung des Landvolk-Bezirks bot gestern nur wenige Themenschwerpunkte, die zu Optimismus verleiteten.


„Das sind verbrecherische Handlungen, die müssen hart bestraft werden“, forderte Bezirkslandwirt Rainer Klockemann Freiheitsstrafen für die Verantwortlichen im aktuellen Dioxin-Skandal. Er habe erwartet, dass es „so eine Schweinerei nach BSE nicht noch einmal geben“ werde, der Schaden für die Landwirte sei immens. „Es hat ein Verbrechen gegeben – und die Opfer sind die Bauern, niemand sonst“, erklärte auch Kreislandwirt Karl-Johann Stukenbrock. Er kritisierte die „vielfach verdrehte Darstellung“ der Rolle der Landwirte in den vergangenen Wochen, wies auf einen Forderungskatalog des Landvolks mit Aspekten von einem effektiveren Frühwarnsystem bis hin zu einer Versicherungspflicht für Futtermittelproduzenten hin und griff dann ein Thema auf, dass zuvor bereits Landvolk-Geschäftsführer Friedrich Wilharm angeschnitten hatte: Den Widerspruch zwischen einer „romantischen Vorstellung“ von Landwirtschaft und dem harten Wettbewerb auf dem Weltmarkt, dem sich die heimischen Landwirte inzwischen stellen müssten. „Die Gesellschaft möchte den kleinen Betrieb. Den Bauern, der seine Schweine wie im Streichelzoo mit Vornamen kennt, hinter dem Zweischar-Pflug hertrottet und mit jedem Passanten eine Plauderei beginnt. Gleichzeitig soll Landwirtschaft aber in Bad Münder nicht zu sehen sein und niemand will auf Essen und Trinken zum günstigen Preis verzichten. Das passt nicht“, erklärte Wilharm.

Ernüchternd hätten auf ihn die „Runden Tische“ zu Mastställen am Deisterhang gewirkt. „Dort habe ich das Horrorerlebnis schlechthin gehabt: Ein Vertreter einer Klinik hat erklärt, dass auch ein gutachterlicher Beleg, dass ein Stall nicht stinke oder rieche, nicht entscheidend sei. Allein die Tatsache, dass ein Stall entstehe, reiche für die Ablehnung aus.“ Zum Thema Veränderungssperre am Deisterhang werde es Zeit, dass die Stadt „Farbe bekenne“. Die zuletzt vorgestellten Planungen kritisierte auch Klockemann: „Mitten in der Feldmark darf ich keinen Schweinestall bauen, am Ortsrand aber sehr wohl – da sind doch Schwierigkeiten mit den Anliegern vorprogrammiert, das ist doch schizophren“, wetterte der Bezirkslandwirt. Der Landvolk-Verband könne zwar keine Rechtsmittel gegen das Vorgehen in Bad Münder einlegen, sehr wohl aber klagebereite Landwirte bei der Auswahl eines Fachanwaltes und der Koordination unterstützen“, machte Wilharm deutlich.

Kritik gab es zum Stand der Gespräche zur Nutzung der Ortsumgehung Eimbeckhausen durch Landwirte. „Seit einem halben Jahr ruhen die Gespräche, Straßenbauverwaltung und Polizei mauern“, erklärt Wilharm. Die Stadt unterstütze allerdings die Forderung der Landwirte, die neue Straße auch mit ihren landwirtschaftlichen Fahrzeugen befahren zu dürfen. „Ich darf mit meinem Schlepper in Hannover auf dem Messeschnellweg fahren, aber hier nicht auf einer Umgehungsstraße – das kann doch nicht sein“, so Wilharm. Landwirte hätten durch Umgehungsstraßen Nachteile wie die Zersplitterung ihrer Flächen, können die Straßen aber nicht nutzen. „Wir haben keine rechtliche Handhabe. Wenn wir uns wehren wollen, bleibt uns nur, Nein zu sagen zu all den Planungen von Bund und Kommunen – ich weiß keinen anderen Weg. Eigentlich eine traurige Aussage“, schloss Wilharm.



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