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Auch der Rat der Samtgemeinde Eilsen fordert einen Stopp des Abbaus am Messingsberg

"Die Natur nicht weiter vergewaltigen!"

Eilsen (sig). Unter die unendliche Geschichte des Messingsberges wird wohl noch lange kein Schlussstrich gezogen. Eine weitere Fortsetzung hat am Montagabend der Rat der Samtgemeinde geschrieben, der sich im "Haus des Gastes" traf. Die klar dominierende Meinung lautete hier nach ausgiebiger Diskussion: "Schluss mit dem Abbau!" Aber auch dieser Zusatz war nicht zuüberhören: "Wenn es denn so ginge."

Das unabhängige Ratsmitglied Gerhard Hasse wies darauf hin, dass die gesamte verbliebene Wand abgesichert werden müsse. Die Unwetter würden zunehmen und immer stärker ausfallen. Aufgrund der damit verbundenen heftigen Luftströmungen sei damit zu rechnen, dass eines Tages der restliche Kamm ins Rutschenkomme. Angesichts dieser Gefahr sei es besser, das Reststück abzubauen und die gesamte Fläche für die Renaturierung vorzusehen. Hasse: "Was nutzt uns der angefangene Steinbruch noch? Nach dem Absenken des Kamms sollte alles mit Erde aufgefüllt und bepflanzt werden. Dieser Anblick bereitet dann auch Naturfreunden Freude, und außerdem bietet das Gelände dann den Wanderern mehr Sicherheit." Der Buchholzer Bürgermeister Hartmut Krause, der zur CDU-Fraktion gehört, forderte für die Bewohner seiner Gemeinde mit Nachdruck auf, dem Steinbruchbetreiber sofort die Abbaurechte zu entziehen. Eine deutliche Mehrheit sei dafür, die Kammlinie zu erhalten. Sie sei in der Vergangenheit ein Schutz vor schlimmeren Unwettern gewesen. Samtgemeinde-Bürgermeister Bernd Schönemann unterstrich, dass die Kreisverwaltung und zahlreiche Gemeinden im Einzugsbereich das weitere Abtragen des Kamms ablehnen. Die Auswirkungen auf Klima und Umwelt seien sehr umstritten. Schönemann ist für den Stopp des Gesteinsabbaus. Fritz Rahe (FDP) glaubt, dass keine Chance bestehe, die Arbeiten im Steinbruch zu stoppen. "In den nächsten zehn bis 15 Jahren werden die dort weitermachen, denn sie besitzen die Rechte dafür", lautet seine Prognose. Schließlich sei vom Kamm ohnehin nicht mehr viel übrig geblieben. Der werde nach dem Ende der Abbaugenehmigung dann eben 15 Meter niedriger sein. Rahe: "Der Landkreis wird seine Genehmigung nicht zurücknehmen, weil er dann mit erheblichen Regressforderungen rechnen muss. Das Errichten irgendeines Zaunes ist ohnehin Humbug, denn er gibt keine ausreichende Sicherheit." Die Samtgemeinde solle aber darauf drängen, dass von dem Unternehmen rechtzeitig Rücklagen für die Renaturierung gebildet werden. Luhdens Bürgermeister Zabold erklärte: "Wir vertreten unsere Bürger und müssen dafür sorgen, dass die Natur nicht noch weiter vergewaltigt wird. Wir müssen uns beim Gewerbeaufsichtsamt dafür stark machen, dass jetzt endlich ein Stopp kommt." Heinz Grabbe (SPD) betonte: "Die bis 2015 geltende Genehmigung zum Abtragen weiterer Flächen wird man nicht zurücknehmen. Auch im Raumordnungsplan ist das als Vorranggebiet für den Gesteinsabbau vorgesehen." Bernd Schönemann verlas die Aufforderung der Stadt Rinteln an das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt und an den Landkreis Schaumburg, nach dem Bergrutsch keine weiteren Eingriffe in den Bestand der Kammlinien des Messingsberges mehr zuzulassen. Er empfahl den Ratsmitgliedern, dass sich die Samtgemeinde Eilsen ebenfalls zu einer einheitlichen Meinung in diesem Sinne durchringe. Das geschah bei einer Gegenstimme von Fritz Rahe. Es soll auch untersucht werden, ob der Kamm durch einen Zaun gesichert werden könne.

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