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3000 Fans feiern Chris Rea in der AWD-Hall / Wenn die Slide-Guitar weint

Die Liebe zum Blues versetzt Berge

Als sich Chris Rea 2006 auf seiner offiziellen „Road To Hell & Back“-Abschiedstournee befand, glaubte niemand mehr, dass der Brite noch einmal zurück ins Rampenlicht kehren würde. Nach seiner schweren Krebserkrankung musste der Musiker auf Anraten der Ärzte kürzertreten und wollte sich auch selbst nicht mehr dem enormen Tourstress aussetzen.

3000 Fans feierten Chris Rea mit „Standing Ovations“

Jetzt erklingen sie wieder, seine niveauvollen, gefühlsbetonten Rocksongs, ertönt seine glasklare Slide-Gitarre und seine Whiskey-getränkte Stimme singt den Blues wie kaum ein anderer. Chris Rea is back – ist dahin zurückgekehrt, wo er sich wohlfühlt: Auf die Bühne.

Es klang fast spottend, als er das letzte Mal in Hannover sein „Fool, If You Think It’s Over“ – was soviel heißt wie „Ein Narr, wenn du denkst, dass es vorbei ist“ – ins Mikro hauchte. Scheinbar gibt ihm seine Musik die nötige Kraft, die schwere Erkrankung so tapfer zu meistern, die „Stony Road“ immer noch gehobenen Hauptes zu gehen.

Ein großer Plauderer war der 58-Jährige noch nie gewesen und so ließ der in Middlesbrough geborene Sänger und Komponist wie gewohnt seine Musik für sich sprechen.

Der König des Bottleneck-Spiels kann aus dem Vollen schöpfen, schrieb Rea nach seiner Krebsoperation doch mehr als 130 Songs, die er allesamt 2005 in dem 11 CD’s umfassenden Ear Book „Blue Guitars“ verewigte.

Drei dieser „blauen Gitarren“ hingen sinnbildlich am hinteren Teil der Bühne, ebenso eine Leinwand, auf der Malereien Reas in den unterschiedlichsten Farben zu sehen waren. Es ist ein sehr persönliches Bühnenbild, denn der Sänger malte die Bilder nach seiner Erkrankung.

„Where The Blues Come From“ erklingt und jeder weiß, dass er bei Rea tief aus seinem Herzen kommt. Schon da leistet seine „Pinky“ Fender Stratocaster Schwerstarbeit, gibt die grobe musikalische Richtung an diesem Abend vor. Seiner Frau und den beiden Töchtern hat er eigene Musiktitel geschrieben – mit „Josephine“ schickt er gleich zu Beginn einen Gruß an seine älteste Tochter. Blaue Nebelschwaden steigen auf, als der Sänger „Easy Rider“ anstimmt – mit dem Song wird auch das Bühnenlicht heller – passend zu dem nachfolgenden Titel „Looking For The Summer“. Standing Ovations für das Solo bei „Stony Road“ – Rea dreht auf – es rockt und bluest gewaltig in der AWD-Hall. Die Techniker des Musikers machen einen guten Job – selten erlebte man eine so gute Akustik in der ehemaligen Sporthalle.

„And I Fell In Love, I Fell In Love - I Fell In Love With A Stainsy Girl“ – Rea tanzt, lacht und animiert das Publikum zum Mitklatschen. Es tut gut ihm zuzusehen – Musik statt Pillen – wie schön wäre das.

„Road to Hell“, „On The Beach“ – der Showdown läuft auf Hochtouren.

Danke, Chris. Wir werden dich mit offenen Armen empfangen, wenn du das nächste Mal wieder nach Hannover kommst.

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