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Schlecker-Ende: Mitarbeiterinnen schließen die Filialen selbst ab

Die Letzte macht das Licht aus

Bad Münder (jhr). Schlecker ist Geschichte. Gestern Nachmittag wurden in den Filialen an der Marktstraße und in Bakede die Lichter gelöscht. Viel zu verkaufen gab es am letzten Tag nicht mehr – der Preisnachlass von 90 Prozent auf alle Waren hatte die Regale bereits am Montag leer gefegt.

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„90 Prozent – da wird nicht überlegt, da wird gekauft“, erklärt die Leiterin der Filiale in Bad Münder. Teilweise sei der Ansturm so groß gewesen, dass sie die Türen schließen musste. „Von morgens bis abends durch. Babywindeln, Kindernahrung, Rasierer, Streusalz, Entfroster, alles ging weg“, berichtet sie. Was auf der Strecke blieb, war in vielen Fällen die Höflichkeit und Achtung vor den Verkäuferinnen, die ohnehin an ihrer Belastungsgrenze arbeiteten. „Regalböden, die auf den Boden geworfen werden. Unverständnis dafür, dass bei 30 wartenden Leuten vor der Kasse keine persönliche Beratung möglich ist“, erinnert sich die Marktleiterin.

Aber es habe auch nette Gesten gegeben: Die Kundin beispielsweise, die mit einem großen Blumenstrauß in den Laden kam. Und immer wieder die Menschen, die Anteil an der Situation der Schlecker-Angestellten nahmen. Denn hinter der Pleite des Drogerie-Discounters stehen zahlreiche Einzelschicksale. Alleinerziehende Mütter, die ab dem 30. Juni arbeitslos sind. Die 50-Jährigen, die nur schwer einen neuen Arbeitsplatz finden. Oder eben die Leiterin der Marktstraßen-Filiale selbst, die im kommenden Jahr in die passive Phase der Altersteilzeit gehen wollte. „Daraus wird jetzt nichts. Ich werde arbeitslos und mit fast 60 Jahren wohl auch keinen Job mehr kriegen“, sagt sie. 18 Jahre war sie bei Schlecker beschäftigt, und gearbeitet hat die gelernte Drogistin gerne für das Unternehmen. „Ich bin immer nach Tarif bezahlt worden. Natürlich gab es hier und da eine Überstunde, aber das war in Ordnung“, sagt sie. Nur mit der Informationspolitik der vergangenen Monate hadert sie. „Da hat sich kaum noch jemand gekümmert.“ Wut auf die Familie Schlecker? Fehlanzeige. Obwohl: „Mit ein wenig Geld von der Seite hätte vielleicht doch noch etwas gerettet werden können. Aber ich kenne da nicht alle Details“, sagt sie. Zunächst hat sie im Januar ihre angestammte Filiale in ihrem Wohnort schließen müssen, kam dann nach Bad Münder. „Es gab ja die Hoffnung, dass Schlecker gerettet wird und es weitergeht.“ Doch diese Hoffnung habe sich sehr schnell zerschlagen.

Während sie erzählt, geht der spärliche letzten Warenbestand über den Tisch: Sauger für Babyflaschen. Kerzen für die Weihnachtskrippe. Plastik-Messer für die Party. Ein Sammelsurium von Lippenstiften – je 20 Cent. Wie geht es weiter? „Wir Kolleginnen gehen nachher gemeinsam etwas trinken“, sagt die Filialleiterin. Wirklich realisieren werde sie das Ende wohl erst ein ein paar Tagen.



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