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Ein Jahr mit Bewährung für Unfallfahrer von Pollhagen / Zu schnell mit 1,7 Promille / Beifahrer stirbt

Die letzte Autofahrt zweier Freunde

Pollhagen/Stadthagen (ly). Gewinner gibt es nicht in diesem Prozess. „Es gibt nur Verlierer“, sagt Verteidiger Ralf Jordan. Die Angehörigen des Opfers haben am meisten verloren – einen geliebten Menschen. Rund neun Monate nach einem tödlichen Autounfall auf der Hauptstraße in Pollhagen hat das Amtsgericht Stadthagen den Fahrer, einen Mann (22) aus Bad Eilsen, zu einem Jahr Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt. Hinzu kommen weitere 14 Monate Führerscheinsperre, gerechnet von jetzt an. Eine der Auflagen: 120 Sozialstunden. Der Schuldspruch lautet auf fahrlässige Tötung und Gefährdung des Straßenverkehrs wegen Trunkenheit. Zur Tatzeit hatte der Eilser 1,7 Promille Alkohol im Blut.

Auf dem Beifahrersitz saß angeschnallt ein Freund (18) aus Meerbeck. In einer Linkskurve hinter der Kanalbrücke verlor der alkoholisierte Unglücksfahrer gegen Mitternacht die Kontrolle, kam nach rechts von der Fahrbahn ab und prallte mit der Beifahrerseite gegen eine Sandsteinmauer.

Das Opfer muss sofort tot gewesen sein. Die Ärzte stellten einen Genickbruch und schwerste Kopfverletzungen fest. Ein Sachverständiger hat errechnet, dass der Wagen zum Zeitpunkt des Unfalls mindestens 83 Stundenkilometer schnell war, vielleicht sogar bis zu 96. Erlaubt ist in der Pollhäger Ortslage Tempo 50.

Auf Nachfrage von Opferanwalt Volkmar Wissgott kam vor Gericht heraus: Nach einem einmonatigen Fahrverbot wegen Raserei hatte der Eilser seinen Führerschein an jenem 4. Mai zwar bereits zurück, durfte aber offenbar noch nicht wieder hinters Steuer. Möglicherweise hatte er das behördliche Begleitschreiben nicht gelesen.

So oder so: „Dieser Unfall war vermeidbar“, stellte Richter Carsten Knepper fest. In Anspielung auf das zuvor verhängte Fahrverbot erklärte Knepper: „Man erkennt, dass der Angeklagte die Straßenverkehrsregeln bisher nicht richtig ernst genommen hat.“

Der 22-Jährige selbst hatte Rippenbrüche erlitten und lag zwei Wochen im Krankenhaus. Für ihn spricht aus Sicht des Gerichts, dass er ein Geständnis abgelegt hat, Reue zeigt und wegen des Unfalls traumatisiert ist. Im Schlusswort entschuldigte er sich bei der Familie seines getöteten Freundes.

Dennoch hat Wissgott, Anwalt der Nebenklage, „den Eindruck gewonnen, dass der Angeklagte noch einen weiten Weg vor sich hat“. So hatte dieser sinngemäß erklärt, er trinke nur ab und zu so viel. „Wer mit diesen Promillewerten noch Auto fährt, ist an Alkohol gewöhnt“, so Wissgott.

Hätte der 22-Jährige einen Unbeteiligten auf der Straße totgefahren, wäre er vermutlich zu einer Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt worden. In diesem Fall hatte jedoch auch das Opfer leichtsinnig gehandelt und sich zu einem Betrunkenen ins Auto gesetzt.

Mit seinem Urteil folgte Richter Knepper dem Antrag von Staatsanwalt Wilfried Stahlhut, dem sich zuvor auch Verteidigung und Nebenklage angeschlossen hatten. „Der Angeklagte“, so Stahlhut, „ist für sein Leben gezeichnet.“




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