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Die Legende vom Deisterlied

SPRINGE. Wenn Wolfgang Faustin an seinen Großvater Heinrich Peter denkt, fällt ihm zuerst die Musik ein: Der 1892 geborene Springer hat Musik studiert und hat wohl auch das Deisterlied komponiert. Gesungen wurde es früher auf so mancher Feier.

Wolfgang Faustin hält die Trompete seines Großvaters Heinrich Peter in Ehren. Foto: Brinkmann-Thies

Autor:

Anne Brinkmann-Thies

Und so hatte sich auch Monika Pfeiffer, die ihre Jugend in Springe verbrachte, an das Lied erinnert (wir berichteten). Und Wolfgang Faustin weiß: Es gibt sogar noch eine weitere Strophe.

„Ich kenne den Text, das Lied wurde oft bei uns gesungen“, erzählt der 63-Jährige, der sich viel mit der Geschichte seiner Familie beschäftigt. Es gab wohl kaum eine Feier, auf der nicht inbrünstig vom „so herrlich schönen Deister“ gesungen wurde, erzählt er.

Sein musikalischer Großvater Heinrich Peter, genannt „Heinschen“, lebte nach seinem Musikstudium am Konservatorium in Hannover zunächst in Straßburg, wo er erster Stadttrompeter war. Die Pflicht zog ihn dann wieder zurück an den Deister: Er übernahm den heimischen Steinmetzbetrieb in der Gartenstraße in Springe. Doch der Musik blieb Heinschen Peter treu. So gründete er den Feuerwehr-Musikzug Springe, der im September sein 90-jähriges Bestehen feiert. Der Musikzug sei damals sogar mit einigen Berufsmusikern bestückt gewesen, so Faustin. Sein Opa war der Kapellmeister des Musikzugs. Es existiert auch noch ein Brief seines besten Freundes Alfred Silberberg aus den 50er-Jahren, der als Jude nach Australien ausgewandert ist, berichtet Faustin. Adressiert ist dieser Brief an den Stadt-Kapellmeister und Trompeter Heinrich Peter. Und Faustin hat nicht nur Briefe, sondern auch viele historische Fotos sorgsam gesammelt. Etwa die Aufnahme eines Umzugs der Stadtkapelle im Jahr 1928, bei der sein Großvater voranschreitet. Der spielte neben Trompete auch Geige, Kontrabass, Zupfbass und Klavier. „Damit hat mein Großvater auch Stummfilme begleitet, die im Kino Friese liefen“, sagt Faustin schmunzelnd. Tanzmusik habe sein Großvater ebenfalls gemacht, etwa bei den Schützenfesten in Eldagsen. Damals, vor dem Zweiten Weltkrieg, habe es sogar drei Zelte gegeben – für die unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten.

Ein Umzug mit Musik zieht durch Springes Straßen, mit dabei auch Kapellmeister Heinrich Peter.
  • Ein Umzug mit Musik zieht durch Springes Straßen, mit dabei auch Kapellmeister Heinrich Peter.

Faustin weiß deshalb so viel über das Leben und Wirken seines Großvaters, weil beide sich viel unterhalten haben. Noch jetzt sei es so, als ob Heinschen Peter mit auf dem Sofa sitze, sagt sein Enkel. Und auch seine Mutter Lisa und die Großmutter Dora wussten viel aus dem Leben des 1957 verstorbenen Heinschen zu berichten.

So tanzten die Großeltern etwa zum Abschluss des alljährlichen Ausflugs zum Hallerbrunnen in Gemeinschaft mit anderen und der Rückkehr in die Gartenstraße einen Walzer auf der Straße. Die Musikalität hat der Großvater übrigens vererbt: Auch Wolfgang Faustins Vater Herbert war 50 Jahre lang Mitglied beim Springer Feuerwehr-Musikzug. Und Wolfgang Faustin selbst war dort 25 Jahre lang aktiv, er war der erste Gruppenführer der Jugendgruppe des Musikzugs der Springer Feuerwehr. Er selbst spielt Tenorhorn und Trompete, manchmal auch die seines Großvaters, die mindestens 100 Jahre alt ist.

Alle erschienenen Serienteile sind im Internet unter www.ndz.de/lokales/themendossier/aufwachsen.html nachzulesen.



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