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Ina Müller sabbelt und singt in der ausverkauften TUI Arena

Die „Königin der ungeschminkten Worte“ begeistert 9500 Fans

Ob ihre ausverkaufte Plattdüütsch-Show (2010) auf der Parkbühne oder ihr ebenfalls voll besetztes Konzert in der Swiss Life Hall 2011 – wenn Ina Müller Niedersachsens Landeshauptstadt besucht, ist die Konzerthalle oder der grüne Rasen restlos besetzt.

So platzt auch die TUI Arena aus allen Nähten, als die „Königin der ungeschminkten Worte“ ihr Publikum mit auf eine mehr als zweistündige „Singen und Sabbeln“-Reise nimmt. Blond, frech, satirisch, gut bei Stimme und doch schon deutlich „über 48“ – Ina Müller beherrscht scheinbar ganz exklusiv eine Rolle, die in der deutschen Musikwelt so noch nie interpretiert wurde.

Hinter riesigen, von der Decke hängenden, Stoffbahnen performt die 48-Jährige – zunächst nur als Silhouette wahrnehmbar, ihren Opener „Wenn du nicht da bist“. Fast majestätisch schreitet sie in schwarzer Marlene-Dietrich-Hose und schwarz-schweiß gestreifter Bluse in die Bühnenmitte. Wer ein Ina-Müller-Konzert besucht, weiß, dass ihn kein typischer Liederabend, wo Song auf Song folgt, erwartet. Die norddeutsche Kult-Blondine hat sich im Laufe der Jahre einen renommierten Ruf als schlagfertige Quasselstrippe erarbeitet – Angst, mit ihrem lockeren Mundwerk auch mal ins Fettnäpfchen zu treten: Fehlanzeige. So schätzen die Konzertbesucher nicht nur ihre frechen Lieder über Liebe und Laster, sondern auch ihr komödiantisches Talent.

„Hallo Hannover, wie geht’s euch?“, begrüßt die Müllerin ihr Publikum und sorgt im gleichen Atemzug für den ersten Lacher des Abends: „Beim Soundckeck wurde ich höflich gefragt, ob ich schon ein Geländer brauche“, witzelt Ina Müller, als sie die schmale Treppe zum Publikum hinunterschreitet. Womit wir gleich beim Hauptthema ihrer Show sind, denn ihr aktuelles Alter, Beziehungsfragen und das Altwerden in allen Facetten bietet der Grimme-Preisträgerin immer noch genügend verbale Angriffsfläche für ein abendfüllendes Programm. Sie spricht aus, was die meisten denken – ohne Wenn und Aber.

Ina genießt das Bad in der Menge.

Über das Thema, dass man im Gesicht eines Machos angeblich erkennen kann, ob er fremdgeht, unterhält sich Ina Müller mit Volker, der die Macht des Wortes in beeindruckender Weise von der Entertainerin zu spüren bekommt. So kitzelt die mehrfache Echo-Preisträgerin viel Interessantes und Privates aus dem Konzertgast heraus und schaut ihn immer wieder prüfend an.

Nachdem Volker mehr oder weniger sein Fett abbekommen hat, wird die „Sabbel-Pause“ mit einer weiteren Songperle aus ihrem aktuellen Album „48“ eingeläutet. „Sie schreit nur noch bei Zalando“ ist ein Lied, mit dem sie gegen das wortlose Nebeneinanderher-Leben anzusingen versucht.

Danach wird lustig weiter gelästert und gefrotzelt, dass es manchem die Röte ins Gesicht treibt. Für die Hitzewellen in den Wechseljahren hat sie nur eine Erklärung: „Ich fühle mich manchmal wie ein dampfendes Biokraftwerk, oben entweicht dann wie aus einer Fontanelle die Hitze“.

Auch das Drumherum stimmt – an die von der Decke herunterhängenden Stoffbahnen werden insbesondere bei den Songs immer wieder verschiedene Bilder oder Lichtspiele projiziert.

Licht aus, Spot an – da ist er, der Mann in der ersten Reihe, der während der Show mit seinem Smartphone spielt. Ein No-Go für Ina, die das ganz und gar nicht toleriert. „Ich beobachte dich schon eine geraume Zeit – das finde ich aber nicht toll, was du da machst. Also gut, nur wenn du während der Show Schweißausbrüche bekommen solltest, erlaube ich dir, es zu benutzen“, erklärt die „Botschafterin des Bieres“ mit einem verschmitzten Lächeln.

Während der gesamten Show wirkt Ina Müller, insbesondere als niveauvolle Sabbel-Schnute, überzeugend, verfeinert zudem mit unverblümter Gelassenheit ihr Songmaterial mit einer Prise Jazz, Soul und Pop. Dass der Müller’sche Dreiklang „sabbeln, saufen, singen“ auch ohne „saufen“ bestens funktioniert, zeigt die große Professionalität der grandiosen Entertainerin bei ihrem Konzert in Hannover.




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